Das Wörterlotto ist eine Übung zum Trainieren der Gedächtnis- und Merkfähigkeit, die ich liebend gerne sowohl in Deutsch als auch in Englisch durchführe. Man braucht dafür einen Overhead-Projektor und eine leere Folie. Auf die Folie schreibt man im Voraus Wörter einzeln auf – in der Grundschule begrenze ich mich auf ca. 10, in der WRS auf ca. 15. Diese schneidet man dann aus, sodass man viele kleine Folienzettel mit je einem Wort drauf hat.

Die Wörter sollen alle etwas gemeinsam haben – das hängt natürlich stark davon ab, was man gerade im Unterricht behandelt und welches Ziel man verfolgt. Nehmen wir mal an, ich behandele gerade ein Rechtschreibthema, zum Beispiel die Konsonantendopplung nach kurzen Vokalen. Dann schreibe ich 10 Wörter auf, die dieses Phänomen aufweisen.

Im Unterricht lege ich dann die Wörter nach und nach auf den OHP, ohne Kommentar. Die Kinder lesen die Wörter erstmal leise für sich. Dann liest sie einer laut vor oder ich lese sie laut vor. Entweder kann hier bereits das RS-Phänomen angesprochen werden, welches mit Sicherheit schon einigen Kindern aufgefallen ist, oder man tut dies am Ende der Übung.

Die Kinder werden dann aufgefordert, sich genau 1 Minute lang die Wörter anzuschauen und einzuprägen. In dieser Zeit muss es muchsmäuschenstill sein. Ist die Zeit abgelaufen, schaltet der Lehrer den OHP aus. Die Kinder haben jetzt wiederum 2 Minuten Zeit, soviele der Wörter aufzuschreiben, wie sie sich merken konnten. Niemand darf beim Anderen abschreiben oder nachfragen. Jeder zählt zunächst, wieviele er sich merken konnte und schreibt diese Zahl auf.

Dann wird nach und nach gesammelt. Die Vergessenen werden von den Kindern ergänzt. Nun schalte ich den OHP nochmal ein und die Kinder kontrollieren ihre Schreibung. Auch an dieser Stelle kann das RS-Phänomen angesprochen werden und die Wörter nochmal genau angeschaut werden. Zur Verdeutlichung lasse ich die Kinder anschließend noch die Silbenbögen unter ihre Wörter zeichnen, sowie die Doppelkonsonanten markieren.

Das Wörterlotto kann als Übung dienen, kann aber auch als Einstieg in ein RS-Thema eingesetzt werden. Eingeführt habe ich in diese Übung bewusst NICHT damit, dass wir nun Rechtschreibung üben, sondern dass wir unser Gedächtnis trainieren wollen. Es geht primär um die Merkfähigkeit und “nebenbei” wird ganz spielerisch die Rechtschreibung trainiert. Im Grunde genommen ist es also ein Methodentraining und wird auch von mir als solches betitelt und immer wieder geübt:

– genau hinschauen beim Lesen
– sich die Wörter so gut es geht merken
– im Gedächtnis behalten
– aufschreiben

Das Training der Merkfähigkeit ist meiner Meinung nach sehr wichtig – denn wer viel lernen möchte und alles gut behalten möchte, braucht ein gutes Gedächtnis und viiiiiel Übung, um möglichst viele Synapsen miteinander zu verknüpfen. Auch das erkläre ich den Kindern.

Wir wissen auch, dass die Merkfähigkeit eine sehr große Rolle beim Richtigschreiben einnimmt: die Kinder müssen lernen…

– genau hinzuschauen beim Lesen;
– sich schwierige Stellen zu merken;
– die Wörter aufzuschreiben und dabei leise mitzuschwingen;
– noch einmal genau hinzuschauen und zu lesen;
– zu kontrollieren.

Wenn sich diese Schritte beim Ab- und Aufschreiben verselbständigen und verinnerlicht haben, wird ein Kind auch viele schwierige Wörter richtig schreiben.

Zurück zum Wörterlotto: Natürlich kann man die Kinder in einer Art Wettbewerb noch mehr anspornen, wenn man das möchte. Wer hat sich beim 1. Durchgang die meisten Wörter merken können? Sinnvoll ist es auch, die Schüler ihre Anzahl aufschreiben zu lassen. Denn wenn man die Übung mit anderen Wörtern immer mal wieder wiederholt, wird den Kindern schnell bewusst, dass sie sich mit der Zeit mehr merken können. Und das hängt wiederum mit den Strategien zusammen.

Am Ende der Übung bietet sich deshalb ein Gespräch darüber an, wie es Schüler X denn nun geschafft hat, sich 9 von 10 Wörtern einzuprägen. Und wie hat es Schüler Y gemacht? Hier können verschiedene Strategien besprochen werden, wie zum Beispiel eine gedankliche Visualisierung oder die Verknüpfung mit persönlichen Erlebnissen oder die Verknüpfung der Wörter zu einer Geschichte oder oder oder.

Beim nächsten Wörterlotto können diese Strategien wiederholt werden und die Kinder dazu angeregt werden, einmal eine andere Strategie auszuprobieren. Ein anderes Mal kann aber auch zum Beispiel vom Lehrer ein kurzer Input zu Lernstrategien kommen, die die Kinder dann spielerisch beim Wörterlotto ausprobieren.

Das Wörterlotto ist auch noch in anderen Varianten denkbar, klickt euch doch mal durch:

Ich freue mich, wenn ihr es mal ausprobiert und berichtet, welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Welche spielerischen Übungen kennt ihr für das Trainieren der Merkfähigkeit und der Rechtschreibung?

Rechtschreibübung Wörterlotto

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