Bereits in Klasse 1 beginne ich mit den Kindern, selbstorganisiertes Lernen anzubahnen. Wie bereits hier beschrieben, ist mein oberstes Ziel, das ich am Ende der 4. Klasse erreicht haben möchte, das selbstorganisierte, individuelle und kooperative Lernen. Bei den Erstklässlern fange ich da ganz ganz klein an.

Im Folgenden möchte ich den Begriff “Selbstorganisiertes Lernen” mit SOL abkürzen.

Im ersten Halbjahr der ersten Klasse geht es ja erstmal sehr viel darum, die Kinder an die Schule zu gewöhnen. Regeleinhaltung, Konsequenzen, ruhig sitzen, sich melden, feste Zeitstunden und ein fester Rhythmus, Umgang mit Material u.ä. spielen zu der Zeit noch eine vorrangige Rolle. Parallel dazu lernen die Kinder die ersten Buchstaben und Zahlen kennen, wobei sie eine Zeit lang erstmal noch mit der richtigen Motorik zu kämpfen haben. In dieser Zeit lege ich auch meinen kompletten Fokus auf diese ersten Lernfortschritte und stelle das SOL erstmal hinten an.

Spätestens nach den Weihnachtsferien fange ich dann langsam an, das SOL zu initiieren.

Der allererste Schritt, der den meisten von euch sicher wie selbstverständlich vorkommt, ist die Binnendifferenzierung des angebotenen Materials. Die Kinder müssen zunächst mal dazu angeleitet werden, nicht alle mit dem gleichen Material zu arbeiten, sondern zu erkennen, wie stark sie in einer Kompetenz bereits sind und sich entsprechendes Material auszusuchen.

Dies ist anfangs schon eine große Herausforderung und erfordert viel Zuwendung und Beratung durch die Lehrperson. Das heißt, im ersten Schulhalbjahr muss ich extrem viel beobachten und herausfinden, wo die Stärken und Schwächen meiner neuen Schüler liegen. Dann gebe ich den Kindern entsprechende Rückmeldung.

Auch regelmäßige Reflektion spielt hier eine große Rolle. Das heißt, nach Arbeitsphasen lasse ich die Kinder – dies schon ziemlich seit Beginn der 1. Klasse – ihre Arbeit und ihr Vorankommen reflektieren. Wie ich das mache, könnt ihr hier nachlesen. Anfangs fällt den Kindern das sehr schwer. Mit der Zeit lernen sie allerdings zu erkennen, worin sie schon sehr gut sind, wobei sie noch Probleme haben und was ihnen hilft, voranzukommen und sich zu verbessern.

Wenn sie auf diesem Weg sind, lernen sie mit meiner Anleitung und Unterstützung, sich aus einem differenzierten Materialangebot die passenden Materialien herauszusuchen, bis sie das schließlich selbständig tun. Dabei habe ich die einfache visuelle Kennung 1 Stern, 2 Sterne, 3 Sterne, wobei die 1-Stern-Aufgabe den Mindeststandard, 2 Sterne den Regelstandard, 3 Sterne den Expertenstandard abbilden. Wichtig sind mir dabei drei Punkte:

  • für den Mindeststandard müssen immer Hilfsmittel zur Verfügung stehen;
  • Aufgaben für den Expertenstandard sind mir sehr wichtig, um starke Schüler auch wirklich nach oben hin zu fördern und herauszufordern;
  • für jedes Niveau bestimme ich nach Absprache mit den Kindern “Profis”, die den anderen für Fragen zur Verfügung stehen.

Natürlich ist auch bei dieser Art von Arbeiten eine Ergebnissicherung immens wichtig. Wie ich diesbezüglich vorgehe, erfahrt ihr morgen. 

Selbstorganisiertes Lernen: Beginn in Kl. 1
Markiert in:                        

2 Gedanken zu „Selbstorganisiertes Lernen: Beginn in Kl. 1

  • 2. Juni 2015 um 8:47
    Permalink

    Hallo Diana,
    könntest du bitte einmal konkretisieren, wie deinMaterial genau aussieht, das du verwendest? Ist das eine Fibel, wenn ja welche – es eignen sich nicht alle für SOL. Welches Lehrwerken für Mathe – da eignen sich auch nicht alle. Hast du Pläne im Hintergrund laufen, die die Kinder als Stütze für ihr Zeitmanagement haben – und auch gut für dich ;-) sind? Und ganz ehrlich, es gibt nach meiner Erfahrung nicht nur 3 Niveaustufen , die man in jeder Klasse hat , sondern mindestens 10………
    Herzliche Grüße Andrea

    Antworten
    • 2. Juni 2015 um 9:06
      Permalink

      Hi Andrea. Natürlich gibt es viel mehr Niveaustufen, aber drei anzubieten ist m.M.n. das Maximum an Aufwand, das ich mit gutem Ertrag leisten kann. Dabei findet jeder etwas und wem eine Stufe zu schwierig ist, der holt sich Hilfe. Viele Aufgaben sind ja sowieso auch noch in sich differenziert, sprich Schüler A holt aus der einen Aufgabe das raus, Schüler B aus der gleichen was anderes. Oder? LG

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.