Die kleinen Knirpse in Klasse 1 haben im ersten Halbjahr sehr viel zu tun: alles ist neu für sie. Schule, Lehrer, Unterricht, still sitzen, neue Regeln, Mitschüler, Anforderungen, Lerninhalte, Techniken und vieles mehr…

Was uns Erwachsenen wie selbstverständlich von der Hand geht, erfordert bei den Erstklässlern eine unglaublich hohe Konzentration: das Schreiben. Beim Schreibenlernen müssen die Kinder die Stifthaltung beachten, das Einhalten der vorgegebenen Linien, die Form und Schreibrichtung der Buchstaben. Das fällt vielen zu Beginn noch schwer und sie verkrampfen sich dabei, weil sie ihre ganze Konzentration und Kraft auf das Ausführen eines Buchstabens lenken.

Mir war das so gar nicht bewusst, als ich zum ersten Mal eine erste Klasse unterrichtete. Deshalb habe ich auch einige Fehler gemacht, die mir erst im Laufe der Jahre so richtig bewusst wurden (ich durfte die Klasse alle vier Grundschuljahre begleiten). Ich gebe diese Fehler gerne offen zu, um damit vielleicht auch zu verhindern, dass sie anderen passieren:

  • Bei einigen wenigen Schülern ist mir beim Schreibenlernen nicht aufgefallen, dass sie bestimmte Buchstaben ganz komisch schrieben, also die vorgegebene Schreibrichtung nicht einhielten, sondern eine eigene kreirten, die dazu führte, dass der Buchstabe nicht ganz eindeutig identifizierbar war.
  • Ich hatte zu wenig auf die Stifthaltung geachtet, sodass das ein oder andere Kind sich eine falsche Stifthaltung angewöhnt hatte und manche Kinder sich beim Schreiben so stark verkrampften, dass sie den Stift zwangsläufig anders halten “mussten” – Resultat war in einigen Fällen eine deutlich unsauberere Handschrift.

Natürlich habe ich in den Folgejahren andauernd versucht, das Beschriebene besagten Kindern abzugewöhnen, leider nur mit mäßigem Erfolg. Heute weiß ich, dass ich nicht nur die Ergebnisse (Hefte etc.) hätte stärker kontrollieren sollen, sondern auch die Kinder viel intensiver beim Schreiben hätte beobachten müssen. Dann hätte ich bei den einzelnen Buchstaben direkt eingreifen können und somit verhindern können, dass sich die Gewohnheit überhaupt einschleicht.

Das Ganze war jetzt nicht direkt dramatisch – von meinen rund 20 Schülern haben 2 wegen falscher Stifthaltung eine deutlich unsauberere Handschrift entwickelt als die anderen und 1 Schüler hat bestimmte Buchstaben anders geschrieben. Dennnoch spukte mir das im Laufe der Jahre immer wieder im Kopf rum, weil es eben auch Thema in Elterngesprächen war und wir immer wieder gemeinsam versuchten, das Ganze noch positiv zu beeinflussen.

Man muss es auch mal so sehen: jeder macht Fehler, besonders am Anfang, und das wichtigste ist, dass man sich derer bewusst wird, damit man sie beim nächsten Mal vermeiden kann. Mich würde heute interessieren, welche Fehler ihr im Anfangsunterricht gemacht habt? Bitte teilt sie mit uns! Damit helft ihr anderen neuen Kolleginnen und Kollegen, sich dieser Dinge bewusst zu werden.

Eure Diana


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Klasse 1: Schreiben lernen – was ich falsch machte

6 Gedanken zu „Klasse 1: Schreiben lernen – was ich falsch machte

  • 26. Oktober 2017 um 17:02
    Permalink

    Was mich interessieren würde: hattest du seitdem wieder eine erste Klasse und hast dann geschafft, es besser umzusetzen? Mir geht es nämlich so, dass genau das ein Punkt ist, den ich bei meinem ersten Durchlauf auch so gut wie gar nicht im Blick hatte. Seitdem nehme ich mir jedes Mal wieder vor, das genauer zu kontrollieren (und auch die Linkshänder von Anfang an besser anzuleiten!) und grundsätzlich habe ich das heute auch besser im Blick als zum Anfang ABER ich habe immer noch das Problem, dass es nicht ausreicht. Um da wirklich dran zu bleiben, müsste man viel mehr Zeit für jedes einezlen Kind haben, was je nach Klassenzusammensetzung oft nicht in dem Maße möglich ist, wie es nötig wäre . Gerade die Stifthaltung zu korrigieren finde ich schwiérig, weil sie sich die häufig schon angewöhnt haben, bevor sie zu uns kommen. Wenn überhaupt klappt das meiner Erfahrung nur wenn auch zu Hause darauf geachtet wird, wobei in Zeiten des Ganztagsangebotes auch die Eltern ja nicht mehr viel Gelgenheit haben beim Schreiben neben ihrem Kind zu sitzen.
    Ein Fehler den ich am Anfang gemacht habe, war mich zu sehr auf das Lehrwerk zu verlassen (und auf das was ich im Studium gelertn hatte…) und kaum gezielte Leseübungen zu machen. Im Studium war noch Lesen durch Schreiben angesagt und auch das erste Lehrwerk (Tinto), das ich nutzen durfte, verließ sich darauf, dass die Kinder nur genug schreiben müssen und dann quasi “von selbst” lesen lernen. In der Praxis habe ich dann bald gemerkt, dass das bei vielen Kindern nicht reicht und habe dann von Jahr zu Jahr mehr Lesen geübt udn entsprechendes Material angeboten. Dabei habe ich immer mehr die Silbenarbeit schätzen gelernt.
    Aber bei allen Fehlern, die man so macht, erscheint es mir das wichtigste diese selbst immer wieder zu bemerken und sich von da ausgehend weiter zu entwickeln!

    Antworten
    • 27. Oktober 2017 um 7:40
      Permalink

      Danke für den Tipp! Das werde ich gleich mehr berücksichtigen und entsprechendes Material zusammenstellen.

      Antworten
  • 26. Oktober 2017 um 20:06
    Permalink

    Liebe Diana,

    nach über 30 Jahren im Lehrerdasein ziehe ich mir den Schuh, für eine falsche Stifthaltung verantwortlich zu sein, nicht mehr an.
    Bereits beim Screening kommen die Kinder mit besonderer Stifthaltung, festem oder laschen Druck auf die Stifte und vielem mehr zu uns.
    Ich habe nur wenige Kinder erlebt, die sich hier etwas abgewöhnen ließen, das ihrer Meinung nach für sie passend war. Schreiben haben sie alle gelernt, lesen konnte man es mehr oder weniger, manchmal half schon eine Zeitzugabe und alles lief enspannter.

    Also, mach dir da keinen Kopf dazu: Es sind kleine Individuen, die entsprechend ihrer “Persönlichkeit” mit sechs Jahren schon ihren eigenen Stil entwickeln. Hier nun eben bei der Handschrift.

    Lg
    Andrea

    Antworten
    • 28. Oktober 2017 um 6:58
      Permalink

      Liebe Andrea, ich bin da ganz deiner Meinung!
      Ich habe im Moment auch eine 1. Klasse, und obwohl ich beim Schreiben immer wieder herumgehe und den Kindern individuell erkläre, wie sie den Stift halten oder den Buchstaben richtig schreiben sollen, sind einige doch sehr beratungsresistent. Tatsache ist, dass die Kinder bereits 3 Jahre im Kindergarten und zu Hause gemalt haben und eventuell auch erste Buchstaben abgemalt haben. Das ist fast so lang, wie ich in der Volksschule Zeit habe, ihnen die falsche Schreibweise bzw. Stifthaltung wieder abzugewöhnen. Ich werde es weiterhin probieren und korrigieren, aber in meinen 20 Jahren als Lehrerin habe ich gelernt, dass manche wohl in den Sekundarbereich wechseln werden, ohne die korrekte Schreibweise anzuwenden. Ich sehe das relativ entspannt, zumal in den meisten Fällen die Buchstaben durchaus lesbar sind. Die Kinder sind ja auch keine Computer, die jedes A oder E immer 100% gleich produzieren…
      Liebe Grüße aus Wien!

      Antworten
  • 28. Oktober 2017 um 15:49
    Permalink

    Ui, da hat die Überschrift mehr versprochen, als der Inhalt dann hergab ;)

    Antworten
    • 28. Oktober 2017 um 16:33
      Permalink

      Das tut mir leid ;) ich war eben im Großen und Ganzen mit meiner Arbeit in Klasse 1 sehr zufrieden ;) nur die genannten Dinge gingen mir immer wieder nach.

      Antworten

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