Jahrgangsgemischtes Lernen in unserer Eingangsstufe – Teil 3: Der erste Vorgeschmack

Wie bereits berichtet, hatte ich mit meiner „Starterklasse“ vor drei Jahren, meiner Meinung nach, ein gutes Fundament für die Arbeit in der Eingangsstufe geschaffen: Die Kinder waren fit in der selbstständigen Wochenplanarbeit, setzten das Helfersystem gut um und befolgten unsere Absprachen, Regeln und Rituale rund ums Schulleben meistens ;-) vorbildlich. Wir standen also in den Startlöchern und die neuen Erstis konnten kommen!

Bereits ab ungefähr März hatten uns die neuen Einschulungskinder ca. 3-4 Mal besucht und hatten so nicht nur die Schule und die Lehrerinnen kennen gelernt, sondern auch ihre zukünftigen Mitschüler. Anfangs gestalteten wir diese Besuche wie gewohnt, als Schnupperstunde mit einer Vorlesegeschichte, Liedern und Spielen zusammen mit den Kindern der Starterklasse. Beim letzten Besuch der neuen Schulkinder vor den Sommerferien gestalteten wir dann einen kleinen ersten Arbeitsplan, mit kleinen Aufgaben, Arbeitsblättern und Malbildern. Diesen Plan sollten dann die neuen Kinder zusammen mit ihren „Paten“ aus der Starterklasse durchlaufen und bearbeiten. Wir hatten vor diesem Besuch den Starterkindern je einen „Ersti“ als Patenkind zugeteilt. So bekamen die zukünftigen Schulkinder dann einen erfahrenen Paten an ihre Seite gestellt, der sie auch im neuen Schuljahr begleiten und unterstützen sollte. Daher war es sehr spannend zu beobachten, wie diese erste Zusammenarbeit funktionieren würde. Aber was soll ich sagen? Es klappte bei diesem ersten Arbeitsplan auf Anhieb super! Die Großen nahmen ihre „kleinen Patenkinder“ gleich an die Hand, erklärten geduldig die Aufgaben und das man z.B. erledigte Blätter vorzeigen soll und dann einen Stempel in seinem Plan dafür bekommt und halfen sehr souverän bei kleinen Problemchen. Das war der Moment, wo mir und meiner Kollegin das Herz aufging. Meine Großen waren sooooo tolle Paten und auch einige der schwächeren Schüler blühten in ihrer Rolle als „Pate“ so dermaßen auf, dass ihnen der Stolz aus jeder Pore strahlte! Ihr kennt hoffentlich alle solche „Gänsehaut-Momente“! J

Nun kannten auch schon die neuen Einschulungskinder nicht nur ihre Klassenkameraden und uns, sondern auch ein wenig die Arbeit mit einem Arbeitsplan. So konnten sie schon einen guten Einblick in ihr zukünftiges Schulleben bekommen und wussten auch, wer im neuen Schuljahr ihnen als Pate zur Seite stehen würde.

Für dieses Modell mit den Paten hatten wir uns entschieden, um gleich zwischen den neuen und den alten Kindern eine starke Bindung herzustellen; die Großen sollten sich für ihr Patenkind verantwortlich fühlen und die Kleinen sollten eine feste Bezugsperson gerade für die Eingewöhnungsphase bekommen.

So ein Patenmodell kennen viele von euch sicherlich, da es bereits in vielen Schulen zum Einsatz für die neuen Einschulungskinder kommt. Hierbei gibt es auch viele verschiedene Varianten, so kenne ich es auch, dass jeweils die Drittklässler einer Schule die Patenschaft für einen neuen Erstklässler übernehmen und ihren Schützling dann als Viertklässler ins neue Schuljahr begleiten. Welche Arten dieser „Patenschaften“ habt ihr schon ausprobiert oder sind üblich an euren Schulen?

Da die Teilungsgrenze bei Eingangsstufenklassen bei 24 (also etwas niedriger als in Regelklassen) liegt, wussten wir, dass wir zwei Klassen einrichten können. Dies bedeutete aber auch, dass wir die Starterklasse teilen mussten, damit in jeder Eingangsstufenklasse eben auch die Jahrgangsmischung zustande kommt.

Dieser Schritt bereitete uns so einige schlaflose Nächte, obwohl es ja keine vollkommene Trennung der Kinder voneinander sein würde. Die Kinder sollten ja immer wieder in jahrgangsgleichen Unterrichtsstunden zur Einführung zusammenkommen. Dennoch sollte die Festlegung der neuen Klassenzusammensetzung der erste endgültige Schritt ins Leben mit der Eingangsstufe darstellen. Aber davon beim nächsten Mal mehr…


Wenn du die vorherigen Beiträge der Serie „Jahrgangsgemischtes Lernen“ nochmal lesen möchtest, klicke bitte hier.

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Jahrgangsgemischtes Lernen: Der erste Vorgeschmack

2 Gedanken zu „Jahrgangsgemischtes Lernen: Der erste Vorgeschmack

  • 1. Oktober 2017 um 11:54
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    Ja, so sollte es eigentlich sein. Aber wie soll man das lösen, wenn die Jahrgangsmischung eben nicht mehr 50/50 ist? Als ich meine erste jahrgangsgemischte Klasse übernahm, hatte ich im ersten Durchgang ganze 5 (!) Zweities und bekam dazu 19 Ersties…. im Jahr darauf, war es dann umgekehrt. Dieses Ungleichgewicht ist letztlich eine logische Folge in schwierigen Einzugsgebieten. Dadurch dass der Anteil von Kindern, die drei Jahre in der Saph bleiben müssen sehr hoch ist, „kippt“ es recht schnell: im ersten Jahr der Mischung sind es noch ausgewogen 12 Ersties und 12 Zweities. Aber schon im zweiten Jahr funktioniert es nicht mehr, weil von den 12 Zweities z.B. nur 8 in die 3.Klasse wechseln können: schon sind wir bei nur 8 zu 16 und so weiter. Hier würde mich wirklich interessieren, wie das an anderen Schulen gelöst wird (bei uns wurde die Jahrgangsmischung letzlich wieder abgeschafft…).

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    • 1. Oktober 2017 um 14:12
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      Hallo Katja, da sprichst du tatsächlich ein schwieriges Problem mancher Schulen. Schade zu hören, dass dann so ein langfristiges Ungleichgewicht von Kindern im ersten und zweiten Jahrgang dazu führt, dass die Jahrgangsmischung aufgegeben werden muss. Bei uns ist es glücklicherweise bisher noch immer recht gut aufgegangen. Im nächsten Jahr werden es 11 Große und 14 Erstis werden. Das klappt noch ganz gut. Vielleicht können ja tatsächlich noch andere berichten, wie sie mit diesem Problem umgegangen sind. An unserer kleinen Schule besteht eher die Gefahr, dass wir aufgrund der geringen Schülerzahl nicht mehr zwei Eingangsstufenklassen halten können. Aber ich hoffe, dass es doch noch immer klappt!

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