Um den Klassenraum an das individuelle Lernen anzupassen, habe ich mich von meiner Schulleiterin inspirieren lassen. Im ersten und zweiten Schuljahr gab es eine Mischung aus Gruppentischen, einigen Einzeltischen und einem festen Sitzkreis. Die Regale dienten z.T. als Raumteiler.

Es sind also mehr Sitzplätze als Kinder vorhanden. Das ermöglicht es den Kindern immer wieder mit anderen Kindern gemeinsam zu arbeiten. Auch Einzelplätze sind integriert, damit Kinder, die allein arbeiten wollen, sich an diesen Platz zurückziehen können. Da es im ersten Schuljahr besonders darauf ankommt, das die Kinder die Aufgabenformate kennen lernen und lernen zusammenzuarbeiten bzw. zu „helfen“, schien mir diese Mischung als sinnvoll.

Im zweiten Halbjahr des zweiten Schuljahres (etwa gegen Ostern) habe ich dann die Sitzordnung verändert. Meine Schulleiterin erzählte mir, dass sie die Tische nach außen drehe. So stellte ich die Tische so, dass die Kinder nach draußen bzw. Richtung Wand gucken. Diese Anordnung passt zum individuellen Lernen, da die Kinder selten von der Tafel abschreiben müssen. Wenn wir an der Tafel arbeiten, dann meistens in der Erarbeitungsphase – und dann sind die Kinder im Sitzkreis vorne versammelt.

Im Inneren befand sich neben dem genannten Sitzkreis aus Bänken, zwei Vierergruppentische und das Bücherregal. Ein Pult gibt es nicht, stattdessen habe ich meine Utensilien auf einem Sideboard, das die Schubladen der Kinder beinhaltet.

Hier mal eine Zeichnung des Klassenraums (weiß: Schülertische, braun: Sitzbänke, blau: Bücherregal, grün: Schubladenschrank + meine Utensilien oben, gelb: Regal, orange: Matheregal, lila: Deutschregal; die Tafel befindet sich rechts): (die Tür befindet sich zwischen dem grünem und dem lila Regal)

Zusätzlich habe ich Teppichfliesen gelagert, welche die Kinder sich nehmen, wenn sie auf dem Boden (in der Klasse oder auf dem Flur) arbeiten wollen.

Die Kinder arbeiten, obwohl sie z.T. unterschiedlich schnell oder aber in einem anderen Niveau arbeiten, gerne in Kleingruppen zusammen. Die leistungsstärkeren Kinder helfen den schwächeren dann direkt innerhalb der Gruppe (und damit auch mir). Natürlich habe ich auch einige Kinder, die gern konzentriert für sich allein arbeiten wollen. Diese Kinder holen sich dann Trennwände (der Förderverein hat unserer Schule Papp- Wahlkabinen gespendet). Auch Kopfhörer nutzen sie gern, um sich vor Ablenkungen zu schützen.

Unter den Kindern gibt es zwei Regeln: wenn jemand auf meinem Platz arbeiten möchte, muss er mich fragen und er muss die anderen Kinder in der Umgebung fragen, ob das für sie in Ordnung ist. Oftmals können benachbarte Räume (z.B. Bücherei oder aktuell ungenutzte Förderräume) mitgenutzt werden. Das Nutzen die Kinder gerne. Ich pendle dann häufig von Raum zu Raum, um einerseits Fragen zu beantworten und um andererseits die Lautstärke zu kontrollieren. Oder aber ich positioniere mich auf einer Bank und gebe dort die Hilfestellung.

Der nächste Beitrag dreht sich rund um das Thema Hausaufgaben und die Kontrolle dieser sowie der Lernmappen der Kinder. Habt ihr Fragen oder Wünsche dazu? Oder habt ihr Fragen zu einem speziellen Aspekt des Konzepts, auf den ich genauer eingehen soll? Ich freue mich auf eure Rückmeldung.

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Jörgs Konzept basiert auf folgendem Buch:

Individuelles Lernen mit System: Ein praxiserprobtes Jahreskonzept für alle Grundschulklassen (Partner-Link)

Wenn ihr die ersten vier Teile von Jörgs Serie „Matheunterricht individuell“ noch einmal nachlesen möchtet, klickt bitte hier.

Mathe individuell: Gestaltung des Klassenraumes

5 Gedanken zu „Mathe individuell: Gestaltung des Klassenraumes

  • 25. Juni 2017 um 8:02
    Permalink

    Lieber Jörg,
    ich lese ganz beigeistert deine Beiträge und freue mich jedes Mal ein Stück mehr. Deine Beschreibungen ähneln meinen Matheunterricht sehr und ich fühle mich nicht mehr so sehr als Exote!
    Einmal hast du erklärt, dass es bei dir eine wöchentliche Knobelstunde gibt. Diese habe ich nun auch ausprobiert und meine Erstklässler lieben es!
    Vielen Dank für deine Einblicke und Anregungen!
    Andrea

    Antworten
  • 25. Juni 2017 um 13:20
    Permalink

    Hallo Jörg,
    wieder einmal vielen Dank für deinen Einblick.

    Mich interessiert: Wie gestaltet ihr den anderen (Fach)Unterricht mit der Sitzordnung?
    Ich arbeitet ähnlich wie du, aber die anderen Kollegen in der Klasse (Mathe und Englisch) doch sehr frontal – da würde die Sitzordnung dann gar nicht passen.
    Auch in der anderen Klasse, in der ich Mathe unterrichte, arbeiten andere Kollegen, die frontal unterrichten. Also passt es auch dort nicht.

    Auf die Themen Hausaufgabe und Lernmappen bin ich sehr gespannt!

    Viele Grüße!
    Frau Veh

    Antworten
    • 25. Juni 2017 um 14:40
      Permalink

      Hallo Frau Veh,

      die Sitzordnung ist immer gleich. In Deutsch wird wie gesagt auch nach dem individuellen Lernen mit System gearbeitet. In Englisch beginnen wir auch erst im Sitzkreis und dann gehen die Kinder an die Aufgaben. Im Sachunterricht wird mithilfe von Stationen oder einer Werkstatt gearbeitet. Diese baue ich auf den Bänken auf und die Kinder arbeiten wie gewohnt an einem Platz ihrer Wahl. Gesungen wird im Sitzkreis. Auch im Kunstunterricht ist die Anordnung sinnvoll genutzt, da die freien Plätze entzerren.
      Brauchen wir doch mal mehr Gruppentische, stellen wir schnell um und dann geht’s los.

      Es geht also auch in anderen Fächern.

      Liebe Grüße

      Jörg

      Antworten
  • 25. Juni 2017 um 23:11
    Permalink

    Lieber Jörg,
    ich verfolge gespannt deine Beiträge und muss mich jetzt auch mal zu Wort melden. Im Lauf dieses Schuljahres (nach einer sehr interessanten Fortbildung) habe ich meine frontale Sitzordnung nämlich auch aufgelöst und wir erarbeiten Grundlegendes im Kreis auf Hockern. Die Kinder wählen im Anschluss daran Sozialform und Sitzplatz völlig frei und arbeiten an der jeweiligen Aufgabe. Im Lauf der Zeit habe ich festgestellt, dass sich diese Form nur schwer mit der Benutzung von Lehrwerken vereinbaren lässt und mich auf die Suche nach freieren Formen gemacht…und was soll ich sagen, ich bin hier fündig geworden. Das Buch „Individuelles Lernen mit System“ habe ich regelrecht verschlungen, ebenso wie das „Praxisbuch Individuelles Lernen“. Mit meiner 2. Klasse werde ich das ein oder andere hoffentlich noch ausprobieren können. So richtig duchstarten werde im September mit meiner 1. Klasse. Das bedeutet zwar viel Planung und Vorbereitung in den Ferien, aber zurück zum Alten kann und will ich nicht mehr.
    Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir!

    Antworten

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