Ich geb’s ja zu – es gibt diese Tage, an denen ich mittags früh nach Hause komme und es mir ohne schlechtes Gewissen leisten kann, nach dem Mittagessen zwei Stunden zu ruhen. Ab und an lasse ich mich dann auch vom TV berieseln (und das ist nur möglich, weil ich selbst noch keine Kinder habe).

Dass viele Sendungen um diese Uhrzeit nicht intellektuell herausfordernd sind, ist glasklar. Aber vielleicht kommt mir das manchmal auch gerade recht?!

Heute döse ich so vor mich hin, checke nebenher die Wettervorhersage für die kommenden Tage und gehe im Halbwachzustand den Ablauf der Bundesjugendspiele durch, die bald anstehen, da höre ich auf halbem Ohr eine Dame sagen “Ich möchte mein Kind zu nichts zwingen, es soll alles freiwillig tun.

Oder eben nicht” , ergänze ich in Gedanken und richte meine müden Augen auf die Mattscheibe. Mir flimmert eine Mutter einer Fünfjährigen entgegen, die sich einem Erziehungsvergleich unterzieht, weil sie der Meinung ist, sie sei eine sehr gute Mutter. Ich habe diese Sendung schon das ein oder andere Mal ein-, aber möglichst schnell auch wieder abgeschaltet. Ist Erziehung nicht Privatsache?

Und dennnoch: obwohl ich daran zweifele, was an dieser Sendung überhaupt Realität ist, reizt mich der Blick in ein fremdes Wohnzimmer. “Na, wie erziehst du denn nun dein Kind?” frage ich, und widme der guten Mutter meine volle Aufmerksamkeit. Und wozu? Nur um immer wieder festzustellen, dass ich es ja viiiiel besser weiß. TV vorm Einschlafen? Pah! Süßigkeiten als Belohnung? No-go! Dem Kind alle Freiheiten lassen? Whaaaat? “Jeder Mensch hat gewisse Pflichten und ein Kind muss lernen, seine Pflichten zu erfüllen. Ohne wenn und aber. Basta!” , höre ich mich schon in Gedanken dieser Mutter mit hoch erhobenem Zeigefinger raten.

Typisch Lehrer, denke ich mir dann, und muss über mich selbst schmunzeln.

Und ja, ich könnte mich jetzt endlos darüber auslassen, was Eltern alles wirklich ihren Kindern antun durch ihre verkorkste oder nicht existente Erziehung, und wieviele Beispiele ich kenne, die … blablablub. Aber wir wissen es alle. Und wenn ich selbst mal Kinder habe, sehe ich vieles bestimmt doch anders ;-) Und überhaupt ist das hier nur ein Unsinnspost.

Erziehung im Mittags-TV

3 Gedanken zu „Erziehung im Mittags-TV

  • 10. Mai 2016 um 19:37
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    Tija, kann dich sehr gut verstehen, ich wusste auch mal ganz genau, wie es geht ;) Tija, 17 Jahre und vier Kinder später, sehe ich es doch etwas differenzierter. Auch wenn es bei mir immer noch sehr viele NoGos gibt und ich einigen Ideen aus meiner Junglehrerzeit treu geblieben bin, gab es auch Dinge, die ich dann doch nicht so durchgezogen habe.

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  • 11. Mai 2016 um 13:03
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    Ach ja, natürlich brauchen die Zwerge liebende Arme und Ausnahmen. Aber die gibt es halt nicht ohne Regeln. Meine Jungs gehören auch zu den armen (vermutlich-später-mal-)Außenseitern, die sich ihre Schuhe selbst anziehen, ihren Teller wegräumen und ihren Kram selber tragen müssen. Meistens jedenfalls :-)
    Ich entgeistere mich jeden Mittag auf dem Rückweg darüber, dass Drittklässler von Mutti abgeholt werden und ihren Ranzen getragen bekommen – wenn sie nicht gleich ins Auto verfrachtet werden, um bloß nicht zu viel laufen zu müssen…
    Katha

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    • 12. Mai 2016 um 10:37
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      AAAABER, die Drittklässler werden doch bestimmt nur abgeholt, damit sie ganz schnell bei einer der 10000000 Nachmittagsaktivitäten sind und damit sie dort nicht zu erschöpft ankommen, trägt Mama den Schuli! *Sarkasmus aus*

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