Manch einer (vermutlich eher Eltern als Lehrer) mag mir vielleicht vorwerfen, die 3. Klässler seien noch zu klein, um über solch ernste Themen zu sprechen oder um sie zu verstehen. Gegenfrage: verstehen wir Erwachsene, was da vor sich geht? Warum jemand willkürlich Menschen tötet?

Ich nehme meine Schüler auch in jungen Jahren sehr ernst und versuche stets, aktuelles Geschehen in den Unterricht einzubinden. Außerdem ist es mir sehr wichtig, die Kinder nicht mit ihren Fragen alleine zu lassen.

Also habe ich das Thema heute früh vorsichtig angesprochen. Es stellte sich heraus, dass doch einige durch Radio oder TV Halbwissen übermittelt bekommen hatten. Nur wenige Eltern hatten mit ihren Kinder drüber gesprochen – so zumindest die Kinder. Wie es tatsächlich war, darüber vermag ich nicht zu urteilen. Doch halte ich es für problematisch, den Kindern zu Hause zu erlauben, die Nachrichten zu verfolgen, danach aber das Gehörte nicht kindgerecht zu erklären und darüber zu sprechen.

Auf jeden Fall versuchte ich, das Ganze so gut es ging zu erklären und auf die Fragen der Kinder Antworten zu finden – wenngleich ich selbst sprach- und ratlos bin. “Warum werden überhaupt Waffen gebaut?” , war zum Beispiel eine Frage. “Wieso bringt jemand einfach so viele Menschen um, die er gar nicht kennt? Das verstehe ich einfach nicht!” , äußerte sich jemand.

Trotz der Brisanz hatte ich ein gutes Gefühl dabei, die Geschehnisse nicht totzuschweigen und sie mit den Kindern zu besprechen. Mich würde interessieren, wie es Kollegen handhaben. Habt ihr das Attentat thematisiert und wenn ja, welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Attentat von Paris in der Schule thematisieren?

10 Gedanken zu „Attentat von Paris in der Schule thematisieren?

  • 16. November 2015 um 15:08
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    Ich finde es sehr lobenswert von dir, das angesprochen zu haben! Respekt!
    Ich denke, dass viele Kinder nur Bruchstücke von den Geschehnissen mitbekommen (was gut ist!), aber selbst dadurch verunsichert sind. Und da ist es wichtig, es in einer sicheren Runde aufzugreifen und versuchen zu erklären und zu erfassen. Sicherlich haben viele zu Hause nicht die Möglichkeit, darüber zu reden oder trauen sich nicht. Und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie unschuldig (was auch gut ist!) die Kinder noch sind, was man ja auch anhand deiner Fragen sieht. Ich finde es auch wichtig, in einem Klassenverband so etwas anzusprechen, da man sich untereinander stärken kann und Ängste nehmen kann!

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  • 16. November 2015 um 16:00
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    Hallo,

    habe heute auch die Fragen meiner Schüler zugelassen (4. Klasse Förderschule). Bei mir zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Einiges an Halbwissen und Fragen, auf die ich keine Antwort hatte. Laut Aussage meiner Schüler hat noch niemand mit ihnen darüber gesprochen. Doch es waren wichtige Fragen. Zudem beschäftigen diese die Kinder ja trotzdem, ob man jetzt darüber spricht oder nicht. Und wenn sie damit alleine gelassen werden, – das erscheint mir wenig sinnvoll.
    Schwierig war es für mich, als dann die ersten Kommentare à la “Die Flüchtlinge sind schuld” etc. kamen. Ich finde es sehr schwer, den Kindern mit ihren Ansichten zu begegnen. Vieles schnappen sie im Elternhaus, Bekanntenkreis usw. auf und geben es wieder. Obwohl wir dann heute darüber gesprochen hatten, wovor diese Menschen fliehen und dass es eben doch Menschen wie wir alle sind, konnten diese Vorurteile nicht gemindert werden.
    Ich denke aber auch, dass es ein wichtiges Thema ist, das die Kinder berührt. Daher sollte den Kindern mit ihren Fragen auf kindgerechte Weise begegnet werden. Ich atme schon auf, dass ich nicht allein auf weiter Flur mit dieser Ansicht bin.

    Viele Grüße

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  • 16. November 2015 um 16:12
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    Ich habe das Thema mit meiner 3. Klasse nicht angesprochen. Wir haben kurz nach den Sommerferien im Rahmen des Religionsunterrichts zum Thema Abraham über die Flüchtlinge gesprochen. Eigentlich ganz harmlos. Es ging darum, wie schrecklich es sei, seine Heimat verlassen zu müssen etc. Da wir auch 2 Flüchtlingskinder in der Klasse haben, wurden die dann auch befragt. Eine Woche später hatte ich einen ganz schrecklichen Elternabend. Ich wurde beschimpft, wie ich über Flüchtlinge reden würde und was ich den Kindern für Gruselgeschichten erzählt hätte. 😳 Schock!!! Anscheinend gingen nach unserer Stunde die Gespräche auf dem Schulhof weiter und die Kinder, die so unbegleitet Nachrichten gucken dürften, könnten mit ihrem Halbwissen glänzen und gaben die schlimmsten Geschichten zum besten. Zu Hause erzählten dann wohl einige was “wir” im Unterricht so besprochen hatten. Ich war fassungslos und empört darüber, wie unreflektiert einige Eltern die Aussagen ihrer Kinder nahmen. Hab das dann dort auch kundgetan und beschlossen, in dieser Klasse solche Themen nicht mal mehr ansatzweise anzureißen. Sie sind einfach noch zu klein dafür. Meine zumindest, aber es gibt ja auch ganz andere Lerngruppen.

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  • 16. November 2015 um 16:14
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    Ich habe es heute in einer 3. und einer 4. Klasse thematisiert, nachdem mich ein Schüler ansprach, ob wir nicht in die Kirche gehen und für die Menschen in Paris beten könnten. Also haben wir behutsam darüber gesprochen, was dort passiert ist. Mir war es u.a. wichtig, herauszustellen, dass die Flüchtlinge die zu uns kommen, genau vor diesen Menschen fliehen. Beide Klassen waren betroffen, machten aber auch einen frohen Eindruck, dass da jemand versucht, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen.
    Weiterhin gab es noch eine Rundmail, dass eine Schweigeminute durchzuführen ist. Auch das haben wir getan.

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  • 16. November 2015 um 16:26
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    An unserer Schule wird Montag morgens mit allen Schülern gemeinsam gesungen. Am Ende machte heute die Rektorin noch eine Ansage, dass wir uns alle um 12 Uhr draußen für eine Schweigeminute treffen werden (da um 12 Uhr bei uns die große Pause endet). Danach musste es sowieso jeder Lehrer in jeder Klassenstufe thematisieren, was für niemanden ein Problem darstellte. Die Kinder bekommen heute durch die Medien sowieso alles mit. In meiner 2. Klasse wusste nur eine Schülerin nicht worum es geht. Vor allem ist es wichtig das Thema nochmal aufzugreifen, da Kinder untereinander auch sehr viel falsch erzählen. Eins meiner Kinder behauptete z.B. dass im Fußballstadion eine Bombe explodiert wäre und dabei alle Menschen gestorben wären etc. Von daher finde ich es gut und auch sehr wichtig, das mit ALLEN Kindern in der Schule nochmal darüber gesprochen wird.

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  • 16. November 2015 um 16:35
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    Natürlich sollte man das Attentat thematisieren.
    Es ist unsere Pflicht als Lehrer, wichtige Ereignisse des Zeitgeschehens mit den Schülern zusammen einzuordnen. Wer soll es denn sonst machen? Viele Eltern kommen der Aufgabe nicht nach und manche nur sehr tendenziös.

    In meiner Klasse kursierten heute viele völlig verschiedene Versionen der Anschläge. Manche behaupteten, die Flüchtlinge hätten die Anschläge verübt – dies hätten die Eltern ihnen so erklärt. Das ist doch brandgefährlich, so etwas unkommentiert stehen zu lassen – gerade angesichts der vielen Zuwanderung momentan.

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  • 16. November 2015 um 17:37
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    Ich habe es heute früh im Sitzkreis angesprochen und zunächst gesammelt, was die Kinder (3. Klasse) darüber wissen. Einige haben noch gar nichts davon erfahren, andere hatten Halb- bzw. auch Falschwissen. Ich habe dann erklärt, was am Freitagabend in Paris vorgefallen ist, was das für Menschen sind, die einfach andere Menschen töten und habe auch klar gesagt, dass die mit dem (eigentlichen) Islam nicht viel gemein haben. Über die Hälfte meiner Klasse sind Moslems. Auch habe ich gesagt, dass gerade die Syrer, Afghanen etc. vor diesen Menschen flüchten.
    Kurz nach 12 haben wir auch eine Schweigeminute gemacht (um 12 ist bei uns Pausenende und da strömen sie alle erst in die Räume).

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  • 16. November 2015 um 19:32
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    Wir haben heute auch intensiv über den Terror von Paris gesprochen. Dabei haben wir uns eine kurze Sequenz der Nachrichtensendung “Logo” angeschaut (http://www.tivi.de/fernsehen/logo/artikel/45105/index.html -> kleiner Zeichentrick- Film “Was will der IS?”). Ich fand es wichtig, dass die Schüler verstehen, dass nicht Muslime hinter den Attentaten stehen, sondern Terroristen des IS, die sich auch als Muslime bezeichnen. In dem kleinen Film werden Menschen bedroht. Wir haben darüber gesprochen, wie sich diese Menschen wohl fühlen. Eine Schülerin meinte, sie würde weglaufen, wenn sie so bedroht wird. Als die Schüler dann verstanden haben, dass diese bedrohten Menschen die Flüchtlinge sind, die zu uns kommen, gab es einen richtigen AHA-Effekt.

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  • 16. November 2015 um 23:01
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    Hallo zusammen,

    ich habe es heute im Rahmen meiner Ethikgruppe vorsichtig angesprochen (Klasse 2-4) und auch hier zeichnete sich ein ähnliches Bild. Die Kinder haben es natürlich mitbekommen, waren auch verunsichert und fanden es zwar einerseits ein “gruseliges” Thema – aber andererseits waren sie auch froh, dass sie darüber sprechen konnten.

    Auch wir haben dann das Thema Flüchtlinge und IS (Wer oder was ist das überhaupt?) aufgegriffen und ich habe die Kommentare der Kinder reagiert und weitergeführt.

    Natürlich ist das nicht leicht, aber ich sehe mich da schon auch in der Verantwortung…

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  • 17. November 2015 um 16:08
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    Wir haben uns gemeinsam die Logo-Folge vom Wochenende angesehen. Auf der Logo Homepage gab es zwei Videos “Was ist der IS?” und “Was wollen Terroristen?” oder so ähnlich. Ich fand diese Videos sehr anschaulich. Dieses haben wir uns ebenfalls zusammen angeschaut. Anschließend gingen wir auf die Fragen der Kinder ein. Man spürte bei uns, dass in den Kindern viel Unverständnis und Angst schlummerte!

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