In meiner damals 2. Klasse wollte ich im 2. Halbjahr nach der Analyse aller Lernkontrollen und Hefte sowie der erneuten Sichtung meiner Aufschriebe für jedes Kind je ein Lernfeld in Mathe und ein Lernfeld in Deutsch definieren. Also Bereiche, in denen die Kinder noch Schwierigkeiten haben und sich verbessern können.

Auf diesen Lernfeldern sollte in den kommenden Wochen der Fokus in der individuellen Lernzeit liegen. Das heißt, jeder Schüler bekam von mir nach den Osterferien seinen kleinen Förderplan, auf dem die Lernfelder standen, sowie die Möglichkeiten, sich in der jeweiligen Kompetenz zu verbessern.

Ich stellte entsprechendes Material an einer großen Lerntheke bereit, an dem die Kinder an ca. 2 Stunden pro Woche – oder auch wenn mal Leerlauf für einzelne ist – arbeiteten.

Nach einiger Zeit war das Materialangebot bereits etwas minimiert und die Lerntheke sah mittlerweile so aus:

IMG_0435

In meiner Klasse hatte ich auch zahlreiche Kinder, die wirklich stark waren. Manche machten alles schon richtig gut und hatten entsprechend weniger aktuelle Baustellen. Trotzdem fand sich bei jedem etwas – sei es zum Beispiel die Verbesserung des Schriftbildes. Darüber hinaus wollte ich diese leistungsstarken Kinder individuell fordern. Auf ihrem Forderplan wies ich deshalb neben ihrem Lernfeld auch eine Herausforderung aus. Dies waren zum Beispiel das laute Lesen mit Betonung oder das Rechnen über die 100 hinaus.

Ich hatte mir Mühe gegeben, die Förder- und Forderpläne ansprechend zu gestalten. Hier könnt ihr sie euch anschauen und ggf. herunterladen: Förderplan fördern und Förderplan fordern

Die Kinder unterschrieben ihren Plan und klebten ihn anschließend vorne in ihren Schulplaner ein, den sie täglich dabei hatten und in den sie ihre Hausaufgaben eintrugen. Sie sollten ihn dann ihren Eltern zeigen und von ihnen gegenzeichnen lassen. Ich denke, es ist auch für die Eltern eine gute und hilfreiche Rückmeldung darüber, in welchem Bereich ihr Kind noch Förderbedarf hat und wie sie ihr Kind mit regelmäßiger Übung unterstützen können.

Ich hatte passend dazu einen Elternbrief raugegeben, in dem ich die Eltern noch einmal explizit aufforderte, ihre Kinder mehr zu unterstützen und zum Lernen und Arbeiten zu motivieren. Mir war das besonders negativ aufgefallen, als ich auf Klassenfahrt und anschließend krank war. Da gab es Kinder in meiner Klasse, die während  meiner gesamten Abwesenheit nicht einmal selbständig etwas geübt hatten, obwohl es kaum Hausaufgaben gegeben hatte. Stattdessen – und das war die Höhe – beschwerten sich Eltern, warum es so wenige Hausaufgaben gab. Dies sah ich als geeigneten Zeitpunkt, an die Eltern zu appellieren, die Übungsmaterialien, über die ihre Kinder bereits verfügten, selbständig zu nutzen und ihre Kinder zu motivieren.

Die Kinder arbeiteten im Unterricht dann einige Wochen an ihren Lernfeldern und ich kontrollierte ihre Arbeitsergebnisse und besprach mit ihnen, so gut es ging, ihr Vorankommen. Die meisten Kinder waren sich ihrer Lernfelder sehr deutlich bewusst. Mit dem individuellen Plan und abwechslungsreichen Materialien waren sie motiviert, daran zu arbeiten und sich zu verbessern. Nach einiger Zeit konnten einige ihr Lernfeld erstmal “abhaken” und sich in Absprache mit mir einem anderem zuwenden. Insgesamt bewertete ich die Arbeit mit diesen individuellen Forder- und Förderplänen als sehr fruchtbar. Auch sahen die Eltern, dass die starken Kinder gefordert wurden, was sie freute.

Wie gestaltet ihr die individuelle Förderung?


Dir gefällt BuntesKlassenzimmer? Dann unterstütze uns auf Facebook und gib uns dein Like!


(Anzeige)

Individuelle Förderung: Förderpläne und Forderpläne

4 Gedanken zu „Individuelle Förderung: Förderpläne und Forderpläne

  • 9. November 2017 um 10:22
    Permalink

    Hallo Diana,

    für jedes Kind einen individuellen Lernplan zu erstellen und passendes Material für alle bereit zu stellen ist ja ein ganz schöner Aufwand. Hast du irgendwelche Tipps, wie man den Aufwand minimiert oder das möglichst effektiv erledigt?

    Regine

    Antworten
    • 9. November 2017 um 12:14
      Permalink

      Hallo Regine. Zum Einen decken sich viele Lernfelder, das heißt, das Material A kann von mehreren Kindern genutzt werden und das Material B auch. Zum Anderen ist es zwar viel Aufwand, aber hauptsächlich im Voraus. Ich hab das Material über die Osterferien gesammelt und aufbereitet und hatte dann aber über viele Wochen hinweg Stunden, an denen die Kinder daran gearbeitet hatten und für diese Stunden musste ich dann ja nichts mehr vorbereiten. Grüße

      Antworten
  • 11. November 2017 um 13:51
    Permalink

    Wo bitte ist der Unterschied – außer in der Wortklauberei – zwischen Fordern und Fördern?! Lehrer, hinterfragt doch einen solchen Quatsch und reproduziert ihn nicht!

    Antworten
    • 11. November 2017 um 15:14
      Permalink

      Nun, ob das „Quatsch“ ist, ist Ansichtssache. Unter „fördern“ verstehen wir eher das Arbeiten an bestehenden Schwierigkeiten, wohingegen „fordern“ mehr das Herausfordern eines Schülers in seiner Stärke bezeichnet. Natürlich „fordere“ ich schwächere Schüler auch heraus. Trotzdem dient die Wortunterscheidung auch dazu, den einen Bereich eben nicht zu vergessen, sich nicht nur auf die Probleme zu konzentrieren, sondern eben auch die Stärken und Talente der Kinder weiter herauszufordern (wodurch ich sie natürlich auch „fördere“)!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.