Selbst am Sonntag macht es mir Spaß, mich hinzusetzen und zu überlegen, wie die Woche in meiner Klasse beginnt. Wie führe ich dieses Mal den Erzählkreis durch? Muss ich die Sitzordnung mal wieder ändern? Wo stehen wir in Sachkunde/Deutsch/Kunst…? Was fehlt mir noch? Das sind Fragen, die ich am Sonntag doch mit Freude beantworte. Ehrlich! Denn ich weiß, dass mich am Montag morgen süße Kinderaugen erwarten, die sich freuen, mich zu sehen, die mich anstrahlen und die Lust haben, was zu lernen. Die freudig “Ja!!!” rufen, wenn ich verkünde, dass wir heute herausfinden, wie Regen entsteht.

Was ich nicht mag, sind pubertierende Teenager, wie ich sie zur Zeit in den oberen Klassen unterrichte (n muss). Die Jahrgangsstufen 7 und 8 sind einfach nicht meins!! Ich hatte mir mein Deputat so wirklich nicht vorgestellt, aber was soll man machen? Manche Schüler haben einfach keine Lust auf gar nichts. “Spielen wir ein Spiiiiel?“, dröhnt mir jede Unterrichtsstunde entgegen. Sind wir hier im Spieleparadies? Sie erwarten, dass ich sie unterhalte, ohne dass sie dabei irgendetwas leisten müssen. Und überhaupt sind sie völlig ANTI alles. Anti Schule, anti Lehrer, und besonders anti mein Fach. Na wunderbar! Als ich zu Beginn des Schuljahres diese Klassen übernahm, nahm ich mir vor, zumindest diesen letzten Aspekt, die Abneigung gegen das Fach, irgendwie zu mindern und im besten Fall bei wenigstens ein paar Schülern umzukehren. Doch wie? Ein wirklich schweres Unterfangen. Ich gebe mir Mühe, gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich selbst in der 7. Klasse überhaupt kein Interesse am Schulischen hatte. Wieso auch? Der Abschluss ist noch zu weit weg, die Pubertät schlägt voll zu und ganz andere Dinge sind von höchstem Interesse. Ich geb zu, bevor ich die Klassenzimmer dieser Klassen betrete, atme ich jedes Mal tief durch und sage mir “Komm schon, so schlimm wird es schon nicht werden, es sind doch nur Kinder, und die Stunde geht vorbei.“. Aber kennt ihr das, wie einem 1 einzige schlecht gelaufene Stunde den ganzen Schultag mies machen kann?

An solchen Tagen muss ich mich zwingen, mich an meine lieben 3. Klässler zu erinnern, mit denen jede Stunde genau so läuft, wie ich es mir vorher vorstelle, oder sogar besser. Sie haben Spaß, sie sind mit Begeisterung bei der Arbeit, sie sind diszipliniert und höflich, und sie helfen einander wo sie können. Wenn ich sie manchmal betrachte, kann ich es kaum glauben, dass sie es schon so weit gebracht haben in den nunmehr 2,25 Jahren, die ich sie jetzt unterrichte. Man soll sich ja nicht zu sehr selbst loben, aber in diesem Fall lasse ich das gelegentlich außer Acht und bin einfach stolz darauf, was ich den Kindern schon alles beigebracht habe. Und das ist doch das, wofür ich jeden Morgen aufstehe, oder nicht?!

 

Ich mag meinen Job, wirklich

Ein Gedanke zu „Ich mag meinen Job, wirklich

  • 10. November 2015 um 19:47
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    Ich kann das 100% nachvollziehen. Mir ging es letztes Jahr exakt genau so! Ich habe mich jede Stunde in die 7. Klasse gequält und mich gefreut, wieder bei meinen Kleinen zu sein (und das, obwohl meine “Kleinen” ein Haufen von 8 Jungs mit hohem Förderbedarf im emotional-sozialen Bereich waren). Teenager – nein danke!

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