Vergangene Woche unternahmen mein Mann und ich einen Ausflug in ein nahegelegenes Shoppingcenter. Es regnete seit Tagen und wir wollten uns mal etwas gutes tun! Der Knirps wurde kurzerhand eingepackt und wir drückten uns selbst die Daumen, dass er eine Zeit lang Geduld haben würde.

Ich muss dazu sagen, dass ich seit ca. einem halben Jahr keine neuen Klamotten mehr FÜR MICH gekauft habe (dafür aber unzählige für unseren Neuzugang). Das letzte waren ein paar Schwangerschaftshosen und -shirts – eher aus der Not heraus, als dass sie schön gewesen wären! Diese habe ich mittlerweile mehr oder weniger aussortiert und trotzdem kann ich viele meiner alten Sachen noch nicht wieder anziehen. Etwas neues musste her. Nicht nur, weil ich wirklich etwas brauchte, sondern auch, um mich endlich mal wieder einigermaßen gut angezogen und schön zu fühlen.

Im allerersten Geschäft, in dem ich früher ganz gerne eingekauft hatte, fand ich ein paar schöne Shirts, suchte aber vergeblich nach etwas, das mir auch nur entfernt gepasst hätte. Überall sah ich immer nur das Gleiche: S oder XS! Gut, mit 20 hätte mir das vielleicht noch gepasst, aber nun, 10 Jahre und eine Schwangerschaft später – keine Chance! Aus einem guten M im letzten Jahr wurde mittlerweile ein L. Damit kann ich aber ganz gut leben – dachte ich.

Also über die viel zu kleinen Größen geschmunzelt und auf ins nächste Geschäft. Während ich mich umschaute, hatte der kleine Knirps natürlich schon die Herzen der Verkäuferinnen erobert. Er war also gut beschäftigt. Ich schnappte mir ein paar schöne Teile und ab in die Kabine. Nach einigem Rumprobieren steckte mein Mann den Kopf hinein und fragte: “Und, wie sieht’s aus?” . Ich schaute an mir herunter: ein Shirt in Größe L klebte mir gerade wie eine zweite Haut am Körper und ich fühlte mich einfach nur grässlich. Vor allem in diesem grellen Kabinenlicht. Mein Blick sprach wohl Bände. “Ach Schatz” , sagte mein Mann mitfühlend.

Zum Glück fand ich noch etwas passendes, und das sogar in M. Wie kann das sein, frage ich mich, dass die Größen bei unterschiedlichen Herstellern so unterschiedlich ausfallen?? Und warum nie zu unseren Gunsten, sondern eben so, dass man sich plötzlich in L hineinquetschen muss. Sollten es die Marken nicht lieber andersherum machen, damit wir Frauen uns gut fühlen, weil wir doch eine Größe kleiner brauchen als gedacht?

Ich war fix und alle. Alles gut zureden meines Mannes, dass ich doch wunderschön sei und ihm dafür unseren Wurm geschenkt hätte, half nichts. Erstmal eine Runde mit dem Söhnchen kuscheln. Ich nahm ihn zu mir in die Kabine und in diesem Grusel-, äähh Spiegelkabinett entdeckte er zum ersten Mal sein Spiegelbild und lachte mit mir und sich selbst um die Wette! Wie unglaublich süß. Da konnte ich nicht länger schlecht gelaunt bleiben! Ach, und wenn ich schon gerade da war, konnte ich ihn auch schnell stillen, dachte ich mir. Ein Platz zum Stillen im Shoppingcenter? Frage gelöst!

Weiter ging es. “Gib mir den Kinderwagen, ich schiebe” , verlangte mein Mann und griff schon nach dem Wagen. Während ich mich noch wunderte, schaute er sich bereits im Gehen um und wurde von etlichen Verkäuferinnen und Kundinnen angelächelt. Ein Mann mit Baby, wie herzzerreißend! Ach, jetzt war mir klar, warum er den Knirps unbedingt schieben wollte ;-)

An einem Springbrunnen machten wir erstmal “Rast” und der kleine Sohnemann bestaunte das Wasser. Was es hier auch alles zu entdecken gab! Er kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie ein großer beobachtete er die springenden Fontänen. Wenige Minuten später, wieder warm eingepackt im Kinderwagen, kapitulierte er schließlich und schlief ein. Das lief ja wie am Schnürchen!

Also noch Zeit für den nächsten und letzten Laden. “Kann ich helfen?” , bat eine Verkäuferin ihre Hilfe an. “Ich suche einen schwarzen Cardigan” , antwortete ich. Sie eilte davon und brachte mir einen. Ich schaute auf das Etikett. XL??? Sah ich für Außenstehende etwa so aus? Ich schielte ungläubig zu meinem Mann hinüber. “Probier ihn doch einfach mal an” , meinte er. Ich ging nochmal zum Kleiderständer und überprüfte, ob es nicht doch einen kleineren gab. S und XXL hingen noch am Haken. Nun gut, da war der Verkäuferin die Wahl wahrscheinlich nicht schwergefallen. Ich ging also erneut in die Kabine und – uff, zu groß! Na ein Glück. Die Welt war doch noch in Ordnung. “Ich hab da noch was gefunden” , sagte mein Mann da plötzlich und reichte es mir hinein. Eine wunderschöne roséfarbene Weste, genau mein Geschmack – und meine Größe! Ach er war doch einfach ein Schatz. “Du siehst super aus!” , strahlte er mich an und küsste mich. Ich lugte in den Kinderwagen, die Äuglein des Söhnchen waren weiterhin friedlich geschlossen.

Lächelnd bezahlte ich und wir traten zufrieden den Heimweg an. Soviel erlebt! Verkäuferinnen kennengelernt, das Spiegelbild erkannt, Wasserfontänen bestaunt, Familienzeit gehabt – und mal ehrlich, wen kümmern schon ein paar extra Kilos? Dafür habe ich ein kleines Wunder geboren, das mich jeden Tag aufs Neue anstrahlt, als wäre ich die schönste Mami auf der ganzen Welt.

 

BuntesKinderzimmer: Shopping postnatal – ein Erlebnis der besonderen Art

2 Gedanken zu „BuntesKinderzimmer: Shopping postnatal – ein Erlebnis der besonderen Art

  • 23. November 2017 um 10:09
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    Ich kann dich mit den Größen total verstehen. Mein Freund hat mir ein Shirt in der M von meinem Lieblingsfußballverein geschenkt – da sehe ich aus wie eine gepresste Leberwurst, auch bei einem Band-Shirt. Viele Firmen denken wohl auch: Frauen mit großen Brüsten = dick.
    In der L passt es dann zwar obenrum, aber an den Schultern, an der Teile hängt es dann…ist echt frustrierend.

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  • 24. November 2017 um 13:33
    Permalink

    …nun bin ich ganz neidisch. Ich habe mit meinem 3monate altem Wurm einmal versucht, passende ansehnliche Klamotten zu kaufen. Aber anprobieren? Keine Chance, wenn der Wurm ständig verlangt, auf dem Arm zu sein und sonst in übelstes Gebrüll verfällt. Und mit Baby im Tragetuch probiert es sich auch so schlecht. Mit einem Partner an der Seite wäre das sicher einfacher, wie bei Dir. Aber so bleibt mir wenigstens der Ärger der Presswurstgrößen erspart!

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