… oder: Wie können Kinder ungestört arbeiten?

Wer kennt es von euch nicht, diese Tage an denen es einfach nicht ruhig werden will während der „Stillarbeit“?! Die Kinder scheinen irgendwie unter Strom zu stehen und es summt und brummt wie in einem Bienenstock. Es geht dann weniger darum, dass es konkrete Unterrichtsstörungen durch einzelne Kinder gibt, sondern einfach eine allgemeine Unruhe.

Meine Mutter, Gott hab sie selig, würde an solchen Tagen behaupten, dass dies ein untrügliches Anzeichen dafür ist, dass es bald ein Unwetter geben wird – oder zumindest Regen. Und dann stehen sie wieder vor einem, jene braven, fleißigen Schüler, die einfach nur ihre Aufgaben machen wollen und sich beschweren: „Ich kann mich nicht konzentrieren! Es ist mir einfach zu laut! usw.!“

Es gibt diese Kinder bestimmt in jeder Klasse, die zum Arbeiten einfach etwas mehr Ruhe und auch eine Art „Abgeschiedenheit“ brauchen. Diesen Kindern ist dann auch häufig die „normale“ Arbeitslautstärke in der Klasse zu viel.

Um allgemein eine ruhige Arbeitsatmosphäre zu bekommen, nutze ich schon seit Jahren meine „Flüstermusik“.

Das bedeutet, dass ich im Hintergrund ganz leise ruhige Instrumentalmusik bzw. Meditationsmusik laufen lasse. Die Regel lautet dann, dass alle so leise sich verhalten sollen, dass die Musik gerade noch zu hören ist. Wer die Flüstermusik nicht mehr hört, ist also wohl gerade zu laut. Da hilft dann auch bei aufkeimender Unruhe schon die Frage in den Raum „Wer von euch hört noch die Flüstermusik?“, um wieder eine gewisse „Beruhigung“ herbeizuführen.

Was aber mit jenen „empfindlichen“ Schülerinnen und Schülern, denen auch diese ruhige Atmosphäre nicht ausreicht, um sich auf ihre Aufgaben konzentrieren zu können?

Ich habe im Laufe der Jahre dafür einige Hilfsmittel in mein Repertoire aufgenommen:

Da ich, Gott sei Dank, einen recht großen Klassenraum und eine kleine Klasse mit nur 13 Kindern zur Zeit habe, nutze ich gerne zusätzliche Sitz- und Arbeitsplätze. In meinem Raum gibt es an den Seiten und z.B. in einer Ecke hinter dem Raumteiler zusätzliche Schülertische, die ich irgendwann zu „Luxusplätzen“ erkoren habe. Diese Plätze weise ich dann den Kindern zu, die Ruhe zum Arbeiten brauchen.

Dabei wurde in der Klasse dieses Umsetzen auf einen anderen Platz durch den Begriff „Luxusplatz“ positiv belegt, da es ja keine Bestrafung darstellen soll, wenn ich dort sitze, sondern ein Privileg. So wurden diese „Luxusplätze“ in meiner vorherigen Klasse, immerhin 18 Kinder, heiß begehrt. Zu Beginn der Arbeitsphase habe ich damals immer mit den Kindern abgestimmt, wer einen solchen besonderen Platz heute bekommen darf. Als Kennzeichen dafür gab es eine besondere Karte, die sozusagen das Ticket für diesen Platz darstellte.

Mittlerweile ist es in meiner aktuellen Klasse so, dass die Kinder sich selbstständig einen solchen Arbeitsplatz wählen, wenn sie Ruhe brauchen. Natürlich gibt es auch hin und wieder von mir einen „liebevollen“ Hinweis, sich doch solch einen Luxusplatz zu suchen, wenn ich merke, dass dieses Kind nicht so recht in die Arbeit finden kann.

Ein weiteres Mittel zur Unterstützung habe ich erst seit diesem Schuljahr ausprobiert: die Sichtschutzwand bzw. Trennwand.

Diese sieht aus wie eine überdimensionale Mappe mit einer Frontseite und rechts und links Seitenteilen, die aus festem Karton gemacht ist und somit stabil stehen kann. Ich hatte diese Sichtschutzpappen im Internet als Bild entdeckt, und zwar zuerst auf der Seite eines amerikanischen Lehrer-Blogs namens „Camping Teacher“. Später habe ich diese „Do-not-disturb-folder“ auch noch in anderen Varianten entdeckt. Ihr könnt es einfach googeln, dann gibt es das passende Bild dazu.

Kurzerhand bastelte ich zu Hause so eine Pappe nach und schleppte sie mit zur Schule. Die Kinder fanden diese Trennwand natürlich erst mal super, um sich dahinter zu verstecken und ungestört ihrer eigenen „wichtigen“ Beschäftigungen nachzugehen. Da war ich schon kurz davor, die Trennwand wieder einzumotten!

Aber nach einigen Stunden wurde der Nutzen des Sichtschutzes den Kindern doch klar. Die ersten Kinder holten sie sich selbstständig während der Wochenplanarbeit und siehe da – plötzlich funktionierte es!

Gerade den Kindern, die sich schnell von visuellen Reizen im Klassenraum stark ablenken lassen, hilft die Trennwand gut. Klar muss man darauf achten, wer sich die Trennwand zum Arbeiten holt und was damit passiert und vor allem auch dahinter! Man kennt ja seine Pappenheimer! ;-)

Dann wurde ich von meinen Kolleginnen auf die Lärmschutz-Kopfhörer von Timetex aufmerksam gemacht.

Zwei meiner Kolleginnen hatten sich jeweils 2 dieser Kopfhörer besorgt und in ihren Klassen ausprobiert. Diese Kopfhörer sollen anders als die Trennwände nicht die visuellen Reize ausblenden, sondern die akustischen.

Ich hatte anfangs große Bedenken, dass diese Kopfhörer nun erst recht die willkommene Einladung dafür sind, damit Blödsinn zu treiben und sich darüber lustig zu machen. Meine Kolleginnen hatten zwar beobachtet, dass die Kopfhörer anfangs heiß begehrt und viel beachtet worden waren, aber nach kurzer Zeit ein Gewöhnungseffekt eingetreten war und die „MickyMäuse“ kein Thema mehr waren.

Also wagte ich den Versuch in meiner Klasse. Und was soll ich sagen?

Meine Erfahrungen sind ähnlich und somit durchaus positiv. Am Anfang wurden die Kopfhörer viel genutzt, mussten auch dem ein oder anderen einmal weggenommen werden, aber nach und nach, beruhigte sich die Klasse.

Mittlerweile liegen die Kopfhörer in einem Korb im Regal und können von den Kindern selbstständig genommen werden. Und es nehmen sich auch wirklich nur die Kinder einen Kopfhörer, die damit die Erfahrung gemacht haben, dass sie ihnen beim Arbeiten helfen.

Wie lautet also mein Fazit? Ich denke alle Hilfsmittel für Kinder, die etwas mehr Ruhe brauchen, um sich zu konzentrieren, haben ihre Berechtigung, solange sie helfen. Dabei zeigt sich auch, dass dies auch ganz unterschiedliche Mittel für einzelne Kinder sein können. Hier ist sicher etwas Geduld gefragt, wenn erstmal ausprobiert werden muss und der erste Hype in der Klasse sich für diese Hilfsmittel gelegt hat.

Ich kann aber nur ermutigen, die verschiedensten Dinge auszuprobieren, die innerhalb der gegebenen Umstände möglich sind. Nicht für alle Kinder sind Trennwände oder Kopfhörer das Richtige, auch funktioniert nicht in jeder Klasse eine „Flüstermusik“. Aber durch ein bisschen Kreativität und Mut, neu eingeführten Hilfsmitteln etwas Zeit zu geben, kann man einiges verändern!

Wie und welche Hilfsmittel oder Tricks und Kniffe nutzt ihr für die Arbeitsphasen, um eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, in der alle Kinder gut lernen können?

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Den letzten Beitrag von Frau Urbi “Der Schultaschen-Parkplatz” könnt ihr hier nochmal nachlesen.

Sichtschutz, Kopfhörer, Luxusplätze & Co.

Ein Gedanke zu „Sichtschutz, Kopfhörer, Luxusplätze & Co.

  • 25. Mai 2017 um 21:35
    Permalink

    Welch ein Luxus: großer Klassenraum und nur 13 Kinder. Biete normalen Klassenraum mit 25 Kindern. Extraplätze nicht möglich. Die Kopfhörer helfen. Schönes Wochenende.

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