Diese Sommerferien kann ich wirklich behaupten, ich konnte abschalten und entspannen – zumindest ist es mir gelungen, während des Urlaubs im Süden nur seeeehr wenig an die Schule zu denken. Surprise, surprise – als ich wieder zuhause war, fingen die Rädchen wieder zu rattern an und ich träumte vom Unterricht. Dabei hatte ich ja noch einige Wochen Ferien vor mir. Geht es euch auch manchmal so? Ich konnte mich nur über mein Unterbewusstsein wundern.

Manchmal halte ich mich da ja schon für verrückt. Aber da ich von Kollegen immer wieder höre, dass es bei ihnen ähnlich ist, ist das wohl die Lehrerkrankheit. Was ich diese Sommerferien zum ersten Mal in meiner Berufslaufbahn geschafft habe: so lange wie möglich den Urlaub hinauszudehnen und so spät wie möglich wieder konkret an Schule zu denken. Natürlich gehen mir vorher auch schon die ein oder anderen Gedanken durch den Kopf, aber so richtig in der Planung war ich bisher noch nicht.

Kritiker werden sich jetzt bestätigt fühlen und behaupten, die Ferien seien ja viiiel zu lange und alle Lehrer, die sagen, sie würden in den Ferien doch viel vorbereiten, lügen. Nunja – es gibt sie, die Kollegen, die bereits mehrere Wochen vor Schulbeginn wieder loslegen und zahlreiche Dinge detailliert vorbereiten. Und ich bewundere sie.

Aber wir sind hier unter uns – ich gehöre nicht dazu. Und das macht überhaupt keine Aussage über meine Liebe zum Beruf oder über mein Pflichtbewusstsein. Im Gegenteil. Ich gebe offen zu, dass ich die Sommerferienpause einfach gebraucht habe. Ich war am Ende des Schuljahres ausgelaugt, ausgepowert, erschöpft. Und ich kenne viele viele Kollegen, denen es genauso ging. Vier Wochen lang wirklich nur zu tun und zu lassen, was mir gefällt, war und ist jedes Jahr aufs Neue ein Highlight und gleichzeitig auch einfach notwendig, um die Batterien wieder aufzuladen. Und nicht nur das – die Motivation muss auch wieder da sein, zu starten, und jeden Tag aufs Neue 110% zu geben.

Zum ersten Mal habe ich dieses Jahr deutlich gemerkt, dass mir die gewonnene Routine und das gewonnene Selbstbewusstsein als Lehrerin unglaublich helfen, gelassen dem neuen Schuljahr entgegen zu gehen. In den letzten Jahren war ich regelrecht von einer Panik erfasst, die mir die zweite Hälfte der Ferien bereits verhagelte. Heute empfinde ich eine gewisse Ruhe, die ich zuvor so noch nicht kannte.

Natürlich spielen auch Rahmenbedingungen eine Rolle: wir bekamen unser Deputat bereits zu Beginn der Ferien und es enthielt keine großen Überraschungen. Die meisten Schüler, die ich unterrichten werde, kenne ich bereits und die Klasse, die mir das Leben schwer machte, unterrichte ich zwar weiter, aber irgendwie hatten wir uns ja dann doch zusammengerauft. Ich habe nun schon so vieles durchgemacht und es lief immer gut – zumindest nach einer gewissen Zeit – und wenn ich dabei eines gelernt habe, dann dies: man braucht einfach Geduld. Natürlich kommt auch Neues auf mich zu, konkret die Inhalte der 4. Klasse in Deutsch und anderen Fächern. Aber auch auf diese Herausforderung freue ich mich.

Und ich bin überglücklich, dass ich meine Klasse noch weiterführen darf – manchmal kommt es mir wie ein Wunder vor, dass ich tatsächlich meine Klasse alle 4 Jahre führen durfte. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, diese kleinen Zwerge über so lange Zeit zu begleiten und zu sehen, was sie alles dazulernen und wie sie sich entwickeln. Und diese nun doch schon ganz schön groß gewordenen Zwerge sind es, auf die ich mich wahnsinnig freue.

Und für die ich unheimlich gerne vorbereite und plane. Denn sie sind es einfach wert. Jede Stunde, jede Minute Arbeit, die ich in sie investiere, haben sie absolut verdient. Letztlich bleibt mir nur, mein Bestes zu geben. Für meine Schüler. Sie sind das, was mich im Beruf antreibt. Und sie sind unsere Zukunft. Und die kann ich durch meine Arbeit ein kleines Bisschen mitgestalten.

Gedanken zum Schuljahresbeginn

8 Gedanken zu „Gedanken zum Schuljahresbeginn

  • 2. September 2016 um 15:51
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    Hallo Diana,
    schön von dir zu hören! Mir geht es ganz genauso. Ich habe deinen ehrlichen Bericht sehr gerne gelesen und mich da total wiedergefunden.
    Ich hoffe du hattest oder hast einen tollen Start ins neue Schuljahr.
    Danke für deinen Blog, schön, dass es ihn gibt :-)
    Liebe Grüße,
    Lena

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    • 2. September 2016 um 16:19
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      Liebe Lena, das freut mich! Danke, der Schulstart steht mir noch bevor ;-) wie sieht’s bei dir aus? Auch dir wünsche ich einen guten Start. Und noch viel Freude beim Lesen und Ausprobieren. Liebe Grüße

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  • 2. September 2016 um 21:11
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    Hallo Diana,
    mir geht es genauso. Wir sind diesmal am Anfang der Ferien verreist und ich konnte sehr gut abschalten, nachdem das Schuljahresende dieses Jahr so stressig war, wie noch nie. Kaum zu Hause, denke ich nachts an die Schule, richte in Gedanken mein Klassenzimmer ein und bin jeden zweiten Tag in der Schule…. um Möbek zu schieben, milde belächelt von unserem Hausmeister :-)) Leider entwickelt sich bei mir noch nicht wirklich Routine, obwohl ich das Ganze jetzt wirklich lange genug mache. Ganz im Gegenteil, je mehr Neuerungen durch neue Konzepte, Methoden, Lehrpläne auf mich zukommen umso mehr habe ich trgendwie das Gefühl den ‘roten Faden’ nicht mehr zu finden..
    Liebe Grüße
    Ricarda

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    • 3. September 2016 um 9:41
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      Liebe Ricarda, gut zu wissen, dass es anderen wirklich haargenau so geht. Ist doch schon verrückt, oder? Da hilft wirklich nur wegfahren. Interessant finde ich, dass du auch nach vielen Jahren eben nicht von einer Routine sprichst. Das spricht auch irgendwie für dich! Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen nach etlichen Jahren auch einfach nur nervt, wenn ständig Neues verlangt wird – und das Neue auch immer als “besser” betitelt wird… das geht sogar mir manchmal so. Ich finde, da gilt es auch immer, sich an den Dingen, die man als wirkungsvoll erlebt hat, festzuhalten und sich nicht zum Spielball zu machen. Alles Gute!

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  • 3. September 2016 um 13:56
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    Ach, immer diese Sommerferiendiskussion! Lehrer haben wie alle anderen Arbeitnehmer auch sechs Wochen Urlaub im Jahr – nur sie haben eben die Freiheit, sich ihre Arbeitszeit außerhalb von Unterrichtsverpflichtungen und Konferenzen recht frei einteilen zu können. So entsteht dann bei einigen Menschen, unterstützt durch die Neidkultur in den Medien, der Eindruck vom gutbezahlten Halbtagsjob mit drei Monaten Ferien im Jahr. Wie oft arbeitet man während des Schuljahres bis spät in die Nacht und/oder an den Wochenenden – das weiß der Arbeitgeber und dafür sind eben unter anderem die Ferien zum Ausgleich da. Auch ich habe mir dieses Jahr bewusst drei Wochen Auszeit genommen. Das tat gut und ich konnte meine Batterien ein Stück weit wieder aufladen.

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    • 3. September 2016 um 14:29
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      Da geb ich dir total recht, Anna! Ich lass mich auch auf solche Diskussionen gar nicht mehr ein – es schwingt ja immer ein bisschen Neid mit. Und oft genug wünsche ich micr unterhalb des Schuljahres, ich müsste in den Stoßzeiten nicht 12-14 Stunden pro Tag arbeiten und hätte dafür weniger Ferien… dieses krasse Auf und Ab an Stress ist auch etwas, womit man erstmal umgehen können muss.

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  • 6. September 2016 um 11:29
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    Ich bin gerade per Zufall über diesen Blog gestolpert, und finde, dass die Worte in diesem Artikel die Stimmung zum Schuljahresstart wunderbar einfangen. Mittlerweile habe ich mich zum dritten und damit letzten Halbjahr des Referendariats vorgearbeitet, und weiß daher, wie schön es ist, Schüler nach den großen Ferien ein Stück erwachsener wieder begrüßen zu dürfen. Und dafür lohnt sich auch jede einzelne Vorbereitungsminute. Selbst wenn es derer sehr viele gibt und sie mich auch in den Ferien noch davon abhalten, wirklich und vollständig abzuschalten. Das ist es wirklich wert. :)

    Ich werde hier nun sicher öfter mal vorbeischauen und lasse viele Grüße aus Schleswig-Holstein da :)

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    • 6. September 2016 um 13:49
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      Hi, das freut mich! Ich wünsche dir einen guten Endspurt im Referendariat, viel Kraft, aber auch viel Freude! Ein bisschen Wehmut wird am Ende auch dabei sein ;-)

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