In den letzten 5 Jahren war ich jedes Jahr auf einer Klassenfahrt, entweder als Hauptorganisator oder als Begleitung. Und ich muss sagen, ich gehe immer wieder gerne. Es macht einfach richtig viel Spaß und man erlebt die Schüler nochmal auf eine ganz andere Weise als in der Schule.

Dennnoch bringt eine Klassenfahrt natürlich auch Nachteile mit sich: im Voraus der deutliche Mehraufwand für die Planung und Vorbereitung und währenddessen natürlich der deutliche zeitliche Mehraufwand, da man Tag und Nacht unterwegs und wirklich auch im Dienst ist. Denn frei hat man auf einer Klassenfahrt keine Minute.

Damit diese aufeinanderfolgenden “24-Stunden-Dienste” trotzdem für die Lehrkraft gut durchführbar und sogar angenehm und schön werden, ist eine umfassende und detaillierte Planung im Voraus sehr sehr wichtig.

Folgende Aspekte müssen bedacht und folgende Fragen beantwortet werden:

  • Schulleitung: eine Klassenfahrt muss von der Schulleitung im Vorfeld genehmigt werden – daher muss dieser Punkt als Erstes abgeklärt werden. Gibt es Anmerkungen der Schulleitung bzgl. Sinn und Zweck der Reise oder bzgl. des Zeitpunkts? Können die Kosten für die Lehrperson übernommen werden?
  • Anlass und Zweck der Reise: handelt es sich um eine Abschlussfahrt? Oder soll das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden für kommende Schuljahre? Ist es ein Austausch, ein Kennenlernen anderer Kulturen, ein Ausprobieren einer Fremdsprache?
  • Bildungsaspekt: eine Klassenfahrt soll keine reine Spaßveranstaltung werden, sondern muss immer auch dem Bildungsauftrag entsprechen. Wo liegt der Schwerpunkt? Auf Bewegung, Entdeckung, Teambildung, Stärkung des Einzelnen, Kennenlernen…? Steht die Fahrt vielleicht im Zusammenhang zu einem unterrichtlichen Thema?
  • Zeitpunkt: ist die Fahrt irgendwie jahreszeitenabhängig? Was kann man tun bei schlechtem Wetter? Ist es zu Beginn oder gegen Ende des Schuljahres besser? Welche schulischen Termine müssen berücksichtigt werden?
  • Begleitung: welcher Kollege / welche Kollegin könnte als Begleitung mitfahren? Gibt es einen Fachlehrer, der bereits in der Klasse unterrichtet, der mitkommen könnte? Was wünschen sich die Schüler? Aber auch: mit wem kann ich mir persönlich vorstellen, auf Klassenfahrt zu gehen? Welcher Kollege hat ähnliche Ansichten in Bezug auf Erziehung, Konsequenz, Regeln, Programm, etc.?
  • Schüler: was wünschen sich die Schüler, wo es hin geht und was gemacht wird? Dieser Punkt sollte meiner Meinung nach natürlich berücksichtigt werden. Allerdings halte ich es für sinnvoll, im Voraus bereits Vorschläge zu bringen, zu denen die Kinder sich dann äußern können. Das heißt, man bietet ihnen vielleicht eine Wahl an, niemals aber die volle Entscheidungskraft für Ziel und Programm, denn dann kommen evtl. so Vorschläge wie “relaxen an der italienischen Küste”.  Bei jüngeren Schülern auch zu bedenken (und auch bei den Eltern zu erfragen): trauen sie sich zu, mehrere Nächte von zu Hause weg zu sein?
  • Eltern: bereits vor der Planung müssen die Eltern informiert werden und ihr Meinungsbild aufgenommen werden. Sind sie einverstanden mit einer Klassenfahrt? Unterstützen sie ihr Kind dabei, auch finanziell? Am besten schlägt der Klassenlehrer an einem Elternabend im Voraus bereits ein oder zwei Ziele und die Schwerpunktsetzung der Fahrt vor, dann kann konkret darüber gesprochen werden.
  • Kosten: Was sind die Eltern bereit zu zahlen? Gibt es jemanden, der einen Zuschuss benötigt? (Hierfür kann das Amt befragt werden oder aber die Schulleitung klärt evtl. Zuschüsse durch den Förderverein o.ä. ab). Wie können wir als Klasse mit verschiedenen Aktionen im Voraus die Klassenkasse füllen?
  • Unterstützung in der Planung: gibt es Kollegen, die eine ähnliche Fahrt bereits durchgeführt haben? Haben sie Tipps? Neben Kollegen findet man kompetente Unterstützung auch bei Reisebüros, die sich auf Klassenfahrten spezialisiert haben. Mithilfe eines Reisebüros habe ich selbst bereits eine Klassenfahrt nach London organisiert und die Planung wurde mir durch diesen Ansprechpartner um ein Vielfaches erleichtert.
  • Unterbringung: dieser Punkt ist natürlich auch vom Programm und dem Zweck der Reise abhängig. Möglichkeiten sind Selbstversorgerhütten (Vorteile: man ist als Gruppe für sich, hat große Freiheiten, befindet sich meist in der Natur; Nachteile: man muss für alle Mahlzeiten selbst sorgen, Dienste verteilen, Geschirr spülen, saubermachen, Eltern einbinden), Gastfamilien, Camps oder auch Jugendherbergen.
  • Programm: gestalte ich oder gestalten wir als Klasse selbst das Programm? Gibt es Städte, Schlösser oder Burgen zu besichtigen? Was gibt es direkt bei der Unterbringung, damit die Schüler auch Freizeit sinnvoll verbringen können (Tischtennisplatten, Billard, Bolzplatz, etc.)? Gehen wir in einen Kletterpark oder machen wir eine Wanderung? Bietet die Unterbringung vielleicht sogar organisiertes Programm an?
  • Unterricht: wie muss ich die Klassenfahrt im Voraus vorbereiten? Welche Infos brauchen die Schüler über den Ort und die Umgebung? Bereiten die Schüler vielleicht etwas vor? Ein Referat oder ein Quiz, Spiele, Aktivitäten? Und dann natürlich auch im Nachhinein: wie bereite ich die Fahrt nach?

Es fehlen mit Sicherheit noch Punkte, aber das sind im Moment die wichtigsten, die mir einfallen. Gerne könnt ihr in den Kommentaren ergänzen.

Ich stecke selbst gerade mitten in der Vorbereitung einer Klassenfahrt mit meiner 4. Klasse. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, nicht erst am Ende des Schuljahres wegzufahren, sondern recht bald, damit wir nach der Fahrt noch eine Weile von den gemeinsam gemachten Erfahrungen profitieren können. Von den oben genannten Unterkunftsmöglichkeiten habe ich bereits alle ausprobiert und jede Art bringt Vor- und Nachteile mit.

Am angenehmsten sowohl in der Planung als auch der Durchführung habe ich bisher Fahrten in eine Jugendherberge des DJH erlebt. Die Jugendherbergen sind mittlerweile wirklich auf Klassenfahrten spezialisiert und helfen unglaublich gut in der Vorbereitung. Sie geben Tipps und Hilfe, was es in der Umgebung zu tun und zu sehen gibt; sie sind super gut ausgestattet und bieten auch vor Ort viel Freiraum für die Schüler, Freizeit zu verbringen und sie bieten ein vielfältiges und auf Schüler angepasstes Programm in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern an. Wer Interesse hat, kann hier nochmal einen Einblick in das Angebot des DJH Landesverbands Bayern gewinnen. Natürlich gibt es aber auch in allen anderen Bundesländern Jugendherbergen, die einen ähnlichen Service bieten.

Als ich einmal auf einer Selbstversorgerhütte mit einer Klasse war, habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Tag wirklich lang sein kann und dass sich Kinder nur begrenzt selbst beschäftigen können. Natürlich ist das immer auch von den Kindern abhängig und von den Spielen, die man dabei hat, und vom Wetter und sicherlich noch von anderen Faktoren. Dennnoch halte ich ein gut durchdachtes und vor allem interessantes und spannendes Programm für wirklich wichtig. Dabei sollte man meiner Meinung nach eine gute Balance finden zwischen organisiertem Programm, gemeinsam verbrachter Freizeit und Freizeit für Kleingruppen.

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, eine Klassenfahrt in Angriff zu nehmen, der sollte für sich als Lehrperson zuallererst klären: bin ich bereit, die Mehrarbeit auf mich zu nehmen? Denn einen Ausgleich gibt es in der Regel nicht. Im Gegenteil, meistens muss man für die Stunden, die man selbst nicht unterrichten kann, noch Vertretungsmaterial richten. Nicht zu verachten ist auch der finanzielle Aspekt: nicht immer bekommt man die Ausgaben für eine Klassenfahrt erstattet. Auch deswegen ist es meiner Meinung nach völlig legitim, wenn man entscheidet, dass man eben nicht bereit ist, eine Fahrt auf eigene Kosten zu planen und durchzuführen. (Dass das eine schiere Unverschämtheit ist, wenn man die Kosten nicht erstattet bekommt, brauche ich nicht extra zu erwähnen.)

Entscheidet man sich aber für eine Klassenfahrt, dann kann man sich sicher sein, dass es für die Schüler und die Klassengemeinschaft eine große Bereicherung ist und das die Momente sein werden, an die sich die Kinder im Nachhinein am längsten erinnern werden.

 

Planung einer Klassenfahrt

2 Gedanken zu „Planung einer Klassenfahrt

  • 8. Oktober 2016 um 9:38
    Permalink

    Jetzt hast du mich ja tatsächlich ins Grübeln gebracht, denn mit Hilfe einer ähnlichen Liste, wie du sie erstellt hast, fand ich die Vorbereitung einer Klassenfahrt immer unkompliziert…
    Ich habe schon sehr unterschiedliche Klassen gehabt, aber es gab doch auch Ähnlichkeiten. Wenn ich für meine Kinder Bälle, Seilchen, Eimer, Schippen und Kescher zur Verfügung stellen konnte und Wasser rund um das Gelände einfach da war, dann war ein bisschen Programm drumherum immer wichtig und schön, aber wenn zweimal zwei Stunden am Tag etwas gemeinsam gemacht wurde, dann war der Rest oft ein wunderbarer und ergiebiger Selbstläufer (ohh je, ein Endlossatz…)
    Die Häuser, in denen wir waren, boten sehr unterschiedliches Programm und letztlich hat sich alles bewährt. Die einen hatten Kleintiere und ein wunderbares Außengelände, die andern ausgesprochen interessantes Programm und immer sind die Kinder als Gruppe zusammengewachsen.
    Um den Stress für mich möglichst gering zu halten, habe ich es gerne so gemacht, dass wir von Eltern begleitet wurden. Immer wieder habe ich es erlebt, dass auch Väter sich für diese Zeit ein paar Tage Urlaub genommen haben und ganz begeistert mit dabei waren. Teilweise haben sich die Eltern auch in der Mitte der Zeit abgewechselt und oft waren dann drei Erwachsene als Betreuer Vorort. Ich kenne die tausend Nachteile und habe schon immer sehr genau geschaut, wen ich mitnehmen kann, aber es hat sich immer eine gute Besetzung gefunden. Klar war immer, dass ich die Eltern anspreche, die ich und die Kinder gerne mit dabei hätten und nicht umgekehrt, die Eltern auf uns zukommen, um Enttäuschungen möglichst gering zu halten. Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen auch eine Überlegung.
    Dir wünsche ich viel Spaß auf der Klassenfahrt.
    LG Gille

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  • 8. Oktober 2016 um 14:58
    Permalink

    Ich habe mit meinen letzten Klassen immer am Ende der 3. Klasse eine 5 tägige Fahrt in ein Waldschulheim durchgeführt und dabei nur gute Erfahrungen gemacht. Das Programm war so abwechslungsreich, viele Sachen konnte man vor Ort auswählen und das Preis-Leistungsverhältnis war unschlagbar. Den Kindern und mitgereisten Eltern hat es super gefallen und immer, wenn mich ehemalige Schüler besuchen erzählen sie von diesem Höhepunkt unserer gemeinsamen Schuljahre. Da wir anschließend noch die 4. Klasse gemeinsam lernen konnten, haben diese Tage viel zum gegenseitigen Miteinander beigetragen und am Ende der 4. Klasse wollten alle immer noch mal 1 Nacht miteinander verbringen, was wir immer organisiert haben. Nun sind meine Kleinen Anfang 2., aber ich bin schon an der Planung, denn die Platze sind gefragt-aber es lohnt sich. Vielleicht gibt es so etwas auch in anderen Bundesländern, Sachsen hat mehrere Adressen.

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