Natürlich kann man alles wichtige auch in den Bildungsplänen nachlesen, aber da mich Anfragen diesbezüglich erreichten, möchte ich die Grundsätze des Englischunterrichts in der Grundschule kurz darstellen.

Der Englischunterricht in der Grundschule soll vor allem eins, nämlich spielerisch, sein. Die Kinder sollen Spaß an der Fremdsprache erfahren. Freude am Ausprobieren und Experimentieren, am Vergleich mit der eigenen Muttersprache, am Entdecken von Regelmäßigkeiten und Besonderheiten.

Durchweg – und das gilt auch für die Sekundarstufe – gilt im Englischunterricht das Prinzip “Fluency before accuracy“, was bedeutet, dass das Sprechen der Sprache das Wichtigste ist und die grammatikalische Korrektheit eben nicht das oberste Gebot. Die Kinder sollen sich trauen, Englisch zu sprechen, egal wie.  Hauptsache, es ist verständlich und sie probieren sich aus. Sie dürfen keine Hemmungen entwickeln. Deshalb soll die Lehrkraft nicht andauernd auf Fehler hinweisen und die Kinder dadurch entmutigen. Eine positive Fehlerkultur ist hier ein wichtiges Stichwort. Also gelegentlich verbessern, wo es angebracht ist und auch damit sich keine wiederholenden Fehler einschleichen. Und: selbst ein großes und korrektes Sprachvorbild darstellen.

Der Englischunterricht in der Grundschule – und auch in allen anderen Stufen – soll nämlich auch das: einsprachig sein. Alles, was man sagt, kann man mit Mimik, Gestik, Bildern und Symbolen unterstreichen und visualisieren. Die Kinder kommen da sehr schnell gut mit und wundern sich nach wenigen Stunden schon gar nicht mehr über die Einsprachigkeit. Denn auch das sollen sie lernen: dass es nicht notwendig ist, jedes einzelne Wort zu verstehen.

Um nochmal zum Hauptaspekt zurückzukommen: der Englischunterricht in den ersten Schuljahren soll vor allem spielerisch sein. Das heißt, sehr anschaulich und abwechslungsreich, mit Spielen, Liedern, Reimen und Geschichten die englische Sprache näher bringen und sie zu einem Erlebnis machen. Hilfreich kann in diesen Jahren auch der Einsatz einer “englisch sprechenden” Handpuppe sein.

In Baden-Württemberg schreibt uns der Bildungsplan weiterhin vor, dass in den ersten beiden Schuljahren – Klasse 1 und 2 – ausschließlich mündliches Englisch gelehrt und gelernt wird. Das heißt, die Kinder werden noch nicht mit schriftlichem Englisch konfrontiert. Sie lernen in diesen Jahren, die Sprache zu hören, zu verstehen und einzelne Wörter und sog. Chunks zu sprechen.

Chunks sind Wortkombinationen, die in der gesprochenen Sprache häufig zusammen verwendet werden. Das können Zwei- bis Drei-Wort-Kombinationen sein wie “school things / in the morning / go to the toilet / …” oder auch kurze Sätze wie “What’s your name? / How much is it? / What time is it?“. Das heißt, wir bringen den Kindern nicht nur rein isolierte Vokabeln bei, sondern versuchen sie dazu anzuleiten, Chunks, also Wörter in Kombination, zu verwenden.

In den Klassen 3 und 4 kommt dann das Schriftbild dazu. Dieses birgt zu Beginn noch viele Schwierigkeiten, da die englischen Wörter ganz anders geschrieben als sie gesprochen werden. Eine Faustregel ist, vor Einführung des Schriftbildes schon mindestens 2 Stunden zu dem neuen Wortfeld gehalten zu haben. Das heißt, die Kinder sollen bereits in Anfängen mit den neuen Wörtern vertraut sein, sie hörend verstehen und auch selbst aussprechen können. Erst dann führe ich das Schriftbild ein. Hier kann man zunächst einfache Zuordnungsübungen von Wort und Bild machen oder Wort-Bilder-Listen erstellen lassen.

Natürlich nimmt der Anspruch in den Klassen 3 und 4 etwas zu. Das heißt konkret, dass das Spielerische zwar immer noch eine große Bedeutung hat, aber dass nun auch schriftliche Übungen und natürlich auch Lerntheken oder Wochenpläne zum Zug kommen können. Außerdem führe ich die Schüler in Klasse 4 schon langsam auf die Benutzung eines Vokabelhefts hin, einfach als Vorbereitung auf die weiterführenden Schulen.

Dennnoch steht über allem das Prinzip, die Kinder so viel wie möglich zum Sprechen anzuregen. Das heißt, immer wieder Sprach-produktive Phasen und Aktivitäten einbauen, Rollenspiele spielen, Umfragen durchführen, Information Gap Activities anbieten – alles, was jeden Einzelnen zum Sprechen der Sprache animiert.

Diese Darstellung des Englischunterrichts in der Grundschule ist rein subjektiv und beruht auf meinen gemachten Erfahrungen in der Ausbildung und im Beruf. Englisch war mein Hauptfach und ist und bleibt mein Lieblingsfach. Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen weiterhelfen. Wenn ihr noch Fragen habt, ruhig her damit!

Englischunterricht in der Grundschule: Methodik

2 Gedanken zu „Englischunterricht in der Grundschule: Methodik

  • 8. Oktober 2015 um 8:11
    Permalink

    Hallo, ich (keine Lehrerin, sondern “nur” Mama eines Zweitklässlers, lese gerne hier im Blog und liebe die ausführlichen Ideen und Vorschläge zu den verschiedensten Themen. Danke!
    Frage: Hast du auch schon einmal Englisch in der individuellen Freiarbeitzeit eingesetzt oder sind immer alle Kinder gleichzeitig (Idealfall) dabei und hören/lernen nur Englisch?
    Hättest du eine Idee, wie man Englisch in einer altersgemischten Klasse (1.-4.) mit viel Freiarbeit integrieren kann? Oder ist es besser nur spezielle Englischstunden/Englischtage zu haben? An Sohnemanns Schule wird derzeit das Konzept überarbeitet und ich bin neugierig ;-)
    Vielen Dank Jungenmama

    Antworten
  • 8. Oktober 2015 um 18:47
    Permalink

    Liebe Diana,
    vielen lieben Dank für deine ausführliche und sehr hilfreiche Antwort!!
    Ich mag deine Beiträge, die oft einen schönen Einblick in deinen Unterricht geben und eigene Ideen anregen!

    LG Mia

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