Jahrgangsgemischtes Lernen in unserer Eingangsstufe – Teil 2: Der Start

Ich habe ja beim letzten Mal darüber erzählt, warum wir uns an unserer Zwergschule für die Eingangsstufe entschieden haben. Nachdem nun der Entschluss feststand, ging es um das WIE der Umsetzung.

Ich möchte hier noch einmal schnell betonen, dass es für die Arbeit in der Eingangsstufe viele verschiedene Wege, Unterrichtsmethoden und Modelle gibt. All diese verschiedenen Möglichkeiten haben alle ihre Berechtigung und es gibt kein Richtig oder Falsch. Entscheidend ist letztlich nur, mit welcher Methode, welcher Unterrichtsorganisation fühlen wir als Kollegen in der Eingangsstufe uns am wohlsten? Wie bei allen Unterrichtsformen spielt auch die persönliche „Vorliebe“ eine Rolle. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es nicht ratsam ist, sich ein Unterrichtsmodell oder eine Methode anderer aufzwingen zu lassen. Dies geht meistens nach hinten los und man stellt irgendwann fest, dass das ganze System nicht für einen persönlich passt und man nicht mit dem Herzen dahinter steht.

Also das Modell, das ich mit meiner Kollegin zusammen entwickelt habe, ist perfekt auf uns abgestimmt und wir fühlen uns damit wunderbar. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass es für andere genauso passen würde. Dennoch möchte ich euch daran teilhaben lassen und hoffe, es bietet vielleicht die ein oder andere Anregung.

Für uns stand sehr schnell fest, dass wir das System des Wochenplans in unseren Eingangsstufenklassen einführen wollten, da wir bereits vorher beide schon viel mit Wochenplänen gearbeitet hatten. Außerdem war in der Eingangsstufe meiner alten Schule auch mit Wochenplänen gearbeitet worden und ich hatte dort positive Erfahrungen gesammelt. Ich startete also vor drei Jahren mit unserer „Starterklasse“, die nun als erste Klasse direkt mit der Wochenplanarbeit beginnen sollte. Wir begannen mit unserem Buchstabenweg-Plan und einer Zahlenwerkstatt und bauten darauf unseren Wochenplan auf, indem wir den Buchstabenplan um immer mehr Aufgaben ergänzten. So konnten die Kinder recht schnell selbstständig in ihren ersten Plänen arbeiten.

Gleichzeitig trainierten wir immer wieder unser „Helfer-System“. Dieses besagt, dass ich bei schwierigen Aufgaben oder Problemen immer zuerst selbst nachdenke, dann einen Freund oder Tischnachbarn frage und erst dann die Lehrerin. Dieses System ist mittlerweile in vielen Klassen vertreten und wird von vielen Kollegen eingesetzt und fördert meiner Meinung nach die Selbstständigkeit und Hilfsbereitschaft innerhalb der Klassengemeinschaft sehr effektiv.

Neben den Stunden, in denen am Wochenplan gearbeitet wurde, gab es auch unsere „Einführungsstunden“. In diesen wurden die Buchstaben und Zahlen erarbeitet, Addition und Subtraktion eingeführt usw. Also „ganz normaler Unterricht“! Diese Einführungsstunden waren uns von Anfang an wichtig, da wir die Erarbeitung z.B. der einzelnen Buchstaben nicht den Kindern ganz frei überlassen wollten. Ein gemeinsamer Einstieg und ein gemeinsames Kennenlernen z.B. des neuen Buchstaben sollte auf jeden Fall stattfinden, bevor sich die Kinder dann im Verlauf der Wochenplanarbeit wieder entsprechend ihren Fähigkeiten den Buchstaben selbstständig vertiefen konnten.

Unterrichtsfächer wie Religion, Kunst, Musik oder Sport wurden regulär nach Stundenplan abgehalten. Als Unterrichtswerke wählten wir für Deutsch „Flex und Flora“ und für Mathematik „Flex und Flo“ und stellten schnell fest, dass uns dieses Lehrwerk gerade in der Wochenplanarbeit gut unterstützte. (Achtung! Keine Werbung! ;-))

So verging das erste Schuljahr meiner Starterklasse wie im Fluge und am Ende kamen alle Kinder mit der Wochenplanarbeit gut zurecht und bildeten eine gute Basis für den „echten“ Start in die Arbeit der Eingangsstufe. Denn im neuen Schuljahr sollten ja nun zum ersten Mal die neuen „Kleinen“ dazu kommen.

Dies wurde der eigentlich aufregende Teil unseres Abenteuers „Eingangsstufe“! Denn nun sollte sich zeigen, ob unsere Überlegungen und unser System der Wochenplanarbeit auch mit den neuen Einschulungskindern funktionieren würde. Aber davon berichte ich dann beim nächsten Mal!


Wenn du den vorherigen Beitrag der Serie „Jahrgangsgemischtes Lernen“ nochmal lesen möchtest, klicke bitte hier.

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Jahrgangsgemischtes Lernen: der Start

8 Gedanken zu „Jahrgangsgemischtes Lernen: der Start

  • 24. September 2017 um 9:05
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    Danke, dass du uns teilhaben lässt an deinem Schulalltag.
    Ich arbeite auch in einer jahrgangsgemischten Klasse (1bis4).
    Ohne Wochenplan…
    Wir suchen auch immer wieder nach passenden begleitenden Lehrwerken ( Ziel : ganz ohne!). Hast du ein neues Lehrwerk gefunden, was besser zu euch passt? Es gibt auch bei uns gemeinsame Einführungen. Buchstaben erarbeiten die Kinder bspw aber nach vorheriger Absprache mit der Lehrerin allein

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    • 24. September 2017 um 11:08
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      Danke für deinen netten Kommentar! Eine Jahrgangsmischung Klasse 1 bis 4 stelle ich mir auch sehr spannend vor! Aber sicherlich auch immer wieder eine Herausforderung! Das ist ja sozusagen Jahrgangsmischung für Fortgeschrittene! 😉 Mit unserem Lehrerwerk „Flex und Flo “ bzw. „Flex und Flora “ sind wir bisher gut zufrieden. Wir nutzen aber auch ergänzend oder zur Differenzierung andere Übungshefte und Materialien, z.B. vom Jandorf-Verlag. Auf die Materialien und Übungshefte gehe ich aber spätestens beim Thema Hausaufgaben noch mal genauer ein. 😊

      Antworten
  • 24. September 2017 um 10:47
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    Danke, dass du uns an eurem spannenden Weg teilhaben lässt!
    Dieses Jahr möchte ich mit auch mit Wochenplänen arbeiten – bisher hatte ich nur nach Themen getrennte Arbeitspläne mit unterscheidlicher „Laufzeit“. Wäre es vielleicht möglich, einen Blick auf deinen Wochenplan zu werfen?
    Wir haben auch flex und flo und ich fände es total spannend zu sehen, wie du die Aufgaben vorgibst. Gilt der Plan dann von Montag bis Freitag? Ist er differenziert?
    Liebe Grüße,
    Sandra

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    • 24. September 2017 um 11:29
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      Danke für deinen netten Kommentar! Unsere Wochenpläne laufen meistens von Dienstag bis zum nächsten Dienstag. Es kann aber auch mal ein Plan für 1,5 Wochen laufen. Ganz wie es gerade passt. Dabei differenzieren wir ganz unterschiedlich. Einige Kinder bekommen einen Plan, der z.t. andere Aufgaben enthält oder ganz anders aussieht, z.B. bei unseren I-Kindern. Ansonsten differenzieren wir auch ganz individuell, in dem zwar das Kind die gleiche Aufgabe macht wie alle anderen, aber ich mit dem Kind zusammen bespreche, z.B. ob es einfach weniger auf einer Seite machen muss. Zu den Wochenplänen werde ich aber auch noch ausführlich berichten! 😊

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      • 24. September 2017 um 16:44
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        Hab lieben Dank für deine Antwort! Dienstag auf Dienstag finde ich super – viel entspannter. ;)
        Freue mich schon, mehr darüber bei dir zu lesen!
        Schönen Sonntag noch und liebe Grüße,
        Sandra

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  • 24. September 2017 um 17:09
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    Vielen lieben Dank auch von mir für deine interessanten Einblicke in deine Arbeit. Ich arbeite das 1.Mal mit Flex und Flora und Flex und Flo in Klasse 1. Wir haben jetzt die Eingangsdiagnostik durch und sind bei den ersten Buchstaben. Ich habe das A und M gemeinsam mit den Kindern bearbeitet und zum Abschluss Stationslernen gemacht. Das hat schon gut geklappt. Nun möchte ich zum individuellen Lernen übergehen. Ich möchte auch den Buchstaben gemeinsam einführen. Welche Übungen hast du gemeinsam gemacht und welche individuell? Wie sieht es aber bei den langsamen Kindern aus, wenn die anderen schon weiter sind? Hast du trotzdem gemeinsam den nächsten Buchstaben erarbeitet, auch wenn noch nicht alle so weit sind? Ich wünsche dir einen schönen Sonntag! Liebe Grüße Sabine

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    • 24. September 2017 um 20:37
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      Wenn wir gemeinsam den neuen Buchstaben einführen üben wir die Schreibrichtung und lernen den Buchstaben mit vielen Anlautbildern kennen. Dann starten die Kinder mit den Aufgaben der Buchstabenstationen, also im Sand schreiben, kneten, mit Steinchen legen usw. Hier entsteht dann schnell quasi von alleine eine Differenzierung. Die stärkeren Kinder haken die einfachen Aufgaben schnell ab und kommen dann schon zu den anspruchsvolleren Aufgaben, wie Klammerkarten, Übungsblätter, Buchstabenheft usw. Bei schwächeren Kindern achte ich darauf, dass sie z.B
      die Schreibrichtung wirklich hinbekommen bevor sie weiter gehen. Dann mache ich dafür bei anderen Aufgaben Abstriche oder gebe dann ein differenziertes Übungsblatt statt dem „Standard „. So schafft es dann auch jeder auf seinem Level den Buchstaben zu erarbeiten und kann dann auch immer den nächsten mit den anderen zusammen kennen lernen. Ich habe bisher nur ein Kind, das als I-Kind noch nicht den ersten Buchstaben sicher beherrscht. Trotzdem ist dieses Kind bei den Einführungen normal dabei, geht dann in der Erarbeitung aber einfach wieder an ihren eigenen Plan und ihre Buchstabenstationen. Ich hoffe, ich konnte dir so deine Frage beantworten. Ansonsten gerne weiter mitlesen! 😉

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      • 24. September 2017 um 21:33
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        Lieben Dank, das hilft mir wirklich weiter und stärkt mich in meiner Überzeugung, so weiter zu arbeiten.

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