Jahrgangsgemischtes Lernen in unserer Eingangsstufe – Teil 6.2: die Arbeit mit Wochenplänen

(Dieser Beitrag ist die Fortsetzung von letztem Sonntag “Teamwork mit meiner Kollegin”.)

Gewöhnlich starten wir unseren neuen Wochenplan am Dienstag, da wir den Montag gerne noch für Restarbeiten nutzen bzw. schon korrigierte Arbeiten zurück geben und nacharbeiten lassen können. Zu Beginn des neuen Wochenplans werden immer kurz die neuen Aufgaben oder das wichtige Thema der Woche besprochen. Wir achten darauf, dass in jedem Wochenplan immer nur einige wenige neue Aufgabentypen oder Themenschwerpunkte vorkommen, um die Kinder nicht zu sehr zu überfordern. D.h. der Anteil an bekannten Aufgabenformaten ist immer höher als der Anteil an neuen Aufgaben oder Materialien.

In unseren Wochenplänen sind die Pflichtaufgaben, also das Minimum der wichtigen Inhalte der Woche, rot gekennzeichnet. Diese Aufgaben sollen immer zuerst bearbeitet werden! Die übrigen Aufgaben, die also vertiefend oder weiterführend gestaltet sind, sind schwarz gedruckt. Haben die Kinder also diesen roten „Pflichtteil“ abgearbeitet, können sie zwischen den schwarzen Aufgaben beliebig hin und her springen. Diese Unterteilung in einen Pflicht- und einen „Kür“-teil kennen die meisten von euch sicherlich!

Grundsätzlich bekommen bei uns die Kinder immer zuerst den gleichen Plan. Zeigt sich dann im Laufe der Zeit, in welchen Bereichen das ein oder andere Kind Schwächen zeigt, differenzieren wir ganz individuell. Dies kann bedeuten, dass wir innerhalb der roten Pflichtaufgaben z.B. Dinge weglassen oder mit dem Kind besondere Absprachen treffen, wann es diese Aufgabe abgestempelt bekommt.

Es ist manchmal auch nötig, dass ein Kind einen abgeänderten oder ganz eigenen Wochenplan erhält, da es z.B. andere Arbeitshefte bekommen hat, die besser seinem Leistungsstand entsprechen. Dies bezieht sich auch auf unsere leistungsstarken Kinder! Sie bekommen auch entweder andere oder zusätzliche Aufgaben im Wochenplan oder es wird ein eigener Plan für sie zusammengestellt, wenn es nötig ist. Unsere I-Kinder erhalten von Anfang an ihren eigenen Wochenplan mit passenden Aufgaben, der aber an dem Wochenplan der anderen Kinder angelehnt ist.

Den Formen der Differenzierung und Individualisierung unserer Pläne sind da also kaum Grenzen gesetzt. Aber auch hier unterstützen wir uns gegenseitig mit Ideen, Materialien usw. Die Teamarbeit mit meiner Kollegin ist sehr intensiv und gerade am Anfang auch zeitaufwendig. Aber mittlerweile können wir schon die ersten Lorbeeren unserer Arbeit ernten und erfreuen uns nicht nur an unseren fleißigen Kindern, sondern auch an unserem eingespielten „Eingangsstufen-Muttis-Duo“! ;-)

Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann noch etwas über unsere Wochenhausaufgaben. Stellt aber gerne noch eure Fragen oder nennt eure Wünsche, auf welchen Punkt ich noch einmal eingehen soll! Auch finde ich es immer sehr interessant über eure Erfahrungen zu lesen und mehr über eure jahrgangsgemischten Klassen zu hören!


Wenn du die vorherigen Beiträge der Serie “Jahrgangsgemischtes Lernen” nochmal lesen möchtest, klicke bitte hier.

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Jahrgangsgemischtes Lernen: die Arbeit mit Wochenplänen

6 Gedanken zu „Jahrgangsgemischtes Lernen: die Arbeit mit Wochenplänen

  • 29. Oktober 2017 um 14:05
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    Hallo Frau Urbi!
    Bis vor 6 Monaten habe ich eine internationale Klasse geleitet und dort vor allem Wochenhausaufgaben erteilt. Differenzierung in unterschiedlichen Lerngruppen war hier sowieso gegeben, da ein reges Kommen und Gehen an der Tagesordnung war. Alle hatten gleichzeitig Mathe, aber in unterschiedlichen Klassenstufen und auf unterschiedlichem Niveau. Jetzt unterrichte ich eine Regelklasse und habe auch hier Wochenhausaufgaben eingeführt. In meiner jetzigen Klasse sind nur wenige leistungsstärkere Kinder und viele eher schwache. Ich versuche Aufgaben derzeit zeitlich oder durch Umfang den unterschiedlichen Leistungsständen anzupassen. An einen Wochenplan habe ich mich hier noch nicht herangetraut, da die Kinder sehr unselbstständig arbeiten und sich nur sehr langsam an die geforderten Selbstständigkeit gewöhnen. Viele Kinder arbeiten nicht, wenn ich nicht in direkter und greifbarer Nähe bin. Liebe Grüße, Uli

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    • 29. Oktober 2017 um 15:25
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      Hallo Uli,
      Ja, Selbstständigkeit ist eine Herausforderung für viele Kinder! Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass natürlich zu Beginn immer erst einmal schwer für die Kinder ist, ihre Arbeit allein in die Hand zu nehmen! Aber es ist eine Entwicklung, die alle Kinder in der Eingangsstufe in ihrem eigenen Tempo durchlaufen. Allerdings scheint es doch entscheidend zu sein, ob die Kinder von Anfang an gelernt haben selbstständig zu arbeiten oder nicht. So fällt es z.B. Kindern, die später zu uns wechseln erst mal recht schwer sich daran zu gewöhnen. Ich denke, es ist wichtig, dran zu bleiben und die Kinder immer wieder zu ermuntern und gleichzeitig Hilfen anzubieten, wie differenzierte Aufgaben, Vereinbarungen über Zeitlimits oder ruhige Arbeitsplätze usw. Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin viel Energie und Durchhaltevermögen für deine Arbeit und dass du dich irgendwann an die Wochenplanarbeit wagen kannst! 😉

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  • 29. Oktober 2017 um 20:09
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    Hallo Frau Urbi,
    ich habe eine 1.Klasse und habe auch schon mit dem Wochenplan angefangen. Den Kindern macht es Spaß. Bis jetzt habe ich auch immer den gleichen Plan, mit leichten Einschränkungen, gemacht. Nun möchte ich mehr differenzieren. Sind bei Ihnen die Erstklässler bei unterschiedlichen Buchstaben? Erarbeiten Sie die Buchstaben vorher gemeinsam?
    Einen schönen Sonntagabend wünscht Ihnen Sabine

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  • 30. Oktober 2017 um 17:15
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    Hallo Frau Urbi,

    wir haben in unserer ersten Klasse auch begonnen mit Wochenplänen zu arbeiten. Meine Kollegin und ich stehen vor der Herausforderung, dass wir die Kinder vorlesen lassen wollen, aber auch die erledigten Aufgaben kontrollieren wollen. Jedoch kommen wir nicht hinterher. Wie handhabt ihr die Kontrolle?
    Vielen Dank

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    • 30. Oktober 2017 um 20:53
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      Hallo Kevin,
      bei uns ist uns vorzulesen immer als eine Aufgabe im Wochenplan integriert. So haben wir jedes Kind mindestens einmal alleine zum Vorlesen bei uns. Ansonsten besteht die Möglichkeit, die Kinder in unserer Lesezeit uns vorlesen zu lassen. Dazu habe ich auch schon mal in einem meiner vorherigen Beiträge geschrieben. Was die Kontrolle der Aufgaben während der Wochenplanarbeit angeht, handhaben wir es meistens so, dass für das Abstempeln der Aufgaben im Wochenplan ein kurzes Drüberschauen ausreichend ist. Dann sammle ich die erledigten Aufgaben und Arbeitshefte und schaue dann immer den aktuellen Stapel nach. Die kontrollierten Sachen gibt es dann am Folgetag zur Überarbeitung von mir zurück. Das kann man täglich machen oder den Stapel auch ein bisschen größer werden lassen und etwas sammeln bevor ich korrigiere. Ich hoffe, ich konnte dir mit dieser Erklärung weiter helfen!😊

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  • 31. Oktober 2017 um 11:07
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    Wir arbeiten ganz ähnich, wie von dir beschrieben. Mir persönlich ist tägliches Durchsehen auch wichtig, weil es mir die Möglichkeit gibt ,die Kinder zeitnah zu mir zu holen, wenn ich sehe das etwas nicht verstanden wurde, bzw. die Kinder gleich am nächsten Tag sehen, wenn noch etwas fertig zu stellen ist. Ich schätze am Wochenplan tatsächlich auch sehr, dass man ihn als Kommunikationsmittel nutzen kann. Wenn eine Aufgabe noch beendet oder verbessert werden muss, notiere ich das auf dem Plan, ebenso wenn ich ein Kind deswegen nochmal sprechen möchte oder ich schreibe direkt ein Lob dazu, wenn ein Kind gut gearbeitet hat. Ganz am Anfang in Klasse 1 kommen die Kinder dann immer noch zu mir und fragen mich , was denn da steht und was sie machen sollen (was ja auch erwünscht ist…) aber es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie schnell die ersten dazu übergehen, in so einem Fall selbständig nochmal in ihr Material zu sehen und tatsächlich eigenständig korrigieren oder Dinge beenden.
    Im Unterricht selber komme ich nur sehr wenig zum Durchgucken, da gilt für mich ganz klar: Fragen haben Vorrang! Nur wenn gerade kein Kind etwas von mir will und alle ruhig arbeiten, gucke ich zwischendurch schonmal was durch. Dazu habe ich direkt neben meinem Arbeitsplatz ein Hängeregister stehen, in das die Kinder fertige Aufgaben ablegen können. Da kann ich mir dann immer mal was rausnehmen wenn die Zeit ist. Den größten Teil schaue ich aber erst nach dem Unterricht durch und räume das Material dananch wieder in die Ablagen der Kinder (kleiner Tipp hierzu: wenn sowohl Hängeregister als auch Ablagen der Kinder alphabetisch geordnet sind, geht das ratzfatz!)

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