An unserer Schule sind differenzierte Arbeiten im Schulprogramm verankert: so auch im Fach Mathematik. Da wir erst ab Klasse 3 Noten vergeben, schreiben wir auch erst „richtige“ Mathearbeiten ab dem dritten Schuljahr. Im Fach Mathematik haben wir uns für das Spaltenmodell entschieden. Es gibt also eine leichte und eine schwere Spalte. Es wird differenziert nach Komplexität der Aufgabe oder nach Umfang.

Die linke Spalte ist immer mit 2/3 der Punkte der rechten Spalte bepunktet. Die Kinder können sich bei jeder Aufgabe neu entscheiden, ob sie die leichte oder die schwere Aufgabe bearbeitet wollen (d.h. sie können Aufgabe 1 links lösen, Aufgabe 2 rechts und immer so weiter). Um diese Konzeption an die Arbeitspläne anzupassen, versuche ich Aufgaben auf dem Grundniveau (1 Stern) so anzubieten, dass die Kinder eine 4 minus erreichen können. Die linke Spalte wird dann aufgefüllt mit Aufgaben des mittleren Niveaus (2 Sterne). Die rechte Spalte hat mehr Aufgaben (mindestens 2 Sterne- Niveau) oder aber schwerere Aufgaben (also 3 Sterne- Niveau).

Wer in der linken Spalte alle Aufgaben richtig löst, hat demnach 2/3 der vollen Punktzahl und damit eine 3 minus. Nur wenn auch Aufgaben der rechten Spalte gelöst worden sind, können die Kinder eine 2 oder sogar 1 erhalten. Die weiteren Notengrenzen ergeben sich dann wie gewohnt.

Hier mal ein Beispiel:

Diese Form der Lernzielkontrolle haben wir zu Beginn des dritten Schuljahres geübt: die Kinder haben Übungsarbeiten bearbeitet und ich habe mit ihnen immer wieder besprochen, wie sie sich durch die Lernzielkontrolle durcharbeiten können. Hier war es wichtig, dass wir den Bezug zum Arbeitsplan hergestellt haben. Wir haben herausgearbeitet, dass ich, wenn ich nur 1-Stern-Aufgaben des Arbeitsplans bearbeitet habe, nicht nur die Aufgaben der rechten Spalte bearbeiten sollte (und umgekehrt natürlich auch nicht).

Das war für die Kinder wichtig, da sie natürlich alle gerne die 1 schreiben wollten. Denn wenn ich rechts zu viele Fehler einbaue, habe ich auch nur eine 4 oder gar 5. Wir haben auch das hin- und herspringen zwischen den Spalten geübt und besprochen, was erlaubt ist und was nicht. Nicht erlaubt ist es bei Aufgabe 1 zunächst die Aufgabe a) in der linken Spalte zu lösen, dann in der rechten Spalte Aufgabe 1 b).

Wer früh fertig ist und abgeben will, den schicke ich immer zurück: erstens kontrolliere dich selbst und zweitens versuche die Aufgaben der rechten Spalte zu bearbeiten. Im dritten Schuljahr habe ich den Kindern erlaubt beide Aufgaben zu lösen (linke und rechte Spalte), ich korrigiere beide Aufgaben und werte die Aufgabe, bei der das Kind mehr Punkte erreicht hat. Es ist wichtig, den Kindern aber auch den Eltern zu verdeutlichen, dass nur eine Aufgabe gewertet werden kann. Im vierten Schuljahr habe ich das den Kindern abgewöhnt: sie sollten vor der Abgabe entscheiden, welche Aufgabe ich bewerten soll (und die andere durchstreichen).

Für die Auswertung der Lernzielkontrolle lege ich mir immer eine Tabelle an, in die ich die Ergebnisse der Kinder einfüge. So habe ich einen guten Überblick über die Kompetenzen der Kinder, insbesondere dann, wenn es an die Zeugnisse geht.

Und der zweite Teil:

 

Welche Formen der Mathearbeiten verwendet ihr an euren Schulen? Falls ihr differenzierte Lernkontrollen durchführt, wie kommt ihr mit der Arbeit mit diesen zurecht?

Beim nächsten Mal möchte ich euch einen Einblick in die Gestaltung meines Klassenraumes geben. Was würde euch dazu interessieren? Oder habt ihr noch andere Fragen, auf die ich eingehen soll?

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Mathe: differenzierte Lernzielkontrollen

11 Gedanken zu „Mathe: differenzierte Lernzielkontrollen

  • 18. Juni 2017 um 9:38
    Permalink

    Diese differenzierten Lernkontrollen finde ich sehr beeindruckend! Dieses Spaltenmodell war mir bisher unbekannt, werde ich mir aber merken. Wieviel Zeit brauchst du ungefähr, um eine solche Kontrolle zu erstellen? Und sind die Aufgaben 1:1 aus den Arbeitsplänen entnommen oder sind es ähnliche Aufgaben mit anderen Inhalt?

    Antworten
    • 18. Juni 2017 um 10:57
      Permalink

      Hallo Diana,

      Zuerst schaue ich mir die Aufgaben aus dem Arbeitsplan an und wähle dann die aus, die mir besonders wichtig sind. Dann starte ich mit der linken Spalte und entscheide dann, ob ich für die rechte Spalte mehr Aufgaben nehme oder ob eine adäquate schwerere Variante sinnvoll ist. Ich nehme nicht die Aufgaben aus dem Buch, sondern ähnliche Aufgaben (oder mit anderen Zahlen).

      Liebe Grüße
      Jörg

      Antworten
      • 18. Juni 2017 um 11:53
        Permalink

        Ich finde das total gut! Würde ich sooo gerne ausprobieren, aber bei uns ist sowas bisher nicht „erlaubt“.
        Wir müssen in allen Klassen einer Jahrgangsstufe dieselbe Arbeit schreiben und dürfen (theoretisch) noch nicht mal Aufgaben austauschen.
        Was mich jetzt noch interessieren würde:
        Wie lange macht ihr das schon so? Gibt es auch in anderen Fächern differenzierte Arbeiten?
        Wie gehen denn die Eltern damit um? Gibt das nicht Gegenwind?
        Wie schnell lernten die Kids damit zurecht zu kommen bzw. was geschieht mit denen, die mit dieser Art Arbeit nicht zurecht kommen?
        Grüße Tanja

        Antworten
        • 18. Juni 2017 um 19:07
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          Hallo Tanja,
          Differenzierte Mathearbeiten im Spaltenmodell werden schon seit mehr als 5 Jahren geschrieben. Eltern muss man das Konzept natürlich erklären und auf die Vorteile hinweisen und darauf, dass wir laut Lehrplan dazu verpflichtet sind. Die Kinder gewöhnen sich einigermaßen schnell daran. Kinder mit Wahrnehmungsproblemen knicken die Seiten und entscheiden dann. Einige Kinder weise ich immer wieder darauf hin, dass sie die andere Aufgabe lösen sollen. Bei den Kindern korrigiere ich ggf. beide Spalten und werte die bessere.
          Für Deutsch gibt es verschiedene Differenzierungen, die wir nutzen (Wörterbuch, Satzbausteine, Rechtschreibfächer …)

          Gruß
          Jörg

          Antworten
  • 18. Juni 2017 um 13:33
    Permalink

    Solche Mathearbeiten schreibe ich schon ein paar Jahre. Fange schon im ersten Schuljahr mit differenzierten Arbeitsblätter an, damit die Kinder lernen, sich selbst einzuschätzen. Im 2. Schuljahr schreibe ich dann differenzierte Lernkontrollen. So können sie dann bei Arbeiten recht schnell erkennen, welche Aufgabe ihnen liegt und sind diese Arbeitsform des Auswählens sowie Bearbeitens gewöhnt. Manche Aufgaben biete ich aber nicht in zweifacher Form an (Beispiel: schriftliche Addition, die schon in der letzten Arbeit dran war und nur der Wiederholung sowie Festigung dient).
    In ähnlicher Form lassen sich natürlich auch Sachunterrichtsarbeiten gestalten. Bei Deutsch bieten sich die Themen Grammatik, Lesen und auch Rechtschreibung an.

    Antworten
  • 18. Juni 2017 um 14:06
    Permalink

    Hallo,
    also ich kannte diese Art der Lernkontrollen auch noch nicht und finde sie total interessant.
    Mich würde auch interessieren, ob es diese Art auch für Deutsch und Sachunterricht gibt.
    Auf deinen nächsten Beitrag bin ich auch schon sehr gespannt. Da ich im nächsten Jahr eine 1.Klasse und einen neuen Raum bekomme, mache ich mir auch schon Gedanken über die Gestaltung. Hier interessiert mich besonders die Sitzordnung und wie ich das Freimaterial anordne, sodass alle Kinder es nutzen können.
    Einen schönen Sonntag wünscht Sabine

    Antworten
  • 18. Juni 2017 um 20:07
    Permalink

    Hast du bei dem Vorgehen nicht die Probleme des „Dunning-Kruger-Effekts“, wie er in diesem Artikel beschrieben wird? http://www.zeit.de/2017/05/lehrer-bezeichnung-kritik (für Lesefaule: Schwache tendieren dazu, zu schwere Aufgaben zu nehmen, während Starke mitunter zu leichte Aufgaben wählen) Dies würde ja u.U. die (theoretisch mögliche) Leistung der Schüler einschränken.

    Du schreibst ja, dass du das im Vorfeld übst und besprichst … aber ich könnte mir (ohne es probiert zu haben) dennoch vorstellen, dass die im Artikel beschriebenen Effekte eintreten können, oder?

    Antworten
    • 18. Juni 2017 um 21:58
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      Genau dieses Problem hatte ich auch im Kopf, denn diesen Effekt beobachte ich, wenn ich meinen Kids verschiedene ABs zur Auswahl anbiete.
      Selbst nach 2 Schuljahren, in denen diese Differenzierungsform immer wieder zum Einsatz kam, kann sich etwa die Hälfte der Kinder nicht korrekt einschätzen – in beide Richtungen nicht.
      Mag aber anders sein, wenn man das wirklich kontinuierlich praktiziert.

      Antworten
      • 19. Juni 2017 um 18:04
        Permalink

        Hallo Frau S,

        Das richtige Sich Einschätzen üben wir ständig: während der Arbeit mit dem Arbeitsplan, beim Reflektieren mit dem Lernplaner und bei den LZK. Zusätzlich gibt es in Klasse 1 und 2 noch häufiger eine Kindersprechstunde. Dabei reflektieren die Kinder mit mir zusammen ihren Lernfortschritt und wir planen das weitere Lernen.

        Liebe Grüße

        Jörg

        Antworten
    • 19. Juni 2017 um 17:58
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      Hallo Herrn Emrich,
      Die Effekte treten durchaus auf. Daher erinnere ich die Kinder während der Arbeit daran, die schwere bzw leichte Spalte zu bearbeiten. Da ja alle gute Noten haben wollen, tritt vor allem der Fall auf, dass die schwächeren Kinder rechts arbeiten. Genau die schicke immer zurück, dass sie die linke Spalte bearbeiten sollen. Das empfinde ich dann als meine Aufgabe, die Kinder in die richtige Richtung zu schubsen.;)
      Schöne Grüße
      Jörg

      Antworten
  • 18. Juni 2017 um 22:46
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    Oh das finde ich total interessant! Könntest du bitte auch ein beispiel für deutsch und hsu reinstellen? Da kann ich mir noch weniger vorstellen, wie das ganze differenziert aussieht

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