Als ich vor etwa drei Jahren den Mathematikunterricht in einer zweiten Klasse übernehmen sollte, stand ich vor der Frage: Wie arbeiten wir im Mathematikunterricht (außer natürlich fleißig)? Denn: die Kinder waren es gewohnt im Fach Deutsch nach dem Individuellen Lernen mit System (Grunefeld/Schmolke) zu arbeiten.

Hier geht’s zum Buch: Individuelles Lernen mit System: Ein praxiserprobtes Jahreskonzept für alle Grundschulklassen (Partner-Link)

Im Mathematikunterricht arbeiteten die Kinder zwar schon in ihrem individuellen Lerntempo, jedoch brauchte ich ein Konzept für meine Arbeit. Nach der Lektüre des genannten Buches habe ich das dargestellte Konzept mit meinen Vorstellungen zusammengeführt und somit mein „eigenes“ Konzept daraus entwickelt. Dies möchte ich im Folgenden vorstellen.

Grundlage des Konzepts sind Arbeitspläne, die die Lerninhalte des Mathematikunterrichts differenziert aufführen. Die Kinder finden auf jedem Arbeitsplan die Lernziele aufgelistet, welche sie in der kommenden Zeit erreichen sollen. Zusätzlich wird der Zeitraum für die Bearbeitung vorgegeben (Anzahl an Unterrichtsstunden + Hausaufgaben). Die Kinder haben als Minimalanforderung eine Aufgabe je Stunde plus eine Aufgabe als Hausaufgabe zu erledigen. Tabellarisch werden die Aufgaben des Lehrwerks dreifach differenziert aufgelistet.

Da die Lernziele durchnummeriert werden, erfolgt die Zuordnung der Aufgaben in der Tabelle ebenfalls unter Angabe des jeweiligen Lernziels. In der Regel ist die Einsortierung der Aufgaben aus dem Lehrwerk qualitativ, z.T. auch quantitativ erfolgt. Die Kinder sollen zu Beginn mit den Aufgaben des mittleren Niveaus starten und selbst entscheiden, ob die Aufgaben zu leicht bzw. zu schwer sind, um selbstständig auf das leichtere bzw. schwerere Niveau zu wechseln.

Unten auf dem Arbeitsplan finden die Kinder Hinweise auf Übungshefte und/ oder Forscherhefte. Diese Hefte dienen der Förderung und Forderung. Wird zu dem Lerninhalt eine Lernzielkontrolle geschrieben, finden die Kinder unten auf dem Arbeitsplan den Zeitraum, in dem sie die LZK schreiben können. Dieser Zeitraum erstreckt sich in der Regel auf ein bis zwei Schulwochen. In diesem Zeitraum melden die Kinder sich für die LZK bei mir an. Sie können dann in einem Nebenraum die LZK schreiben. (Anmerkung: Die LZK sind im Spaltenmodell so konzipiert. Dazu ein andermal mehr.) Neben Lernzielkontrollen werden noch sogenannte Kurztests geschrieben. Damit sind kleine Tests gemeint, die in 20min. zu erledigen sind.




Auf der Rückseite des Arbeitsplans befindet sich eine Tabelle mit weiterführenden Aufgabenangeboten zur Freiarbeit. Zu jedem Lernziel gibt es Freiarbeitsmaterial, das im Matheregal zu finden ist. Mit diesem Arbeitsmaterial arbeiten die Kinder in den Unterrichtsstunden, nachdem sie sich mindestens 20min. mit den Aufgaben des Arbeitsplans auseinandergesetzt haben. Passende Materialien aus verschiedenen Grundschulblogs wechseln sich ab mit zugekauften und selbst erstellten Materialien.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie ich konkret meinen Unterricht gestalte. Dazu berichte ich, wie eine Schulwoche aufgebaut ist, wie ich in den einzelnen Stunden arbeite und wie ich das Lernen der Kinder begleite.

Gerne freue ich mich über Rückmeldung und/oder Einblicken in euren Mathematikunterricht!


Jörg ist einer unserer neuen Gastautoren. Wenn ihr nochmal mehr über die Gastautoren lesen wollt, klickt bitte hier.

Jörgs Folgebeitrag um konkreten Ablauf seines Matheunterrichts findet ihr hier. 

Mathematikunterricht: individuell und niveaudifferenziert

12 Gedanken zu „Mathematikunterricht: individuell und niveaudifferenziert

  • 21. Mai 2017 um 10:38
    Permalink

    Vielen Dank für diesen interessanten Einblick!
    Freu mich auf mehr.
    ;)
    Liebe Grüße,
    Sandra

    Antworten
  • 21. Mai 2017 um 12:07
    Permalink

    Lieber Jörg!
    Das hört sich ja toll an! :-) Ich würde auch gerne etwas freier arbeiten, aber meine Kinder lassen das momentan noch nicht zu (sind sehr schwach). Eine Frage hätte ich, aber vielleicht beschreibst du das auch in deinem nächsten Blogpost: Kommen alle Kinder gut mit deinem System zurecht? Wenn nicht, welche Möglichkeiten der Anpassung hast du vorgenommen?
    Liebe Grüße, Susi

    Antworten
    • 21. Mai 2017 um 13:54
      Permalink

      Liebe Susi,

      schön, dass dir mein Blogbeitrag gefällt.
      Zu deiner Frage:
      Die meisten Kinder kommen gut mit dem System zurecht. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen:
      – Einige Kinder, die sich ständig versuchen vor der Arbeiten zu drücken, werden trotz des geringen Anforderung (1 AUfgabe pro Stunde plus 1 Aufgabe als HA) nichtfertig. DIese Kinder hat man aber in jedem Unterricht gesondert zu „motivieren“. Ich habe dann die Vereinbarung mit ihnen, dass sie mir am Ende jeder Studne zeigen, was sie geschafft haben. Ich setz dann mein Zeichen darunter und sehe so, ob sie Zuhause weitergearbeitet haben.
      – besonders ruhige Kinder melden sich nicht, wenn sie Probleme haben und lassen so viel Zeit in die Welt gehen. Diese Kinder habe ich zu Beginn besonders gesucht und versuche nun mindestens einmal pro Stunde ihnen über die Schulter zu schauen, um zu sehen, ob sie zurecht kommen. Zumindest jeden zweiten Tag schaffe ich es immer jedes dieser Kinder genau zu beobachten.

      Ich hoffe, das hilft dir??!! Ich werde in den nächsten Beiträgen nochmal darauf eingehen.

      Liebe Grüße, Jörg

      Antworten
  • 21. Mai 2017 um 12:37
    Permalink

    Hallo Jörg,
    das klingt spannend. Ich überlege auch schon seit längerem hin und her, wie ich meinen Unterricht umstrukturieren kann. Als ich noch in der 2. Klasse unterrichtete, habe ich auch mit Arbeitsplänen gearbeitet und auch die LZK schreiben lassen, wenn die Kinder sich fit gefühlt hatten. Da hatte ich auch keinen Notendruck. Dann in der 3. und 4. Klassen habe ich mich von den Noten so unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich wieder zum annähernd gleichschrittigen Unterricht zurück gegangen bin. Habe zwar mit unterschiedlichen Aufgaben differenziert, aber die Arbeit musste von allen zum gleichen Zeitpunkt geschrieben werden. Das macht mich nicht glücklich.
    Das o.g. Buch habe ich auch gelesen und mich daran orientiert. Mich würde jetzt noch interessieren, ob du das System auch in der 3. und 4. KLasse fährst und was genau es mit den Farben auf sich hat.
    LG Danni

    Antworten
    • 21. Mai 2017 um 14:08
      Permalink

      Liebe Danni,

      es freut mich, dass du Interesse an meinem Beitrag hast.

      Ich bin im zweiten Schuljahr angefangen. Da wir keinen Notendruck hatten, habe ich die Kinder zunächst frei in ihrem Tempo arbeiten lassen. Das führte jedoch dazu, dass einige Kinder immer mehr zurücklagen (z.T. 2 Pläne). Daher habe ich einen Zeitrahmen vorgegeben, in dem die Kinder die Aufgaben bearbeitet aben sollten. Natürlich habe ich auch jetzt (Klasse 4) noch Kinder, die nicht fertig werden. Wie in meiner Antwort auf Susis Kommentar beschrieben, vereinbare ich dann mit den Kindern, dass sie mir immer vorlegen, wie viel sie geschafft haben. Das klappt ganz gut. Zudem empfehele ich den Kindern die Aufgaben mit einem Stern zu bearbeiten (das ist das Grundniveau).
      Im dritten Schuljahr bin ich dazu übergegangen, dass die Pläne einen festen Zeitraum haben (also wie viele Unterrichtsstunden und Hausaufgabenzeiten dafür angesetzt sind). Die Kinder (aber auch Eltern) haben so eine gute Orientierung. Zudem steht unten der Zeitrahmen für die Lernzielkontrolle. Da ich die Mathearbeit erst nach dem Zeitraum zurückgebe, kann ich die gleiche Arbeit schreiben lassen. DIe Kinder, die schon geschrieben haben, erfragen sich nur ihre Note schon vorher.

      Die Farben entsprechen den Farben des Lehrwerks (wir arbeiten mit Flex und Flo).

      Hat dir das schon geholfen?

      Liebe Grüße

      Jörg

      Antworten
  • 21. Mai 2017 um 14:36
    Permalink

    Hallo Jörg,
    auch ich finde das System sehr interessant. Ich komme ab Sommer ins 2. Schuljahr und wir arbeiten auch mit Flex und Flo. Mich würde noch interessieren, ob es einen gemeinsamen Einstieg gibt. Oder schildern Sie das dann in Ihrem Wochenbericht. Ich könnte es mir schon vorstellen, mit so etwas zu arbeiten. Muss aber auch eine Referendarin davon überzeugen ;o).
    Danke für dir tolle Anregung!
    Viele Grüße
    Steini

    Antworten
    • 21. Mai 2017 um 15:00
      Permalink

      Hallo Steini,

      schön, dass mein Beitrag Ihnen gefällt. Ich werde in meinem nächsten Beitrag etwas dazu schreiben, wie eine Woche aufgegliedert ist und wie eine Unterrichtsstunde abläuft. Nur soviel sei verraten: es gibt natürlich den klassischen Unterrichtseinstieg mit einer kurzen Erarbeitung von Lerninhalten;)

      Liebe Grüße

      Jörg

      Antworten
  • 21. Mai 2017 um 17:06
    Permalink

    Hallo Jörg,
    danke für den interessanten Einblick!
    Mich interessiert, wie du als Lehrer den Überblick behältst:
    Wir werden die Blätter kontrolliert (Selbstkontrolle, Stichprochen, Lehrerkontrolle?)
    Wie verschaffst du dir einen Überblick über den jeweiligen Lernstand der Kinder?
    Sonntagsgrüße,
    Stefanie

    Antworten
    • 21. Mai 2017 um 18:52
      Permalink

      Hallo Stefanie,

      den Überblick zu behalten – das ist ne kleine Herausforderung ;)
      Ich habe einen Hausi-Parkplatz in der Klasse. Hier legen mir jeden Freitag vier bis fünf Kinder ihre Hefte hin. DIese schau ich mir dann am Wochenende an. Zu Beginn habe ich jede Aufgabe nachgerechnet. Mittlerweile vergleiche ich nur noch grob mit meinen Lösungen und nur wenn sich Fehler häufen, schaue ich ganz genau hin.
      Um einen Überblick zu haben, welches Kind wie weit ist, auf welchem Niveau es ist und wie gut es die Aufgaben bearbeitet hat, habe ich mir eine Liste angelegt.
      Linke Spalte: Namen der Kinder
      erste Zeile: Arbeitspläne durchnummeriert

      In die Kästchen trage ich ein:
      – für das bearbeitete Niveau (also ein Stern , zwei oder drei Sterne) färbe ich das Feld grün, gelb oder rot
      – für das Niveau der Lösung stufe ich ab: ++ + – —

      So habe ich einen Überblick (nur eine Liste!), wer die Aufgaben wie gut bearbeitet hat.

      Genauer werde ich darauf aber in den folgenden Blogbeiträgen eingehen.

      Liebe Grüße

      Jörg

      Antworten
  • 21. Mai 2017 um 19:23
    Permalink

    Danke, Jörg, für den interessanten Einblick in deine Arbeit! Da ich mit Wochenplänen für Deutsch und Mathematik zusammen arbeite, finde ich bei dir einige Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede! Mich hat deine Aussage beruhigt, dass du mittlerweile auch nicht mehr jede einzelne Aufgabe kontrollierst, sondern grob dir irgendwie einen Überblick verschaffst! Denn mit dieser Flut an Aufgaben, die nachgesehen werden muss, lässt mich von Zeit zu Zeit verzweifeln! Deshalb möchte ich in Zukunft auch etwas weniger akribisch kontrollieren! Ich bin nämlich auch der Meinung, dass es bei vielen Kindern ausreichend ist, sich einen Überblick zu verschaffen, um zu sehen, ob es verstanden wurde! Da sind mal hier und da Flüchtigkeitsfehler nicht aussagekräftig!

    Antworten
  • 21. Mai 2017 um 20:56
    Permalink

    Hallo Jörg,
    endlich lese ich mal von jemandem, der es ähnlich macht wie ich.
    Dennoch konnte ich einige Anregungen von dir übernehmen und bin schon sehr auf deinen nächsten Post gespannt.
    Viele Grüße
    Frau Veh

    Antworten
  • 21. Mai 2017 um 22:21
    Permalink

    Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag von dir. Bisher habe ich mich nicht an das freie Arbeiten herangetraut… Dein Weg erscheint mir aber super gut machbar. Vielleicht wage ich mich dann auch mal dran. :-) Sind die Klassenarbeiten denn auch differenziert? Und was passiert mit den Kindern, die einen Plan nach z. B. einer Woche fertig haben, also was machen die den Rest der Zeit? LG Anna

    Antworten

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