Als ich nach meinem Referendariat eine Stelle an einer sehr sehr ländlich gelegenen Schule angeboten bekam, überlegte ich hin und her. Denn ich wohnte seit Jahren am Rande einer wunderbaren Stadt und wollte meinen Wohnort um nichts in der Welt aufgeben. Andererseits kam eine Schule in der Stadt kaum in Frage. Ein Kompromis war das Resultat: ich blieb in der Stadt wohnen und pendelte fortan zur Schule.

Nach einer längeren Fahrt durch Berg und Tal fährt man irgendwann über einen Berg drüber und kann an der Stelle, wenn man Glück hat, bis zum Alpenrand sehen. Ein Stück weiter fährt man in das kleine Dörfchen rein, umgeben von viel Wald und Wiesen, in dem die Schule steht – ein wunderschöner Altbau mit vielen großen Fenstern und alten Dielenböden.

Und obwohl mich die Fahrt immer mal wieder ganz schön stört – vor allem, wenn am Abend nochmal eine Veranstaltung ansteht – würde ich nach nun einigen Jahren im Beruf die ländliche Idylle nicht gegen einen Stadtschule tauschen wollen.

Irgendwie hat man da oben das Gefühl, “die Welt sei noch in Ordnung”. Natürlich gibt es auch bei uns etliche schwierige Familien und Kinder mit allen möglichen Päckchen, die sie zu tragen haben… Dennnoch glaube ich, führe ich dort ein ganz anderes Berufsleben als ein Kollege in der Stadt. Die Klassen sind deutlich kleiner, die Eltern interessieren sich zum Großteil für die Schule und arbeiten mit uns zusammen, die Unternehmen vor Ort sind immer zur Kooperation bereit… und die Kinder grüßen mich und halten mir oft sogar die Tür auf, wenn ich zur Schule komme. Das freut mich und gibt mir morgens gleich ein gutes Gefühl.

Aus diesen Gründen kann ich persönlich nicht nachvollziehen, wenn Referendare nach ihrer Ausbildung ewig lange verschiedene Stellen ablehnen, weil sie unbedingt an eine Stadtschule wollen – es sei denn, die Arbeit dort ist das, was sie wirklich machen wollen. Denn ich glaube, es ist fast ein ganz anderer Job, den ein Lehrer an einer Stadtschule mitunter leistet. Natürlich kommt es auf die Schule und die Umgebung an – man kann das sicher nicht verallgemeinern – aber ich glaube doch, dass es an einer Stadtschule schwieriger sein kann.

Über das Schulleben an einer Dorfschule hatte ich hier schon einmal geschrieben.

Ich würde sehr gerne wissen, an welchen Schulen ihr so arbeitet und was ihr als Vorteile oder Nachteile anseht. Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass bei Umfragen viele teilnehmen, hier eine neue. Natürlich sind auch Kommentare willkommen! Ich freue mich besonders auf Kollegen, die meine Meinung widerlegen und gerne an einer Stadtschule arbeiten :-)

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photo credit: Chilton Foliat via photopin (license)

Stadt oder Land?

7 Gedanken zu „Stadt oder Land?

  • 11. Oktober 2016 um 9:38
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    Hallöchen,
    ich habe auch viele Stellen abgelehnt, die auf dem Land waren. Nicht weil ich unbedingt auf eine Stadtschule wollte, sondern weil der Fahrtweg zu lang war. Ich wohne in einer Stadt und habe jetzt eine Stelle in der Stadt. Ich denke, die Arbeit auf dem Land kann einfacher sein, aber ich würde nicht tauschen wollen.
    LG karla

    Antworten
  • 11. Oktober 2016 um 14:26
    Permalink

    Huhu,
    ich wollte unbedingt an eine Landschule und habe eine mitten in der Stadt bekommen.
    Sorum geht es also auch.

    Liebe Grüße
    Tina

    Antworten
  • 11. Oktober 2016 um 14:38
    Permalink

    Hallo zusammen,
    ich arbeite in einer Stadtschule und bin dort sehr glücklich! Allerdings muss ich zugeben, dass ich zum einen ein absolutes Stadtkind bin und mit der dörflichen Enge nicht so gut zurecht käme. Zum anderen arbeite ich in einem Stadtteil, in dem sich auch viele Eltern sehr in der Schule engagieren (manchmal vielleicht sogar zu viel) und hie Welt auch hier noch in Ordnung scheint. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nur ein paar Kilometer entfernt ganz anders aussieht und dort die Arbeit tatsächlich ganz anders gelagert ist. Ich bin zumindest so wie es ist sehr glücklich!
    Liebe Grüße, Anja aus Hamburg

    Antworten
  • 11. Oktober 2016 um 16:17
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    Ich habe meine Ausbildung an einer süßen kleinen Dorfschule gemacht und trauere dieser sehr hinterher. Jetzt bin ich an einer Stadtschule. Es ist viel größer und unpersönlicher (vorher kannte ich jedes Kind der gesamten Schule, jetzt muss ich bei Pausenaufsichten ständig Streitigkeiten von mir völlig fremden Kindern klären). Allerdings ist das Kollegium auch größer und somit findet jeder so seine Gruppe. Dass es Gruppen gibt, finde ich schade. Andererseits kann man den nicht ganz so heißgeliebten Kollegen auch einfach gut aus dem Weg gehen. Die Wege und die Bürokratie sind natürlich auch größer. Spontan mal irgendwas entscheiden? Keine Chance. Alles ist ein Verwaltungsakt.

    Antworten
  • 11. Oktober 2016 um 17:14
    Permalink

    Ich bin jetzt gerade aus familiären Gründen von einer “Landschule” auf eine “Stadtrandschule” gewechselt. Ich habe sehr gerne an meiner bisherigen Schule unterrichtet. Obwohl die letzten 2 Jahre durchaus ihre schwierigen Situationen hatten. Die Schüler an meiner neuen Schule muss man schon etwas anders angehen. Allerdings ist für meine tagtägliche Arbeit viel wichtiger, wie das Klima im Kollegium und gegenüber der Schulleitung ist. Gerade Letztere kann es einem möglich machen auch eine sehr schwierige Klasse zu führen, wenn sie den Kollegen vermittelt, dass sie ihnen in ihren Entscheidungen vertraut. Nichts ist schlimmer als eine Schulleitung, die gegenüber Eltern, Schulamt und anderen Behörden NICHT hinter ihren Lehrern steht. Die stets der Meinung ist, dass der/ die Kollegin das einfach nur falsch angeht und das auch so äußert; im schlimmsten Fall vor Kollegen oder noch schlimmer vor den Schülern oder Eltern. DAS macht Einzelkämpfer, die sich nicht trauen Probleme anzusprechen und schwierige Schüler mit der nötigen Konsequenz zu behandeln, die sich stets vor Elternanrufen an der Schule fürchten.

    Antworten
  • 11. Oktober 2016 um 19:59
    Permalink

    Hallo,
    ich habe mein Referendariat an einer Dorfschule gemacht mit sehr engagierten Eltern und auch meine erste Anstellung war an einer ähnlichen Schule mit ähnlichem Einzugsgebiet.
    Nun arbeite ich in einer Stadt und dort im absoluten soz. Brennpunkt. Ich kann nur sagen, dass ich mich dort sehr wohlfühle (das Kollegium und die Schulleitung sind super, das hilft ungemein).
    Die Eltern kümmern sich gar nicht und als wir auf Klassenfahrt fuhren, wurden von 24 von 25 Schülern die Klassenfahrt vom Amt bezahlt. Die Kinder sind vielleicht schwieriger (geringere Frustrationsgrenze, höheres Gewaltpotential) aber sie sind dankbarer, weniger überheblich und respektvoller.
    Ich kann aber nur zustimmen, dass man die Arbeit an den unterschiedlichen Schulen kaum vergleichen kann. Ich arbeite mit meiner 4. Klasse (mit 8 anerkannten Förderschülern und 80% der Kinde rmit Migrationshintergrund) nicht annäherend in Deutsch auf dem Niveau einer 4. Klasse außerdem kann man die Eltern nicht mit einbeziehen, da sie entweder kein Deutsch sprechen oder kein Interesse haben.
    Ich möchte jedoch auf gar keinen Fall die Schule wechseln, da ich hier das Gefühl habe noch etwas bewirken zu können und eine ganz andere Bindung und Beziehung zu meinen Schülern aufbauen konnte.

    Antworten
    • 11. Oktober 2016 um 22:13
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      Ich kann mich Lotte und Janina anschließen.
      Mein Ref habe ich an einer größeren Dorfschule gemacht und bin dann etwas später in ein anderes Bundesland gewechselt. Ich wolkte sehr gerne wieder aufs Land, habe aber eine Stelle in einer Großstadt im sozialen Brennpunkt (ähnlich Lotte) bekommen. Ich habe einen Fahrtweg von etwas über eine Stunde, was für mich zur Zeit völlig ok ist. Ich mag die Arbeit mit gerade diesen Schülern, auch wenn ich womöglich nicht auf dem Klassenniveau bin wie andere Klassen auf dem Land. Manchmal/Häufig ist die Kommunikation mit Eltern schwierig und nicht alle können/wollen ihre Kinder unterstützen. Aber wenn alles aalglatt läuft, würde ich mich wahrscheinlich in meiner Arbeit langweilen. :-)

      Antworten

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