(Ein Vorwort vorweg: zwischen Jörg und mir gab es ein kleines Missverständnis beim Veröffentlichen seines letzten Beitrags, sodass der heutige Beitrag den vorherigen noch ergänzt. Diana)


In den ersten Mathematikstunden haben wir zunächst die Eingangsdiagnose abgearbeitet. Zusätzlich haben die Kinder die Aufgaben zur Wahrnehmung und Orientierung im Geometrieheft von Flex und Flo bearbeitet. Erst während die Kinder diese Seiten bearbeitet haben, habe ich zu Beginn einer Stunde den Arbeitsplan eingeführt. Wir konnten direkt alle die Seiten aus dem Heft streichen und einige Kinder konnten schon die ersten Seiten aus dem roten Flex und Flo-Heft streichen. Zwei Kinder kamen direkt zu mir, und meinten, dass sie schon fertig seien und den nächsten Plan brauchten. Diesen habe ich ihnen gegeben und sie konnten eifrig weiterarbeiten (dann im grünen Flex und Flo-Heft).

Den Unterricht gestalte ich weiterhin wie bereits beschrieben: zu Stundenbeginn erarbeiten wir gemeinsam im Kreis einen Lerninhalt. Hierbei orientieren wir uns am mittleren Niveau und Tempo. Auch planen einzelne Kinder mithilfe ihres Heftes und des Arbeitsplans ihr weiteres Vorgehen (Was hast du in der letzten Stunde gearbeitet? Bist du damit fertig geworden? War es leicht/mittel oder schwer für dich?) Ich nutze den Freiraum, um Kindern individuell Hilfen zu geben (dabei unterstützt mich eine tolle Praktikantin). Hierbei gehe ich nach dem Prinzip „weniger ist mehr“ vor: da in Flex und Flo oben auf einer Seite meistens eine Erklärung in Form eines Bildes mit Flex und Flo zu finden ist, die gerade das tun, was die Kinder auf der Seite ebenfalls tun sollen, sollen die Kinder zuerst selbst anschauen, was sie tun sollen. Erst anschließend sollen sie ihren Nachbarn fragen und erst dann (wenn dieser auch nicht helfen kann), wenden sich die Kinder an den Lehrer.

Da die Kinder eifrig in den Heften arbeiten, vergessen sie teilweise im Arbeitsplan zu streichen. Daher nutze ich immer wieder die letzten 5-10min der Stunde, um das Durchstreichen exemplarisch durch ein Kind vorführen zu lassen. Hierbei rege ich an, dass das Kind sein Lernen reflektiert (Hast du konzentriert gearbeitet? Hast du viel/ mittel/wenig geschafft? Waren die Aufgaben schwer/mittel oder leicht? → die Kinder werden aufmerksam auf ihr Lernen und geben mir mithilfe der Daumen-Rückmeldung einen Überblick.).

Die Kinder lernen ihren Lernprozess zu planen, zu strukturieren und zu reflektieren. Zunächst geschieht dies noch gebunden an meine Rückfragen zu Stundenbeginn bzw. Stundenende. Um im Unterricht die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern, werden in der Einstiegsphase der Stunden zusätzlich die verschiedenen Übungsformate aus den Heften besprochen. Diese sind wiederkehrend, so dass die Kinder sie nur anfangs erklärt haben müssen. An die Arbeit mit dem Arbeitsplan gewöhnen sich die Kinder überwiegend schnell. Beim Stundeneinstieg wird diese wie beschrieben immer wieder aufgegriffen, so dass der Arbeitsablauf zur Routine wird:

1. Erarbeitung im Kreis
2. Orientierungsphase: Was habe ich schon fertig (Arbeitsplan)?
3. Planungsphase: Was nehme ich mir vor? Was brauche ich für meine Arbeit (Stifte, Hefte)? Wo möchte ich arbeiten?
4. Arbeitsphase
5. Reflexion: Was habe ich geschafft? Wie habe ich gearbeitet? (alles geschafft?/ konzentriert?)

Da dieser Ablauf meiner Meinung nach für das individuelle Lernen so wichtig ist, visualisiere ich ihn im Klassenraum (insbesondere die Schritte 2 bis 5). Als Erinnerungsanker helfen Piktogramme (Arbeitsplan – Lernplaner (oberer Teil) – Stift – Lernplaner(unterer Teil)).


Jörgs Konzept basiert auf folgendem Buch:

Individuelles Lernen mit System: Ein praxiserprobtes Jahreskonzept für alle Grundschulklassen (Partner-Link)

Wenn ihr die vorherigen Teile von Jörgs Serie „Matheunterricht individuell“ noch einmal nachlesen möchtet, klickt bitte hier.


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Mathe individuell: die ersten Stunden in Klasse 1

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