Das individuelle Lernen erfordert von den Kindern vielfältige Kompetenzen im Bereich Planen, Organisieren und Reflektieren von Lernprozessen. Eine Möglichkeit, die Kinder bei der Entwicklung solcher Kompetenzen zu unterstützen, sind Kindersprechstunden. In diesen Sprechstunden können die Kinder mit mir zusammen ihren bisherigen Lernprozess reflektieren und anschließend den weiteren Lernweg planen.

Die Kinder können sich zu einer Kindersprechstunde auf einem Anmeldezettel, der an einer Schranktür in der Klasse hängt, zu einer solchen Konferenz anmelden oder aber ich mache mit einem Kind direkt einen Termin aus (vor allem Kinder, die gerne mal untertauchen, spreche ich dann an). Wenn sich ein Kind für eine Kindersprechstunde anmeldet, hat es den Auftrag sich mithilfe der Lernplaner, der Lernunterlagen und ggf. Lernzielkontrollen auf das Gespräch vorzubereiten. Auch ich nutze meine Aufzeichnungen, um mich vorzubereiten.

Am Temin der Kindersprechstunde setze ich mich auf den Flur und bitte das Kind zu mir. In dieser Zeit stehe ich den anderen Kindern nur in dringenden Fragen zur Verfügung. Ich bitte die leistungsstärkeren Kinder dann als Helferkinder auszuhelfen. Für die Kindersprechstunde nehmen wir uns zehn bis fünfzehn Minuten Zeit. Der Ablauf des Gesprächs ist immer gleich: zuerst berichtet das Kind von seinem Lernprozess, anschließend ergänze ich durch meine Beobachtungen und stelle ggf. Rückfragen. Auf der Grundlage dessen planen wir anschließend die weiteren Schritte.

Hat sich herausgestellt, dass wichtige Lerninhalte nicht gefestigt sind, biete ich Hilfen z.B. in Form von Fördermaterialien und –heften an. Auch verabreden wir uns zu kleinen Wiederholungssequenzen an den folgenden Tagen und Wochen. So sollen aufgetretene Lücken geschlossen werden. Das erfordert natürlich auch von den Kindern, dass sie bereit sind, sich zusätzlich mit Lerninhalten zu beschäftigen. Den Abschluss der Kindersprechstunde bildet ein Lernvertrag, in dem wir unsere Vereinbarungen festhalten und bestätigen.

Natürlich gibt es immer wieder auch Kinder, die keine Lernlücken haben und weiterführende Forderaufgaben benötigen. Für diese Kinder habe ich Forscherhefte zu unterschiedlichen Themen und Aufgabensammlungen / Karteien aus den Bereichen Sachrechnen, Fermi-Aufgaben oder Knobelaufgaben in der Klasse, so dass die Kinder darauf stets zurückgreifen können. Die Kinder können in der Regel freitags in einer Förder-/ Forderstunde an diesen Aufgaben arbeiten. Einige Kinder nehmen sich auch Teile von Karteien mit nach Hause und arbeiten dort weiter.

Zum Thema Kontrolle der Aufgaben möchte ich anmerken, dass die Freiarbeitsmaterialien in der Regel zur Selbstkontrolle geeignet sind. Zu vielen anderen Aufgaben biete ich Lösungshefte bzw. -ordner an, sodass die Kinder sich selbst kontrollieren können. Das trägt natürlich zum eigenverantwortlichen Lernen genauso bei wie das selbstständige Kontrollieren mithilfe eines Taschenrechners (insbesondere in Klasse 3 und 4).

Da die Kinder viel eigenverantwortlich arbeiten, entstehen zu den Arbeitsplänen vielfältige Lernprodukte. Wie wir diese sammeln und für das individuelle Lernen praktikabel gemacht haben, erzähle ich euch beim nächsten Mal.


Jörgs Konzept basiert auf folgendem Buch:

Individuelles Lernen mit System: Ein praxiserprobtes Jahreskonzept für alle Grundschulklassen (Partner-Link)

Wenn ihr die ersten sechs Teile von Jörgs Serie „Matheunterricht individuell“ noch einmal nachlesen möchtet, klickt bitte hier.


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Mathe individuell: Kindersprechstunden

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