Nun wage ich doch mal einen kurzen Beitrag zu einem Thema, das mir immer wieder die Galle hochkommen lässt… angeregt durch Frau Streng, auf deren Blog ich soeben ähnliches lesen durfte.

Und zwar geht es um Versetzungen!

Vorweg: Ich hatte immer einen guten Draht zur Schulleitung, war schon im Schulleitungsteam und konnte somit Einblicke in das System Schule bekommen, die mir mehr als deutlich gemacht haben, wie wichtig es ist, die Schule als Ganzes zu sehen und nicht (nur) die Kollegen als Einzelfälle. Das ist mir wirklich absolut klar und ich bin auch ein Verfechter dessen, dass Lehrer mehrere Jahre an der gleichen Schule bleiben sollten, einfach um eine gewisse Konstanz an der Schule zu schaffen, und um Konzepte entwickeln, umsetzen und weiterentwickeln zu können. Zumal es meiner Erfahrung nach mit den Jahren auch leichter wird: man kennt die Umgebung, weiß um Ausflugsziele und Kooperationspartner, kennt die ortsansässigen Familien und Firmen und hat sich im Kollegium einen Stand erarbeitet.

Dass also nicht jede Versetzung direkt genehmigt wird, sondern dabei viele viele Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen, die eben über den Einzelfall hinausgehen, ist mir absolut klar und halte ich auch für notwendig. Trotzdem bin ich mit dem Vorgehen, das ich in den letzten Jahren beobachten durfte, was Versetzungen angeht, absolut nicht einverstanden.

Da habe ich schon Dinge erlebt, über die ich hier gar nicht schreiben darf. Nur soviel: manchmal scheint es mir reine Willkür, welcher Antrag genehmigt wird und welcher nicht. Fast stelle ich es mir so vor: Herr oder Frau XY bekommen einen Stapel Versetzungsanträge auf ihren Schreibtisch und jeder ist für sie nur eine Nummer. Sie kennen die Personen nicht und wissen auch nicht um ihre persönlichen Gründe für die Versetzung – oder interessieren sich zu wenig dafür. Hat Herr oder Frau XY dann einen guten Tag, wird der Antrag A genehmigt und Antrag B vielleicht auch noch. Hat derjenige einen schlechten Tag, denkt er sich vielleicht „Ach, Lehrer Z soll mal ruhig noch ein Jahr an der Schule bleiben.“. (Mal ganz abgesehen davon, dass eine Versetzung gelegentlich plötzlich durchgeht, obwohl alles dagegen spricht. Na, wer hat da wohl seine Connections spielen lassen?)

Dass damit in das Privatleben einer Person maßgeblich eingegriffen wird, scheint nebensächlich. Natürlich, dass jemand, dem „nur“ die Fahrerei zu anstrengend ist, zunächst nicht versetzt wird, kann ich noch nachvollziehen, aber dass andere, die sich an einer Schule sehr unwohl fühlen oder wirklich schlechte persönliche Erfahrungen gemacht haben oder aus familiären Gründen ganz woanders hinwechseln möchten, nicht versetzt werden, und das auch nicht nach mehreren Versuchen, will mir nicht in den Kopf. (Übrigens außerdem äußerst verständlich: wenn jemand seit vielen Jahren an einer Schule ist und einfach mal einen Tapetenwechsel braucht. Meine Erfahrung bisher war aber, dass diese „Fälle“ relativ gut durchgehen, wenn auch nicht immer beim ersten Mal.)

Klar weiß ich um den Lehrermangel – es wird ja regelmäßig über die Fehlplanungen geschrieben – und es sieht sicher an allen Schulen nicht so rosig aus, vor allem im ländlichen Raum. Dennnoch: was nützt denn eine Lehrkraft, die wirklich nicht an der Schule sein will und sich stark unwohl fühlt oder die sehr darunter leidet, dass ihre Familie weit weg wohnt? Wie soll so jemand Tag ein Tag aus einen guten Job machen? Und Leidenschaft und Hingabe braucht unser Beruf! Brauchen die Kinder. Und ich kann nur zu gut nachvollziehen, dass man das bei allem Idealismus irgendwann nicht mehr leisten kann, wenn man privat an der Schule/in der Umgebung unglücklich ist. In solchen Fällen sollte meiner Meinung nach mehr auf das Individuum geschaut werden – und zwar einmal nicht auf das Individuum Schüler, sondern das Individuum Lehrer. Denn wir alle wollen doch einen guten Job machen!

Reine Willkür oder …? Versetzungspolitik

5 Gedanken zu „Reine Willkür oder …? Versetzungspolitik

  • 19. September 2017 um 18:13
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    Mit meinem 5. Vertrag als Vertretungslehrerin und jährlichem Zuschauen, wie sämtliche Referendare einfach auf Festanstellungen durchgewunken werden, während ich guten Unterricht in den größten Klassen leiste, bin ich überzeugt, dass in dem Laden überall Willkür herrscht!
    Auch hier kommt man weiter, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, was mir als Arbeiterkind natürlich nicht zugute kommen kann.
    Gerechtigkeit und Fairness? Fehlanzeige!

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  • 19. September 2017 um 19:16
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    Hallöchen! Zu dem Thema kann ich mich auch auslassen. Nein, an die Decke gehen. Mir ging es an meiner Schule schlecht. So richtig schlecht. Erst war es ein Unwohlsein, weil das Kollegium in „Freundinnen der Chefin all inclusive“ und „die anderen ohne Extras“ gesplittet war. Welcher Gruppe ich angehörte, brauche ich nicht erläutern. Dementsprechend gab es von Anfang nichts für mich. Mobiliarwünsche interessierten nicht, sämtliches Freiarbeitsmaterial ging an die Freundinnen der Chefin, selbst die Lehrerhandreichungen musste ich mir privat anschaffen während andere sie bekamen. Nun wurde durch die Freundinnen und die Schulleitung meine Position auch nach außen massiv geschwächt sowie meine Autorität vor anderen untergraben. Es dauerte nicht lang und auch die Eltern (auf einem Dorf) zogen auf’s Feld gegen mich. Es war der blanke Horror. Ich fuhr mit Tränen in den Augen zur Arbeit, wurde depressiv und bat um Versetzung. Doch diese wurde zweimal abgelehnt! Es kam wie es kommen musste. Ich brach zusammen und war monatelang arbeitsunfähig. Doch auch das interessierte niemanden. Selbst im BEM-Gespräch hackte die Schulrätin auf mir rum, gab mir die Schuld an allem. Ich müsse an mir arbeiten und die anderen können nichts für meine Situation… Daher lehnte sie auch dort zunächst die Versetzung ab, da eine Versetzung mich ja in unverantwortlicher Weise belasten würde und sie hätte eine dienstliche Fürsorgepflicht. Ich fühlte mich total – ja, ich benutze diese Formulierung – verarscht. Meine Ärztin sowie meine Therapeuten rieten mir umgehend dazu, unter den Umständen auf keinen Fall arbeiten zu gehen. Letztlich habe ich es dann vor den Sommerferien doch mit reduzierter Stundenzahl probiert und es kam dann wenige Tage vor den Ferien wider Erwarten die Versetzung. Dennoch. Mich hat diese Rücksichtslosigkeit krank gemacht. Ich nehme weiterhin therapeutische Hilfe in Anspruch, fühle mich nur eingeschränkt belastbar. Da frage ich mich doch, wem diese starre Haltung genutzt hat? Den Kindern? Der Schule?
    Nein, denn ich war nicht dienstfähig. Mir? Wohl kaum. Es hat allen nachhaltig geschadet.

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    • 20. September 2017 um 12:59
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      Liebe Nitschy, genau so etwas habe ich auch erlebt. Eine Rektorin, die dazu aufrief, Fehler von bestimmten Kollegen „zu melden“ und ihre Leute definitiv bevorzugte. Wenn man den Kram nicht mitmachte, war man eben nicht gut gelitten. Also sahen viele zu, dass sie gut gelitten waren. Die Folge: Geschleime und Selbstdarstellung ohne Ende! Meine (neue) Teamkollegin sagte dann zu mir: „Wenn du das nicht so machst, wie ich will, gehe ich zur Rektorin. Und da du bei ihr keinen guten Stand hast, kriege ich alles durch! Und wenn das gar nicht geht, sage ich , dass es mit dir nicht klappt!“ So ging es mehrere Monate. Jeden Tag Bedrohung. Ich dachte an die Kinder und hielt still. Sie mochte I-Kinder nicht und verteilte sie, sobald sie alleine war, auf andere Klassen. Regelmäßig vorgekommen, bis Eltern sich (bei mir) beschwerten. In der Diskussion erzählte sie der Rektorin, ich sei es gewesen. Hah! Ich lud dann dazu ein, die Eltern zu fragen, ob das bei mir auch nur ein einziges Mal vorgekommen sei. Das wollte man nicht. Daraufhin forderte ich eine Supervision. Auch das wurde abgelehnt. Lehrerrat gab mir unter der Hand „total recht“, aber öffentlich weigerten sich alle, sich zu äußern. Dann wurde ohne mein Wissen das Ende des Teams bekannt gegeben. Die Kollegin war zwei Jahre vor der Rente und hatte mir schon angedroht, dass sie „niemals“ gehen würde. Also war klar, wer geht. Und das bei einer wirklich netten Klasse, in der ich gerne geblieben wäre….. so kann es gehen! VG, Karma

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  • 19. September 2017 um 19:41
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    Liebe Diana,
    du sprichst mir aus der Seele.
    Ich bin jetzt das 3 Jahr in einer Schule in München, um fahre jeden Tag einfach 2 Std Zug. Eine Wohnung in München ist kaum bezahlbar, ebenso habe ich Zuhause einen festen Freund. Hinzukommt das in meiner Heimat schon jetzt nach 1 Woche Schule die mobilen Reserven aus sind und Lehrer dringend gebraucht werden. In München selbst haben wir zahlreiche Diffstd und AGs…
    Ich hoffe, dass es nächste Jahr endlich mit der Versetzung klappt .

    Lg Lena

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  • 20. September 2017 um 22:02
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    Hallo liebe Kolleginnen!
    Wie ihr beschreibt, ist es auch bei uns in Österreich…
    Versetzungen werden Jahre nicht durchgeführt.., dann heißt es, wenn sie mal in der Bildungsregion sind, ist eine Versetzung in den Wunschbezirk reine Formsache…
    Und heuer wieder… eine „Dienstältere“ wird aus einer anderen Bildungsregion mir gegenüber vorgezogen, weil sie ja dienstälter ist ….
    Es wird gehandelt, wie gefällt… :o(

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