Ich habe nun in den vergangenen Beiträgen zu verschiedenen Aspekten unserer Arbeit in der Eingangsstufe berichtet und habe euch auch an der Entwicklung hin zu unserem Unterrichtssystem teilhaben lassen. Danke an dieser Stelle an alle, die mitgelesen haben und nette und interessante Kommentare hinterlassen haben. Diese Form des Austausches mit anderen Kollegen empfinde ich als sehr bereichernd und hat mir sehr viel Freude gemacht!

Wenn ich auf die Entwicklung unserer Eingangsstufe in den letzten drei Jahren zurückblicke, kann ich nur sagen, es war die Mühe und Arbeit auf jeden Fall wert! Ich habe es in meinem ersten Beitrag „Aufbruch ins Abenteuer“ genannt und genauso war es auch bzw. ist es immer noch – ein Abenteuer. Denn wer sich in Schule einmal von den herkömmlichen Wegen des traditionellen Unterrichtens weg wagt, begibt sich wirklich auf neues Terrain. Es verunsichert zunächst und es kommen viele Zweifel und Ängste auf, weil man sich unsicher ist, ob der neu eingeschlagene Weg der richtige ist. Dazu kommen die Stimmen von außen: Kollegen, die hinter deinem Rücken mit dem Kopf schütteln, Vorgesetzte und „Schlipsträger“ aus Gemeinde oder Stadt, die deinen Enthusiasmus für dein Projekt nur müde belächeln und nicht zuletzt die verunsicherten Eltern, für die eine neue Pädagogik oft dem Untergang des Abendlandes gleichkommt. Wer bleibt sind die Kinder und die stehen von Anfang an an deiner Seite und begeben sich mit dir mit Anlauf ins Abenteuer! ;-)

Trotz der Tatsache, dass ich bereits an meiner alten Schule in einer Eingangsstufe gearbeitet hatte, ist das Entwickeln und Aufbauen einer eigenen Eingangsstufe doch noch etwas anderes. Alle von euch, die schon einmal so intensiv an einer Umstrukturierung und Entwicklung in Schule mitgearbeitet haben, haben sicherlich auch schon dieses Gefühl erlebt, dass dieses Projekt zum eigenen „Baby“ wird. Zusammen mit meiner Kollegin haben wir viel Arbeit und Zeit investiert und uns so manchen Nachmittag die Köpfe heiß geredet. Aber ich kann nur sagen, es war die Mühe wert. Denn ich bzw. wir sind mit unserer Arbeit und wie unsere Eingangsstufe jetzt läuft sehr zufrieden. Natürlich werden wir uns jetzt nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern immer wieder einzelne Aspekte wie z.B. Hausaufgaben, Aufbau der Wochenpläne usw. beleuchten und kritisch hinterfragen und weiter entwickeln. Aber jetzt im Moment genießen wir, dass es läuft. Die Kinder sind glücklich und lernen fleißig, die Eltern sind dankbar für die Transparenz, die wir bieten und konnten so ihre Sorgen abbauen und wir werden als Team immer routinierter. Haben wir noch in unserem ersten Jahr für die Planung der Wochenpläne und Hausaufgaben mehrere Stunden an einem Nachmittag gebraucht, so sind wir nun meistens in einer Stunde mit unserer Planung für die Woche fertig. Auch können wir auf unsere Materialien und Arbeitsblätter usw. aus dem Jahr zuvor zurückgreifen und müssen nicht immer wieder auf die Suche gehen. Dies macht es alles nun ein wenig einfacher.

Alle von euch, die vielleicht in ihrer Schule in der Planung oder Überlegung für eine Eingangsstufe sind oder auch einer anderen Form des jahrgangsgemischten Lernens, kann ich nur ermutigen, diesen Weg einzuschlagen! Ist es arbeitsaufwendig und zeitraubend in der Planungsphase? Ja! Verunsichert es auch und bringt das eigene Bild von Lehrerpersönlichkeit und Unterricht ins Wanken? Ja! Muss man viele nicht nur kritische Fragen und Bedenken beantworten und verdauen? Ja! Bietet es die Chance mit Kindern sich ganz individuell ihrem Lernfortschritt zu widmen? Ja! Verändert es den Blick auf die Kinder und ermöglicht es ihnen besser ihre Stärken zu zeigen und an ihren Schwächen zu arbeiten, weil sie nicht mehr an ein „im Gleichschritt marsch“ gebunden sind? Ja! Verändert es einen selbst als Lehrer/in, weil man nicht mehr der „Vortänzer“ vor der Tafel ist, sondern mehr zum Begleiter und Berater wird? Ja!

Diese Liste könnte ich jetzt noch beliebig weiter führen! Für uns überwiegen bisher eindeutig die Vorteile und ich persönlich würde nicht mehr anders unterrichten wollen. Ich bin sehr froh und dankbar über diese Entwicklung an meiner Schule und bin auch meiner Kollegin / Schulleiterin für ihre bedingungslose Unterstützung dankbar!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig den Bereich des Jahrgangsgemischten Lernens näher bringen und einige Fragen beantworten und vielleicht auch Vorurteile und Ängste nehmen.

Bleibt nur noch euch eine schöne Weihnachtszeit zu wünschen und einen schönen Start ins neue Jahr!


Wenn du die vorherigen Beiträge der Serie “Jahrgangsgemischtes Lernen” nochmal lesen möchtest, klicke bitte hier.

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Jahrgangsgemischtes Lernen: Rückblick und Ausblick

2 Gedanken zu „Jahrgangsgemischtes Lernen: Rückblick und Ausblick

  • 17. Dezember 2017 um 10:24
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    Danke für diesen Beitrag! Ich habe an meiner vorherigen Schule auch so arbeiten dürfen beim Aufbau einer Flexi 1/2 und kann mich, bzw. uns damals voll wiederfinden können in den Beschreibungen!!!

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    • 17. Dezember 2017 um 13:45
      Permalink

      Danke für deinen Kommentar! Wie war die Umstellung wieder zurück zum jahrgangsgleichen Unterricht für dich? Vielleicht magst du dazu ja mal berichten? Würde mich interessieren!😊

      Antworten

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