Gestern war ein Tag, wie ihn sich kein Lehrer wünscht. Vor allem nicht als Wochenstart. Morgens war ich noch guter Dinge und kam extra eine halbe Stunde früher, um die vielen Materialien, die ich noch spontan für meine Kollegin richten sollte, zu kopieren. Eigentlich hätte der Morgen also stressfrei starten können. Falsch gedacht! Der Computer hängte sich bereits beim Aufrufen der Dateien auf. Als ich ihn endlich vom Drucken überzeugen konnte, druckte er im falschen Format und immer zwei Blätter auf eine Seite. Also alles nochmal. Leider streikte das Programm beim neuen Druckauftrag völlig. Ich geriet geringfügig in Panik, weil ich die Sachen nach meiner ersten Stunde dringend brauchte. Eine Minute vor dem Gong spuckte der Drucker dann zumindest die eine Hälfte der erforderlichen Seiten aus. Nicht rechtzeitig genug, um sich weiter drum zu kümmern.

Also schnappte ich mir mein Zeug, sprintete zwei Stockwerke nach oben – Mist, Klassenbuch vergessen, also nochmal runter, nochmal hoch – und kam außer Atem vor dem Klassenzimmer der Erstklässler an. Die ersten warteten schon an der Treppe. Zwei Kinder saßen in der Flurecke und wollten nicht reingehen, weil ihre Hausschuhe weg waren. Drinnen ging es bereits heiß her. Nachdem diese kleineren Katastrophen gelöst waren, ging endlich der Unterricht los. Die innere Ruhe kehrte kurzzeitig zurück. Jedoch währte sie nicht lange – nur bis kurz vor dem Pausengong. Dann fingen die Rädchen schon wieder an zu rattern – ich musste unbedingt diese blöden Seiten ausdrucken und vervielfältigen! Also sprintete ich nochmal runter, startete den PC neu und versuchte es erneut. Diesmal war mir der Computer besser gewogen (oder hatte er Mitleid?), denn er spuckte alle Seiten wie gewünscht aus. Nachdem alle Seiten gedruckt und geordnet waren, war gerade noch Zeit, um das Gebäude zu wechseln.

Ich sprintete also weiter ins nächste Klassenzimmer – zum Glück saßen bei den Viertklässlern alle erwartungsvoll auf ihrem Platz! Geschlagene 15 Minuten dauerte es, bis alle o.g. Kopien ausgeteilt, sortiert, erklärt und verräumt waren. What next? Achja, “Schulden eintreiben”… der letzte hatte das Geld immer noch nicht dabei… eine Elterninfo der Schulleitung austeilen und erklären… Hausaufgaben kontrollieren und Fragen klären… und die Hälfte der Doppelstunde war bereits vorbei. Endlich konnte es mit dem eigentlichen Thema losgehen! Was? Nur noch 40 Minuten Zeit! Als ich gerade Luft holen wollte, um zu sagen, was nun kam, klopfte es an der Tür. Also gut, nochmal von neu. Wo war ich??

Als es zur 2. Pause klingelte, klingelte mir der Kopf. Endlich mal einen Kaffee trinken und kurz innehalten? Oder gar etwas essen? Fehlanzeige! Ein Schüler wollte mir doch unbedingt noch von seinem Wochenende erzählen! Wie konnte ich ihn nur möglichst höflich abwimmeln…? Und war da nicht noch was? Achja, ich hatte ja Pausenaufsicht auf dem Hof… Mist, schnell runter!

Nach zehnminütigem Zittern hastete ich schnell nach oben, um die Klassenarbeiten zu holen, die ich dann bei den Großen zurückgeben wollte. Oh nein, die eine Arbeit hatte ich nicht fertig bepunktet, weil noch was gefehlt hatte! Egal, das musste erstmal so gehen. Es war bereis eine Minute vorm Gong. Also schnell raus und losgelegt. Mir schwirrte der Kopf. Dabei stand mir nach der Besprechung der Klassenarbeit noch ein Exkurs in die amerikanische Geschichte bevor, bei dem ich hochkonzentriert sein musste. Zur Illustration sollte ein kurzes Video dienen – wäre nicht der Stecker des Audio-Kabels verbogen gewesen. Die Suche nach einem zweiten Paar Boxen mit funktionierendem Kabel fand jäh ihren Abbruch, weil plötzlich mein Schlüssel nicht mehr auffindbar war – und ohne Schlüssel hatte ich keinen Zugang zu den nötigen Räumen. Ich hätte schreien können!

Als es endlich klingelte, lief ich schnurstracks ins Lehrerzimmer und ließ mich auf meinen Platz plumpsen. Ich wollte einfach nur noch meine Ruhe, bevor ich in der 7. Stunde die AG begann. Und etwas essen. Da kam eine schlechtgelaunte Kollegin rein und begann mich zuzutexten: “Was für ein Tag heute! … BLABLUMPOEOASLSNEIALSKDJ …” “Wem sagt sie das?”, dachte ich und schaltete ab. Auf eine Reaktion wartete meine Kollegin dieses Mal vergebens.

Ein Tag zum Schreien

Ein Gedanke zu „Ein Tag zum Schreien

  • 15. November 2016 um 13:26
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    Dir einen Sessel mit weichem Kissen wünschend, dazu – leider nur – imaginäre Schokolade und Kaffee reichend und Daumen drückend für einen total sonnenscheinigen Fortgang der Woche! viele Grüße, Sissi

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