Es ist oft ein leidiges Thema, ganz besonders in der 1. Klasse, aber auch bei einigen Kindern (und Eltern) jedes Mal nach einem Ferienabschnitt: das Erledigen der Hausaufgaben. Eltern berichten von stundenlangen Diskussionen, Tränen, Kämpfen. Von Unkonzentriertheit, unsauberen Hefteinträgen, Ablenkung. Und diese Hausaufgabensituationen, die sich tagtäglich in den heimischen Gefilden abspielen, strapazieren nicht nur die Nerven der Kinder, sondern auch die der Eltern. Die Eltern-Kind-Beziehung wird belastet und die Eltern müssen vor allem eins: stark sein, um sich jeden Tag erneut mit dieser Situation zu konfrontieren.

Manche Eltern suchen gleich Hilfe, von anderen höre ich erst nach Wochen oder Monaten, dass es Probleme gibt. Nämlich dann, wenn es kaum noch auszuhalten ist. Wenn der Streit zu Hause eskaliert und die Mütter – sie sind es häufig, die mittags zu Hause sind – nicht mehr weiter wissen und “aufgeben”. “Was soll ich denn machen, wenn meine Tochter wegen den Hausaufgaben jammert und weint und total unglücklich ist?”, fragte mich zuletzt eine junge Mutter. “Dann muss ich doch einfach zu ihr gehen und sie trösten.” Dann – und nicht nur dann, sondern generell – sind gute Ratschläge gefragt, sowie ein regelmäßiger Kontakt zwischen Elternhaus und Schule.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, möchte ich Eltern (und Lehrern) ein paar Gedanken an die Hand geben:

  • Vorbildliches, gutes Verhalten muss von den Eltern und den Lehrern unbedingt beachtet und gelobt werden. Macht ein Kind also seine Hausaufgaben selbständig und ordentlich, so muss es auch das Gefühl bekommen, dass die Eltern und die Lehrer das wahrnehmen und honorieren. Hier sind keine Belohnungen notwendig, sondern einfach Zuneigung und Lob. Eltern sollten es nicht für selbstverständlich erachten, dass ihr Kind die Hausaufgaben eigenständig und sorgfältig erledigt!
  • Hausaufgaben sind Pflicht, wenn der entsprechende Lehrer das so kommuniziert (hier gibt es natürlich Auch andere Regelungen). Jedes Kind muss sie in dem Fall machen, ob es nun mal möchte oder nicht. Das heißt, ein Schulkind muss von Anfang an daran gewöhnt werden, dass es einfach Dinge gibt, die es ohne Diskussion tun muss. Die wichtig sind, und um die es nicht herumkommt. Das ist meine Meinung. Um diesen Lernprozess voran zu bringen, ist es unbedingt notwendig, dass die Eltern selbst klare Strukturen vorleben und von ihren Kindern als konsequent wahrgenommen werden. Wenn die Kinder wissen, dass sie sowieso nur zu jammern oder zu weinen brauchen, um Mitleid zu erregen und somit um eine unangenehme Aufgabe herumkommen, wird es immer wieder Streit geben. Das heißt für die Eltern: absolut stark und konsequent bleiben, sich nicht erweichen lassen.
  • Ein Kind braucht Regeln und Strukturen. Klare Abläufe helfen dem Kind, sich zurecht zu finden. Ich schlage vor, auszuprobieren, womit das Kind besser zurecht kommt:
    • Entweder erledigt es sofort nach dem Nachhausekommen die Hausaufgaben, isst dann zu Mittag und darf dann spielen,
    • oder es darf eine Pause machen, sich etwas von der Schule ausruhen, zu Mittag essen und anschließend die Hausaufgaben erledigen. Wichtig ist: jegliche Freizeitaktivitäten wie Fußballtraining, Musikstunde oder das Treffen mit Freunden finden erst statt, wenn die Hausaufgaben erledigt sind.
  • In Absprache mit dem Lehrer ist es absolut in Ordnung, die Hausaufgaben abzubrechen, falls das Kind viel zu lange daran sitzt. Auch Lehrer können die Menge an Hausaufgaben manchmal nicht abschätzen. Oder eine Aufgabe fällt dem Kind einfach noch zu schwer. Erstklässler sollten nicht länger als 30 Minuten an ihren Hausaufgaben sitzen, Zweitklässler um die 45 Minuten. Braucht ein Kind wesentlich mehr, ist zu überlegen, woran das liegt und wie man die Situation verbessern kann (zusätzliche Hilfen? differenzierende Aufgaben? eine geringere Menge? ein Ansporn? …) – natürlich in Rücksprache mit dem Lehrer.
  • Hilfe und Unterstützung durch die Eltern ist in Maßen angebracht, sollte aber mit der Zeit immer mehr abnehmen. Zu Beginn der Grundschulzeit ist es absolut legitim, die Hausaufgaben mit dem Kind anzuschauen und zu besprechen, was es tun muss. Auch kann das Elternteil ganz zu Anfang noch bei seinem Kind sitzen, während es die Hausaufgaben erledigt. Mit der Zeit sollte diese Hilfe jedoch abnehmen. Das Kind muss lernen, Aufgabenstellungen zu lesen und umzusetzen, bzw. im Unterricht genau zuzuhören und sich die Art der Aufgabe zu merken. Wird ihm immer wieder geholfen, gewöhnt es sich schnell daran, nachlässig zu sein. Ab dem 2. Halbjahr in der 1. Klasse sollte ein Elternteil nur noch für eventuelle Nachfragen in Reichweite sein. Von einer direkten 1:1 Betreuung bei den Hausaufgaben rate ich dringend ab.
  • Um Aufgaben ordentlich und sorgfältig zu erledigen, ist unbedingt ein sauberer und ruhiger Arbeitsplatz notwendig. Ich rate Eltern immer dazu, dem Kind ab der 1. Klasse einen eigenen Schreibtisch anzuschaffen. Den darf es sich dann so “einrichten”, wie es ihm gefällt. Auf dem Schreibtisch sollte das Kind Ordnung halten. Wenn möglich sollte sich dieser Arbeitsplatz nicht in der Küche befinden, wo die Mutter oder der Vater gleichzeitig kochen oder aufräumen. Das Kind braucht Ruhe, um sich konzentrieren zu können.

Natürlich kann es trotz Einhaltung dieser Tipps zu Streitigkeiten kommen. Eltern sollten es ihrem Kind auch mal nachsehen – jeder hat mal schlechte Tage oder eine schlechte Stimmung. Auch dafür muss Verständnis da sein. Trotzdem muss unbedingt gelten: Die Hausaufgaben werden gemacht und haben Vorrang. Die Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich und können diese Verantwortung – auch nicht für die Hausaufgaben – an ihre Kinder abgeben. Zumindest nicht in der Grundschule. Hier ist es unbedingt notwendig, dass Eltern regelmäßig das Hausaufgabenheft ihres Kindes einsehen, und eine gewisse Kontrolle über die Hausaufgaben ausüben. Zusätzlich sollte der regelmäßige Kontakt zum Klassenlehrer gesucht werden – und auch umgekehrt. 

Gibt es einmal eine Phase, in der Probleme mit den Hausaufgaben auftreten, dann kann man es auch mit einem neuen Anreiz versuchen. Zum Beispiel könnten die Eltern in Absprache mit dem Lehrer einen Arbeitspass anfertigen, auf dem festgehalten wird, ob das Kind Tag für Tag die Hausaufgaben gut macht. Bei z.B. 10 Smileys darf es dann … (in Absprache mit den Eltern) … ins Schwimmbad gehen, ins Kino gehen, einen Filmeabend zu Hause machen, etwas länger aufbleiben oder oder oder. Ziel muss aber auch hier immer sein, dass die Maßnahme nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg notwendig ist und sich die Schwierigkeiten dadurch möglichst bald erübrigen.

 

Hausaufgaben: Tipps für Eltern und Lehrer
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6 Gedanken zu „Hausaufgaben: Tipps für Eltern und Lehrer

  • Pingback: Hausaufgaben: Tipps für Eltern (und Lehrer) | Elternratgeber

  • 27. August 2015 um 14:18
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    Guten Tag,

    Ihr Artikel zeigt deutlich die strukturellen Probleme von Hausaufgaben auf.

    Versuchen Sie, Ihren Blick weiter schweifen zu lassen und lösen Sie sich vom dem Bild der gutbürgerlichen deutschen Durchschnittsfamilie. Ein eigener Schreibtisch? Strukturen? Zum Glück erleben das noch Kinder. Noch… Doch werden es immer weniger.

    Nie wieder Hausaufgaben? Darüber können sich Schüler frühestens nach ihrem Abschluss freuen! Noch immer gehört das häusliche Pauken zum Standardrepertoire der Schule – ist aber sozial ungerecht, pädagogisch fragwürdig und persönlich belastend. Hausaufgaben-Skeptiker warnen vor nervlicher und zeitlicher Überbeanspruchung der Schülerinnen und Schüler, die mittlerweile oft mehr Stunden pro Woche beschäftigt sind, als ihre Vollzeit arbeitenden Eltern. Armin Himmelrath kommt gar zu dem Schluss, dass Hausaufgaben den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllen, weil sie außerhalb der Schule stattfinden und nicht unter den gesetzlichen Schulzwang fallen.

    Der letzte Satz hat es in sich. Leider wird der Nutzen von Hausaufgaben gerade von denen, die das System Schule aufrecht erhalten, viel zu selten hinterfragt. Steigen Sie aus ihrem Laufrad heraus und denken Sie daran, immer auch links und rechts des Weges zu gucken. Die eigene Perspektive ist immer nur eine Ebene der Wahrheit.

    Herzliche Grüße

    Helge v. Stein

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  • 27. August 2015 um 14:20
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    Jetzt habe ich doch glatt vergessen, noch ein Buch zu erwähnen, das die Hausaufgabenproblematik darstellt: “Hausaufgaben – Nein Danke!: Warum wir uns so bald wie möglich von den Hausaufgaben verabschieden sollten (Armin Himmelrath)”

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  • 13. September 2015 um 11:26
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    Eigentlich sind die Tipps für Eltern für einem gebildeten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Für junge Eltern sicher eine gute Hilfestellung.

    ich möchte noch ergänzen, dass man in der Schule, vor allem in den ersten Klassen neben den Buchstaben und Zahlen noch etwas sehr wichtiges lernen muss: Pflicht ist Pflicht und Schnaps ist Schnaps!

    Diskussionen muss man nicht führen, es reichen ganz einfache, für jedes Kind verständliche Regeln: Vor dem Ende der Hausaufgaben gar nicht erst nach Fernsehen etc. nachfragen. Wer ohnehin immer alle Vergnügen ohne Fragestellung grenzenlos erlaubt, hat ein anderes Problem, welches Jahr für Jahr wächst und im schwierigen Alter zu Katastrophen mit Tränen der Eltern führt.

    Zu den wirren Thesen von Herrn von Stein: Sie können Ihre Sprösslinge zum grenzenlosen chillen erziehen, sie werden dann vor meinen in 20 Jahren tief verbeugen müssen!

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    • 13. September 2015 um 11:41
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      Von einer “Selbstverständlichkeit” für Eltern gehe ich erfahrungsgemäß nicht mehr aus ;-) Was die Erziehung angeht, bin ich absolut Ihrer Meinung: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wurde mir von klein auf beigebracht und hat seine Wirkung absolut nicht verfehlt. Auch meine Schüler wissen ganz genau, dass sie Pflichten haben, die sie zu erfüllen haben. Auf Diskussionen lasse ich mich kaum ein – es sei denn, sie sind berechtigt. Schließlich erziehe ich keine Marionetten, sondern hoffentlich hinterfragende kleine Menschen. Aber auch die müssen lernen, dass es Rechte und Pflichten gleichermaßen gibt.

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      • 14. September 2015 um 13:02
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        Wir sprechen die gleiche Sprache und haben die gleiche Auffassung, liebe Diana!

        Es ist auch ohne Zweifel leichter gesagt als getan. Für “Fremde” als Lehrer auch leichter, mit meinen Neffen und Nichten klappte bei mir auch alles wie am Schnürchen. Die Eigenen kennen aber zu genau die Hebel und nutzen diese ganz bewußt! Da muss und will ich natürlich häufig verhandeln, wobei das Begehrte von Anstrengungen abhängig zu machen nicht die schlechteste Methode ist.

        Aber über den Zusammenhang von wachsenden Rechten mit wachsenden Pflichten und die Reihnfolge von Pflichten und Vergnügen wird bei mir “der Handel” unterbrochen und keine Zweifel erlaubt. Obwohl es schwer fällt, muss ich manchmal doch daran erinnern, dass ich nicht der Freund bin und im Erstfall nicht auf Augenhöhe verhandelt wird.

        Es ist wahrscheinlich ein Grundfehler der “modernen Erziehung”, dass man versucht auf Basis der Gleichberechtigung zu diskutieren. Häufig ist es zielführender und angenehmer, allerdings verfestigt sich die Meinung bei den Kids, genau so viel fordern zu können wie die Eltern. Spätestens in der Pubertät, wenn die Halbstarken ohnehin ein wenig orientierungslos sind, kann man Ihnen nicht mehr die Erfüllung von einfachsten Pflichten, wie zu Schule gehen, nahe bringen.

        Hat man ein Vertrauensverhältnis auf der Basis von doch bestehender Hackordnung, kann man trotz allgemeine Denke, “alles von den Alten ist uncool”, in gewissen Rahmen noch steuern.

        Die Grundlagen dafür legt man in der Grundschule!

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