Ich komme kaum ins Klassenzimmer rein am Morgen, und wir haben uns noch nicht mal begrüßt, da strecken schon die ersten Kinder und wollen unbedingt was los werden: “Der … hat mein Mäppchen runtergeschmissen.”, “Die … hat mich blöde Kuh genannt.”, “Der … hat meinen Stuhl geklaut.” und so geht das immer weiter und weiter. Manchmal verdrehe ich in einem solchen Moment nur die Augen und reagiere gar nicht. Versuche mich taub zu stellen. An anderen, geduldigeren Tagen, gehe ich auf die Streitigkeiten ein und versuche sie zu schlichten. Oft fordere ich die Kinder auch auf, kurz rauszugehen und den Streit untereinander zu klären. Das funktioniert in der Regel ganz gut.

Und weil Beschwerden über andere viel zu oft an der Tagesordnung sind, lege ich viel Wert darauf, dass sich die Kinder öfters mal was Nettes sagen. So begrüßen wir uns im Sitzkreis zum Beispiel gegenseitig mit “Schön, dass du da bist.” oder jedes Kind sagt seinen Nachbarn etwas Nettes und macht ein Kompliment. Hinterher dürfen ein paar Kinder sagen, was ihnen besonders schönes gesagt wurde. Da kommen dann so süße Sachen wie “Deine Haare sehen heute schön aus.” oder “Du hast heute gut gearbeitet.”. Immer wieder zum Schmunzeln. Vielen fällt es aber auch extrem schwer, Komplimente zu machen. Wie gesagt, beschwert haben sie sich schnell, aber etwas Nettes kommt ihnen gar nicht so leicht über die Lippen. Das erfordert Übung.

Geht es einem Kind mal gar nicht gut und braucht es etwas Aufmunterung, eignet sich hervorragend die warme Dusche: Das Kind sitzt auf dem Stuhl in der Mitte des Sitzkreises und alle anderen dürfen strecken und dem Kind etwas Nettes sagen, das es aufheitert. Dinge, die sie an dem Kind toll finden und die sie schätzen. Man kann regelrecht beobachten, wie das Kind in der Mitte auf seinem Stuhl wächst und wieder lächelt.

Habt ihr ähnliche Rituale?

Wenn du mehr darüber lesen willst, wie ich ein positives Klassenklima in meiner Klasse fördere, klicke bitte hier.

Die warme Dusche und andere Glücksmomente
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4 Gedanken zu „Die warme Dusche und andere Glücksmomente

  • 2. Januar 2015 um 10:43
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    Ha!
    Wie sympathisch! Gerade der erste Absatz – genau so läuft es bei mir auch!

    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und muss sagen: Er gefällt mir total gut, weil ich mich so so sooo oft wiedererkenne.
    Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Frau Küken

    PS: Ich habe als Konfliktlösungs- bzw. verlagerungsritual auch noch den Klassenrat eingeführt. Auf einer Wandzeitung mit zwei Spalten (“Wünsche/Vorschläge” und “Ich finde nicht gut, dass…”) kleben etwas größere Post-Its, die die Kinder beschreiben können. Am Freitag wird dann getagt.. und einige Streitigkeiten haben sich bis dahin schon gelegt. Aber es ist immer ein gutes Ventil, wenn die Kinder aufschreiben können, was sie nicht gut finden.

    Antworten
    • 2. Januar 2015 um 11:36
      Permalink

      Liebe Frau Küken,
      danke!! Ich freu mich :) mein erstes Kommentar, d.h. es liest jemand, was ich schreibe und kann sich darin wiederfinden. Ich werde auch gleich deinen Blog aufsuchen.
      Ja, einen Klassenrat habe ich auch, mache ihn aber etwas anders als du, schau mal hier: Klassenrat. Das ist allerdings noch ein Überbleibsel aus Klasse 1 und ich hatte schon lange vor, den Klassenrat weiterzuentwickeln. Dass die Kinder die Woche über schon aufschreiben, was los war, finde ich ne gute Idee.
      Liebe Grüße,
      Diana

      Antworten
  • 23. Mai 2015 um 8:11
    Permalink

    Ich denke es ist ein berechtigtes Gefühl der Kinder ihren Ärger (zB. aus der Pause) loszuwerden. Wir haben bei uns an der Schule die dreischrittige Ärgermitteilung erfolgreich eingeführt, genannt SÄM . Es ist ein Teil unserer Streitkultur geworden . Sie lernen es bereits in der ersten Klasse und funktioniert schnell und einfach.
    1. Sage dem Kind, mit dem du ein Problem hast genau ,was es gemacht hat.
    2. Welches Gefühl hat das bei dir ausgelöst (wütend traurig sauer , tat am Knie weh , Hose kaputt etc)?
    3. Was erwartet du von dem anderen Kind zukünftig wie es sich dirgegenüber verhalten soll?
    Nun erst äußert sich das andere Kind dazu .
    Das alles dauert im trainierten Zustand weniger als eine Minute, der Ärger ist benannt und gehört worden und schließlich und endlich haben die Kinder es allein geschafft. Es klappt wunderbar und bereitet die Kinder optimal auf eine Streit Schlichtung später vor. Wir fahren sehr gut damit. Es wird eben nicht stundenlang über ein unangenehmes Verhalten diskutiert, sondern einfach mitgeteilt , dass es nervt und stört , manchmal wissen die Verursacher gar nicht was sie falsch machen. LG

    Antworten
    • 23. Mai 2015 um 22:12
      Permalink

      Hallo Steffi, das ist sehr interessant, danke für die Anregung! Das möchte ich gerne mal ausprobieren, evtl. sogar als Schrittfolge einführen. Find ich super! Wenn das eingeübt ist, kann ich mir gut vorstellen, dass die von mir beschriebenen Diskussionen viel schneller beendet werden können. Danke!

      Antworten

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