In einem früheren Post habe ich beschrieben, wie ich mit der Klasse oder einer Kleingruppe gemeinsam einen neuen Buchstaben einführe. Das könnt ihr hier nochmal nachlesen. Im Anschluss daran schicke ich die Kinder in eine Einzel- oder auch Partnerarbeitsphase, in der sie sich mit mit dem neuen Buchstaben weiter auseinandersetzen.

Dazu habe ich zu Beginn des 1. Schuljahres einen Buchstabenweg gebastelt. Leider habe ich kein Bild davon. Auf ca. 3-4 grüne Plakate hatte ich einen geschwungenen Weg aus braunem Karton geklebt. Auf diesen geschwungenen Weg habe ich Bilder von den einzelnen Möglichkeiten, mit Buchstaben zu arbeiten, geklebt. Somit hatten die Kinder stets eine Visualisierung aller Stationen. Ich habe mich bewusst gegen einen Plan für jedes Kind, auf dem es die einzelnen Stationen abhakt, entschieden.

Nach der gemeinsamen Begegnung mit dem neuen Buchstaben, bei der wir den Buchstaben schon ausführlich gehört und gesprochen haben, geht es in der Einzelarbeit hauptsächlich um das Kennenlernen der Form, also der Schreibweise, des Buchstabens. Folgende Stationen hat der Buchstabenweg:

  • den Buchstaben groß und klein an die Tafel schreiben;
  • den Buchstaben mit Pfeiffenputzern formen;
  • den Buchstaben mit Gummis auf dem Geobrett formen;
  • den Buchstaben frei auf einem leeren Blatt in allen Größen schreiben;
  • aus der Zeitung Wörter ausschneiden, die mit dem Buchstaben beginnen, und aufkleben;
  • ein Malblatt bearbeiten, auf dem Dinge klein abgebildet sind, die mit dem Buchstaben beginnen;
  • den Buchstaben im Sand spuren;
  • den Buchstaben unter den Fühlbuchstaben raussuchen und nachspuren;
  • und schließlich: die entsprechenden Seiten im Schreiblehrgang bearbeiten.

Die Seiten im Schreiblehrgang muss jedes Kind bearbeiten – entweder in der Schule oder dann zu Hause. Wir nutzen hierfür den Schreiblehrgang vom ABC der Tiere, Mildenberger Verlag. Mit diesem bin ich auch sehr zufrieden. Von den anderen Stationen dürfen sich die Kinder die aussuchen, die ihnen Spaß machen und die sie eben in der gegebenen Zeit schaffen.

Weitere Möglichkeiten für den Buchstabenweg sind z.B.:

  • den Buchstaben mit Klebeband auf dem Boden aufkleben;
  • mit einem Springseil auf dem Boden auslegen;
  • am Computer mit einer Software arbeiten;
  • aus einer Bilderkartei Bilder raussuchen, die mit dem Buchstaben beginnen;
  • aus den gefundenen Bildern eine Geschichte erfinden;
  • den Buchstaben aus Knete formen.

Habt ihr noch andere Ideen?

Es ist mir sehr wichtig, dass sich die Kinder handlungsorientiert und vielfältig mit dem neuen Buchstaben auseinandersetzen. Diese ausführliche Arbeit mit dem Buchstabenweg kostet natürlich viel Zeit. Deshalb führe ich sie vorwiegend im ersten Halbjahr der ersten Klasse durch. Danach kennen die Kinder bereits viele Buchstaben und ich ziehe das Tempo an.

 

 

Klasse 1: der Buchstabenweg

15 Gedanken zu „Klasse 1: der Buchstabenweg

  • 11. August 2015 um 9:22
    Permalink

    Deine Ideen sind Klasse! Ein paar habe ich mir gerade rausgeschrieben. Danke!

    Hier noch ein paar Anregungen:

    Eine Fläche mit Rasierschaum beschmieren und dort den Buchstaben üben
    den Buchstaben prickeln
    Buchstaben aus Bügelperlen herstellen
    Fühlsäckchen mit Dingen, die mit dem Buchstaben beginnen oder es im Wort haben (eu: Eule, Keule, Kreuz..)
    Silbenkärtchen
    Memory: Bild-Wort
    Eine Bild Wort Kiste zurechtlegen, in der Gegenstände mit dem Buchstaben sind und die Schüler sortieren das Wort zum Bild
    Buchstaben legen mit Wiki stixx
    Buchstaben mit Muggelsteinen, Autos, Euros, Steinen Federn etc legen (je nachdem, was zum Buchstaben passt)
    Was ich neu probieren werde: längliche Legosteine (eine Reihe) in Knete drücken und dort den Buchstaben sozusagen einprägen
    Auf einer Glasfläche mit Fingerfarben den Buchstaben üben
    Lesedominos
    Laut lokalisieren (entweder ein Arbeitsblatt oder Bilder in verschiedene Boxen legen (vorne/mitte/hinten)
    Bilder, wo die Schüler die Buchstaben suchen müssen und anmalen und dadurch der Buchstabe entsteht
    Buchstaben-Fühlkärtchen (Fühlkärtchen mit verschiedenen Oberflächen herstellen und die Schüler fühlen lassen und eventuell eins selber herstellen)

    Vielleicht hat jemand ja auch noch so tolle Ideen? Dann erweitert sich meine Sammlung :)

    Liebe Grüße
    und DANKE für den tollen Blog :)

    Eka

    Antworten
    • 12. August 2015 um 8:07
      Permalink

      Wow, noch so viele tolle Ideen! Super, somit ist die Sammlung noch erweitert :)

      Antworten
  • 11. August 2015 um 9:32
    Permalink

    Der Buchstabenweg ist eine tolle Idee. Dass man ihn von links nach rechts abarbeiten soll, übt auch nochmal die Lese- und Schreibrichtung.
    Wir haben die Buchstaben dazu noch geprickelt und hatten dazu Prickelnadeln mir einem langen Stiel (ähnlich einer Häkelnadel) – das trainiert zusätzlich die Stifthaltung.
    Ich verfolge deine Seite immer gern, und im neuen Layout erst recht. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung des Klassenrats!

    Antworten
  • 11. August 2015 um 15:58
    Permalink

    Deine Ideen sind super – vielen Dank!
    Ich habe mit meiner letzten Klasse die Buchstaben mit Kreide auf den Schulhof gemalt und dann musste die Kinder den Buchstaben (in Schreibrichtung) abhüpfen, mal auf einem Bein, mal mit geschlossenen Beinen, mal im Froschsprung usw. Das hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht.

    Antworten
    • 12. August 2015 um 8:08
      Permalink

      Hallo Lara, das ist ja eine tolle Idee! Kann mir gut vorstellen, wieviel Spaß das den Kindern macht. Werde ich auch mal ausprobieren!

      Antworten
  • 11. August 2015 um 21:08
    Permalink

    Hallo,
    tolle Zusammenfassung und unheimlich beruhigend hilfreich!
    Ich würde gerne noch wissen, ob die Kinder den/ihren Weg durch den Buchstabenweg frei bestimmen oder ob alle den Weg in der gleichen Richtung abgehen? Wie halten sie es sonst fest?
    Was machen die Kinder, die damit dann fertig sind?

    Liebe Grüße
    Patricia

    Antworten
    • 12. August 2015 um 8:11
      Permalink

      Hallo Patricia, die Kinder dürfen ihren Weg frei bestimmen. Da es so viele Möglichkeiten gibt und ich dafür nie zu viel Zeit lasse (vielleicht 15-20 Minuten nach einer Einführung), gibt es eigentlich nicht den Fall, dass jemand früher fertig ist. Vielmehr gilt es, sich aus dem Angebot was auszuwählen und sich damit ausführlich zu beschäftigen. Das einzige, was ich überwache, ist, dass die Kinder sich möglichst abwechslungsreiches Material aussuchen, d.h. wenn ich merke, dass ein Kind nur ein Material in der Zeit bearbeitet oder immer das gleiche Material wählt, biete ich ihm mal etwas anderes an.

      Antworten
  • 12. August 2015 um 17:11
    Permalink

    Vielen dank für die Tollen Anregungen. Ich habe nächstes Jahr das erste mal eine erste Klasse. Habe Mathematik studiert daher helfen mir deine Tipps sehr.
    Ich hätte noch eine Frage. Wie lange behandelst du einen Buchstaben bis du zum nächsten über gehst. Und fängst du gleich in der ersten Woche mit dem ersten Buchstaben an?

    Antworten
    • 12. August 2015 um 17:36
      Permalink

      Liebe Lara, mehr oder weniger 1 Woche pro Buchstabe… Im 2. Halbjahr geht es etwas schneller. Man übt ja dann auch immer mehr Buchstaben in Kombination. Und ja, ich beginne schon am 2. Tag mit dem ersten Buchstaben ;) die Kids wollen schreiben lernen und freuen sich

      Antworten
  • 7. Oktober 2015 um 18:55
    Permalink

    hallo =) Danke für die tolle Idee. das ist eine große inspiration für jemanden, der zum ersten mal eine erste klasse hat. hast du eventuell Bilder von dem Buchstabenweg und den Visualisierungen, damit man sich das besser vorstellen kann? Das wäre ganz toll!
    Vielen dank nochmal und viele grüße

    Antworten
  • 4. November 2015 um 18:03
    Permalink

    Hallo :)
    Ich hätte auch noch eine Frage zu dem Buchstabenweg:
    Wie machst du das, dass nicht alle Kinder bei derselben Übung sind? Beim Sand spuren beispielsweise, hast du ja wahrscheinlich nicht für jedes Kind einen Behälter mit Sand oder?
    Liebe Grüße und danke für die zahlreichen Tipps

    Antworten
    • 9. Juli 2016 um 17:15
      Permalink

      Hallo! :)

      Wie meine beiden Vorgänger würde auch mich seeehr interessieren, wie der Buchstabenweg genau aussieht und wie du es organisierst, dass die Kinder sich an den einzelne Stationen (selbstständig?) gleichmäßig verteilen? Nutzt du so etwas wie ein Fahrscheinsystem und notierst dir, wann welches Kind an welcher Station gearbeitet hat?

      Nutzt du für die Einführung eine Doppel- oder eine Einzelstunde? Denn ich denke, bei dem zahlreichen Angebot schaffen es die (leistungsschwächeren) Erstis kaum, die Seiten im Schreiblehrgang zu beenden oder gar anzufangen..

      Würde mich riesig über eine Antwort und ein Bild vom Buchstabenweg freuen! ;)

      Liebe Grüße und ein großes Dankeschön für deinen hilfreichen Blog! :) Bin Referendarin und schaue sehr gerne hier vorbei! :)

      Antworten
      • 12. Juli 2016 um 21:08
        Permalink

        Liebe Christin,
        schön, dass du hier Ideen findest :)
        also natürlich gibt es an der ein oder anderen Station einmal “Stau” oder zuviel Andrang. In dem Fall schicke ich einfach manche Kinder an andere Stationen. Ganz unkompliziert ;-) Es kann eben nicht jeder alles gleichzeitig machen. Ich habe kein Fahrscheinsystem oder ähnliches. Die Kinder dürfen völlig frei entscheiden, was sie gerne machen möchten. Wenn ich sehe, dass ein Kind bei jedem Buchstaben das gleiche macht, schlage ich ihm schon mal vor, etwas anderes auszuprobieren. Natürlich müssen die Kinder nicht alle Stationen durchlaufen! Geeignet ist eine Doppelstunde für die gemeinsame Einführung + Arbeit am Buchstabenweg. Notfalls kann dies aber auch getrennt werden. An Folgetagen lasse ich die Kinder auch immer mal wieder 15 Minuten am Buchstabenweg arbeiten. Die Seiten im Schreiblehrgang werden dann auch zum Teil in geordneten Einzelarbeitsphasen bearbeitet oder als Hausaufgabe aufgegeben. Liebe Grüße

        Antworten
  • 2. Oktober 2016 um 17:24
    Permalink

    Hallo :)

    Ich arbeite dieses Jahr auch das erste Mal mit einem “Buchstabenweg”.
    DIe Kids haben ja alle ein unterschiedliches Tempo. Wie handhabst du das mit den Hausaufgaben?
    Bekommt jeder die gleiche oder unterschiedliche?

    Liebe Grüße,
    Sandra

    Antworten

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