Jahrgangsgemischtes Lernen in unserer Eingangsstufe – Teil 7.1: Hausaufgaben – aber wie?

Über das Thema Hausaufgaben kann man ja viel und auch kontrovers diskutieren (und dies soll nicht Thema dieses Artikels sein – diese Diskussion wurde bereits hier einmal angerissen), aber sie haben nun mal immer noch einen wichtigen Stellenwert im Schulalltag und spielen somit auch in unserer Eingangsstufe eine Rolle.

Wir haben im Bereich der Hausaufgaben in den letzten drei Jahren einige Entwicklungen vollzogen und auch immer wieder Dinge probiert und verworfen.

Viele von euch kennen sicherlich diese mühseligen Minuten im Schulalltag, in denen man mit frisch eingeschulten Kindern versucht, mithilfe einiger Symbole und erster Schreibversuche für Seitenzahlen die Hausaufgaben zu notieren bzw. abzumalen. Vielleicht mag sich ja mal jemand von euch die Mühe machen und einmal hochrechnen, wie viel Unterrichtszeit allein damit tagtäglich verstreicht!? Dazu kommen dann die Minuten, in denen ich sonst hektisch durch die Reihen geflitzt bin, um ja unter jeder Hausaufgabe einen Stempel zu setzen, während sich hinter meinem Rücken die Unruheherde aufbauen und es immer lauter wird.

Um es kurz zu machen, all das wollte ich nicht mehr! Also musste ein anderes System her, das diese „Zeitfresserei“ und auch für die Kinder nervige Phase im Schulalltag überflüssig machte. Auch viele von euch haben hier sicher schon andere Wege gefunden, wie z.B. Hausaufgabenkarten oder einfach die Aufgaben am Seitenrand mit einem kleinen Haus zu markieren usw..

Mit meiner Starterklasse begann ich dann aber damit, einen Plan mit den Hausaufgaben für die ganze Woche zu schreiben. Der wurde dann nur noch als Kopie ins A5-Hausaufgabenheft eingeklebt, besprochen und es musste nur noch jeden Tag die Tasche entsprechend für diese Aufgaben gepackt werden. Das tägliche Kontrollieren der Hausaufgaben behielt ich zunächst bei. Der tägliche „Wir malen jetzt mal die Hausaufgaben ins Heft“-Marathon fiel damit erst mal weg und war schon eine kleine Erleichterung. Dieses System führte ich dann auch erst einmal im zweiten Jahr mit meiner Kollegin in der zweiten Eingangsstufenklasse weiter.

Wir probierten dann eine Zeit lang, die Hausaufgaben individueller zu gestalten, indem die Kinder sich ihre Aufgaben selbst aus dem Wochenplan suchen konnten und somit dann wieder selbst ins Hausaufgabenheft schreiben mussten. Allerdings testeten wir dies auch nur an unseren Großen, den gelben Kindern, denen das Notieren der Aufgaben schon wesentlich leichter fiel.

Doch ein Problem tauchte bei dieser Hausaufgaben-Praxis immer wieder auf. Die Kinder vergaßen immer wieder ihre Arbeitsmaterialien entweder in der Schule oder zu Hause! Wer kennt das von euch nicht?! Natürlich betraf dieses Problem auch immer wieder die gleichen Kandidaten, aber es war natürlich immer ärgerlich, weil Kinder dann an ihren Aufgaben in der Schule bzw. zu Hause nicht weiter arbeiten konnten.

Da wir an unserer Schule darauf achten, dass die Kinder nicht so schwere Taschen durch die Gegend tragen müssen, kam es auch nicht infrage, einfach immer alle Materialien in der Schultasche zu lassen.

Ein anderes unangenehmes Thema beschäftigte uns auch bei einigen Kindern, nämlich ihre überehrgeizigen Eltern! Sobald die Eltern die Arbeitshefte zu Hause hatten, wurde plötzlich vorgearbeitet und überall verbessert und bis zur Perfektion radiert und z.T. auch von Mama selbst geschrieben. Ich spreche hier nicht von den Eltern, die ihr Kind bei den Hausaufgaben betreuen und dann hier und da mal eine Zahl oder ein Wort neu schreiben lassen von ihrem Kind. Damit kann ich gut leben! Aber wir hatten leider bei einigen (wenigen!) Eltern das Problem, dass sie der Meinung waren, wenn sie mit ihrem Kind zu Hause alles im Arbeitsheft bearbeiten, merken wir das natürlich nicht!

Grundsätzlich kann ich aber sagen, funktionierte dieser Plan für Hausaufgaben, entweder von uns gestellt oder von den Kindern selbst gewählt, recht gut! Dennoch wollten wir das Thema Hausaufgaben noch weiter entwickeln und die Abläufe noch mehr vereinfachen und uns und den Kindern im Schulalltag noch mehr Unterrichtszeit einsparen.

Deshalb entwickelten wir unseren Plan für die Hausaufgaben weiter und gestalteten, inspiriert von Beiträgen im Lernstübchen und auch beim Zaubereinmaleins, unseren Plan für die Wochenhausaufgaben. Dazu komme ich aber beim nächsten Mal!

Ich entschuldige mich bei euch dafür, dass ich immer so weit aushole in meinen Erzählungen, aber es ist mir wichtig, dass ihr auch die Entwicklung als Ganzes nachzuvollziehen könnt und so deutlich wird, warum wir uns für bestimmte Dinge entschieden haben und für welche nicht! Insofern hoffe ich, ihr mögt beim nächsten Mal weiterlesen! :-)


Wenn du die vorherigen Beiträge der Serie “Jahrgangsgemischtes Lernen” nochmal lesen möchtest, klicke bitte hier.

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Zum Thema Hausaufgaben gibt es auf BuntesKlassenzimmer.de noch einige weitere Beiträge:

Jahrgangsgemischtes Lernen: Hausaufgaben – aber wie?

2 Gedanken zu „Jahrgangsgemischtes Lernen: Hausaufgaben – aber wie?

  • 5. November 2017 um 17:56
    Permalink

    Hallo! Vielen Dank für die sehr interessanten und sicher zeitintensiven Beiträge. Ich freue mich über weitreichende Erklärungen, da ich voraussichtlich nächstes Jahr Staatsexamen mache und mir noch nicht wirklich vorstellen kann, wie ich solche Sachen wie individuelle Hausaufgaben-Pläne usw. – was im Studium in der Theorie gepredigt wird – irgendwann mal umsetzen soll. Daher lese ich auf jeden Fall beim nächsten Mal weiter! :-)

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    • 5. November 2017 um 19:50
      Permalink

      Liebe Aline, dass freut mich ausserordentlich zu hören! Ich finde es schön, wenn ich ein wenig das echte Schulleben näher bringen kann durch meine Beiträge. Ich erinnere mich daran, dass ich auch im Studium ungeduldig dem wahren Lehrerleben entgegen gefiebert habe. Aber gleichzeitig gab es sooo viele Fragezeichen in meinem Kopf…. Aber laaaang ist es her! 😉 Ich freue mich, dass du mit weiter liest und Danke für den netten Kommentar!

      Antworten

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