Die Arbeitspläne zu arithmetischen Lerninhalten durchlaufen die Kinder im eigenen Lerntempo. Ich orientiere mich bei der gemeinsamen Phase zu Stundenbeginn am mittleren Lerntempo. Das heißt, dass die besprochenen Lerninhalte dem entsprechen, was viele Kinder aktuell bearbeiten.

Für die leistungsstärkeren Kinder ist dies eine Wiederholung, jedoch auch eine Vertiefung, da sie die Inhalte auch in eigenen Worten nochmal erklären können und so zeigen, dass sie es schon können. Für die langsam lernenden Kinder bietet dieses Vorgehen die Möglichkeit schon einmal reinzuhören, was sie als Nächstes lernen.

Die Kinder lieben die Aufgaben aus dem Matheregal, aus welchem sie sich für die Arbeitsphase etwas zur Vertiefung nehmen können. Daher sind diese Materialien insbesondere zu arithmetischen Inhalten. Hier bieten sich insbesondere die spielerisch angelegten Materialien (also Dominos, Puzzles, Partnerspiele etc.) an, da sie eine willkommene Abwechslung zur Arbeit mit dem Buch sind.

Arithmetische Arbeitspläne enden in der Regel mit dem Schreiben der Lernzielkontrolle. Diese ist ebenso differenziert angelegt (Spaltenmodell). Wie ich diese Lernzielkontrollen aufbaue, erzähle ich ein andermal.

Da die Zeiten für die Lernzielkontrollen (in Klasse 3 und 4) vorgegeben sind, haben die Kinder sowie die Eltern stets die nötige Zeittransparenz. Im ersten und zweiten Schuljahr (wenn man keinen Notendruck hat) können die Kinder sich die zum Arbeitsplan zugehörige Lernzielkontrolle dann vornehmen, wenn sie sich sicher fühlen. Dazu biete ich ihnen vorab ein „Teste dich!“ an. Sie können anschließend entscheiden, ob sie die Lernzielkontrolle schreiben wollen oder doch lieber noch üben wollen.

Neben den arithmetischen Lerninhalten sind in regelmäßigen Abständen geometrische Themen sowie die Größenbereiche in gemeinsame Themeninseln eingebaut. In dieser Zeit arbeiten die Kinder zwar auch an einem Arbeitsplan, jedoch ist der Unterricht gebundener (Dauer: ca. 2 Wochen). Das bedeutet, dass wir mehr gemeinsame Phasen haben, in denen alle die gleichen Aufgaben erledigen. Gerne nutze ich auch andere Unterrichtsformen wie Stationslernen oder Werkstattarbeit, um diese Themen zu behandeln. So lernen die Kinder auch solche Arbeitsformen kennen.

Zu den Lerninhalten gibt es dann einen Kurztest (meistens ist das der Diagnosetest des Lehrwerks), durch den die Kinder zeigen können, was sie gelernt haben. Die Kurztests sind schnell zu kontrollieren und man hat eine gute Übersicht zu den Kompetenzen der Kinder.

Da diese Themeninseln zu einer vorgegebenen Zeit im Verlauf des Schuljahres stattfinden, haben die Kinder, die Eltern und ich selbst stets die nötige Zeittransparenz. Das Schuljahr ist somit vorab durchstrukturiert, so dass alle Beteiligten den Lernweg vor Augen haben. In der Klasse ist selbiger Lernweg ausgehangen und eine Klammer zeigt stets an, an welchem Punkt sich jedes Kind befindet. Die Kinder lieben es, wenn sie ihre Klammer weitersetzen können. Anderen Kindern dient es der Motivation: sie wollen nicht zurückfallen und strengen sich nochmal richtig an.

Auch wenn diese Zeittransparenz Sicherheit gibt, behalte ich mir immer wieder vor, Zeiträume flexibel zu gestalten. Das bedeutet, dass ich flexibel Zeiten nach vorne oder hinten verschiebe, wenn ich beobachte, dass die Kinder schneller oder langsamer als gedacht sind.

Gleiches gilt auch für die individuellen Pläne der Kinder. Beobachte ich bei einem Kind, dass es die Lerninhalte sicher beherrscht, kann ich Aufgaben zum gleichen Lernziel streichen. Andersherum kann ich Kinder, die bei einem Lernziel noch Übungsbedarf haben, gezielt Hilfen sowie weitere Übungsmaterialien anbieten.

Im Klassenraum habe ich Materialien zur individuellen Förderung und Forderung gelagert, so dass ich diese stets nutzen kann. Hierzu zählen neben Karteien mit Sachaufgaben, Fermi-Fragen oder Knobelaufgaben, auch Karteien mit gemischten Aufgaben zu den Inhalten des aktuellen Lernjahres. Zusätzlich habe ich Förderkisten zusammengestellt, in denen Materialien zur Förderung lernschwacher Kinder sind. So kann ich diesen Kindern ebenso passende Lernmaterialien zur Verfügung stellen.

Im nächsten Beitrag möchte ich genauer auf die Konzeption der Lernzielkontrollen eingehen. Diese sind fester Bestandteil unseres Schulkonzepts.

Welche Fragen oder Wünsche habt ihr zu diesem oder einem kommenden Beitrag (Klassenraumgestaltung/ den Überblick behalten/ Lernmappen/ Hausaufgaben)?

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Jörgs Konzept basiert auf folgendem Buch:
Individuelles Lernen mit System: Ein praxiserprobtes Jahreskonzept für alle Grundschulklassen (Partner-Link)

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Mathe individuell: Themeninseln, Lernweg & Co.

6 Gedanken zu „Mathe individuell: Themeninseln, Lernweg & Co.

  • 11. Juni 2017 um 10:44
    Permalink

    Ein toller Beitrag.
    Ich kenne diese Arbeitsweise aus dem Praktikum, sehr gerne würde ich auch so arbeiten, doch leider weiß ich nicht, wie ich hier anfangen soll. Über konkrete Tipps, wie man damit startet würde ich mich sehr freuen.
    Viele Grüße aus Bayern
    Lena

    Antworten
    • 11. Juni 2017 um 12:05
      Permalink

      Hallo Lena,

      Es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. Wie ich im ersten Schuljahr damit anfange, werde ich demnächst schreiben: ich werde zuerst meine Planungen darstellen und ab dem nächsten Schuljahr kann ich dann quasi live aus meinem ersten ersten Schuljahr berichten.
      Liebe Grüße
      Jörg

      Antworten
  • 11. Juni 2017 um 14:11
    Permalink

    Hey,
    ich lese bisher alle deine Beiträge mit. Es passt mir gerde super, weil ich mir die Bücher von Schmolke und Grunefeld in den Osterferien durchgeschaut habe und meinen Unterricht nach den Ferien gerne dahin gehend adaptieren möchte. Was mich besonders interessieren würde ist, welches Mathebuch du benutzt und welches Material sich deiner Meinung nach gut für dieses Arbeiten eignet. Auch würde mich interessieren, ob du auch jahrgangsgemischte Erfahrungen hast. Da ich an einer Förderschule arbeite, ist das bei uns immer so.
    Liebe Grüße und vielen Dank für die Einblicke in deinen guten Unterricht!
    A.

    Antworten
    • 11. Juni 2017 um 15:57
      Permalink

      Hallo A.,

      wir arbeiten mit den Flex und Flo-Heften. Daher habe ich auf den Plänen die Farben der Hefte eingearbeitet (blaues Heftes: Zahlraumerweiterung + Addieren und Subtrahieren, gelbes Heft: Multiplizieren und Dividieren, rotes Heft: Geometrie und lila Heft: Größen, Sachrechnen, Daten+Häufigkeiten+Zufall+Kombinatorik). Aber das Konzept ist für andere Bücher sicher leicht adaptierbar.
      Die Freiarbeitsmaterialien aus dem Matheregal sind in der Regel spielerisch angelegt und zur Selbstkontrolle. Hier verwende ich gerne Materialien aus den bekannten Grundschulblogs. Wenn ich nichts passendes finde, erstelle ich mir selbst Material. Bei den Mateialien ist vor allem wichtig, dass sie leicht zu verstehen sind (am besten selbsterklärend). Manche Materialien habe ich aber auch zugekauft.
      Ich habe keine Jahrgangsmischung, kann mir aber durchaus vorstellen, dass man das Konzept für eine jahrgangsgemischte Lerngruppe verwendet: die arithmetischen Inhalte sind dann parallel zu durchlaufen und die Themeninseln zur Geometrie eignen sich meist für alle KInder, die Größenbereiche sind ja auch wiederkehrend (das Niveau ändert sich nur…).

      Liebe Grüße

      Jörg

      Antworten
      • 12. Juni 2017 um 18:50
        Permalink

        Hallo,
        danke für deine Rückmeldung! Wir arbeiten mit Einstern. Soweit ich weiß ist das Konzept ähnlich wie bei Flex und Floh… Viele Freiarbeitsmaterialien habe ich bereits in meiner Klasse und die Schüler arbeiten auuch total gerne damit. Ich bin gepannt auf deine weiteren Einblicke! Besonders deine Erläuterungen zu den „Themeninseln“ und der Gestaltung von Unterricht fand ich schon sehr hilfreich.
        Liebe Grüße!
        A.

        Antworten
  • 16. Juni 2017 um 22:34
    Permalink

    Wie schön! Ich suche einen Weg, im nächsten Schuljahr offener und individueller in Mathe zu arbeiten (als Fachlehrerin Mathe, die neu in der Klasse ist, ist das nicht so leicht). Da kommen deine Beiträge wie gerufen :)

    Mir würden Fotos zur Klassenraumgestaltung helfen.

    Da ich auch parallel die LZK schreiben muss: hast du deinen Plan im Jahrgang abgesprochen oder arbeitest du allein so?

    Hast du deine Lernwege/ Themeninseln etc. auch in der Klasse visualisiert? Mir schwebt da in etwa der Buchstabenweg aus dem zauberinmaleins vor, den ich dann für Mathe umwandeln könnte. Oder ein Matherad für unser Buch (Welt der Zahl).

    Vielen lieben Dank schon mal!!!
    VG, Grundschulmathe

    Antworten

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