Dass die Leseförderung bei uns allen in den Klassen einen hohen Stellenwert einnimmt, ist nur selbstverständlich. Daher ist es wichtig den Kindern das Lesen mithilfe verschiedener Methoden und Materialien nahe zu bringen und gerade für schwächere Leser Hemmungen abzubauen.

Auch in meiner Eingangsstufenklasse versuche ich das Lesen auf unterschiedlichen Wegen immer wieder in den Unterrichtstag einzubauen. So findet Lesen nicht nur als Aufgabe innerhalb des Wochenplans statt oder als Hausaufgabe sondern bekommt eine neue Bedeutung als Klassenritual.

So entstand bei uns die „Kuschel-Lese-Zeit“ oder auch „Stille Lesezeit“. Viele von euch haben vielleicht auch bereits eine feste Lesezeit in den Schulalltag eingebaut, z.B. nach der Pause.

Ich baue unsere Lesezeit meistens nach der ersten kurzen „Flitzepause“ nach der ersten Arbeitsphase im Wochenplan ein. Manchmal muss aus verschiedenen organisatorischen oder anderen Gründen die Lesezeit auch einmal zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden oder auch ganz ausfallen. Aber da die Kinder diese Lesezeit sehr genießen, gehört sie eigentlich zum festen Tagesablauf dazu.

Warum ist unsere Lesezeit nun „kuschelig“ oder auch „still“?

Nun das erklärt sich dadurch, dass wir unseren Gruppenraum, der mit Teppichboden ausgelegt ist, zum „Kuschelzimmer“ ernannt haben. Die Sitzkissen und Sitzelemente, die es dort gibt, verstärken noch die „kuschelige Atmosphäre“!

Findet also unsere gemeinsame Lesezeit dort statt ist es eine „kuschelige Lesezeit“!

Die Kinder finden sich zu Beginn der Lesezeit zu Paaren zusammen. Die „Partnersuche“ gestalte ich unterschiedlich: Meistens lass ich die Kinder durch Bildkartenpaare ihren Partner finden. Die Karten wurden also zugelost und die Lesepaare finden sich zufällig.

An manchen Tagen steuere ich die Bildung der Lesepartner aber gezielt, wenn ich z.B. möchte, dass ein Erstklässler mit einem Zweitklässler liest oder ein starker Leser mit einem schwächeren zusammen liest. Es gibt aber natürlich auch die Möglichkeit, dass die Kinder sich ganz frei für einen Lesepartner entscheiden dürfen. Diese Wahlmöglichkeit nutze ich aber sehr selten, da natürlich die Kinder dann immer die besten Freunde als Partner aussuchen.

Wenn ich mit einem bestimmten Kind noch einmal lesen möchte, kann ich mich auch als Lesepartner in die Gruppe integrieren und ziehe selber eine Bildkarte als Los, dass dann „rein zufällig“ zu dem Kind passt, mit dem ich lesen möchte. Meistens nutze ich aber die Gelegenheit mich als stiller Zuhörer unter die Kinder zu mischen und gehe herum und setze mich an verschiedenen Stellen dazu.

Wenn nun der Lesepartner gefunden ist, dürfen sich die Kinder entweder im „Kuschelzimmer“ einen gemütlichen Platz suchen oder mit einem Sitzkissen auch im Klassenraum sich mit ihrem Partner irgendwo „einkuscheln“. Hierbei ist (fast) jeder Platz als Leseplatz erlaubt: unter den Tischen, auf dem Boden mitten im Raum, in den Nischen zwischen den Regalen, unter der Tafel usw. Die Kinder genießen es, sich eine kleine Höhle unter den Tischen einzurichten, andere lieben es sich einfach mitten im Raum auf den Boden zu fletzen.

Ein heißbegehrter Platz ist z.B. immer unter meinem Pult!

Die Kinder lesen sich dann abwechselnd aus ihren Büchern (Tischbüchern, die sie immer unter dem Tisch haben) oder Lesezetteln vor. Hierbei gebe ich entweder vor, ob sie nach einem Satz, einer Seite oder nach Zeit wechseln sollen oder die Kinder sprechen sich auch selbst ab, wie sie wechseln wollen.

Wichtige Regeln für unsere Lesezeit sind, dass jeder vorliest und dass so leise gelesen wird, dass die anderen Lesepaare nicht gestört werden. Daher auch der alternative Name „Stille Lesezeit“!

Meine Erfahrung mit diesem Leseritual ist, dass die Kinder sich mit einem Partner in so einer angenehmen Atmosphäre sehr wohl fühlen und so die Hemmungen gerade bei schwächeren oder unsicheren Kindern geringer sind, etwas vorzulesen. Kinder, die niemals sich melden würden, um z.B. vor der Klasse vorzulesen, fühlen sich in dieser Situation nicht so unter Druck gesetzt und lesen ja „nur“ vor ihrem Partner.

Außerdem ist schön zu beobachten, wie die Kinder sich gegenseitig beim Lesen unterstützen. Da werden gemeinsam schwierige Wörter erlesen oder der Partner hilft, die richtige Zeile zu finden usw.. Die Dauer der Lesezeit ist unterschiedlich lang, aber meistens so ungefähr 10 Minuten. Wenn ich merke, dass die Unruhe wieder aufkeimt, weil einige mit ihrem Lesetext oder Leseheft fertig sind, beende ich durch ein akustisches Signal die Lesezeit wieder und es wird aufgeräumt.

Wie gestaltet ihr so eine Lesezeit in euren Klassen oder habt ihr andere Leserituale, die ihr täglich oder wöchentlich einsetzt? Wie sind eure Erfahrungen damit?


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Unsere kuschelige Schmöker-Zeit: ein Leseritual zur Leseförderung

4 Gedanken zu „Unsere kuschelige Schmöker-Zeit: ein Leseritual zur Leseförderung

  • 28. August 2017 um 16:30
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    Liebe Frau Urbi!

    Deine Idee ist klasse und entschleunigt die Zeit in der Schule zudem. Danke :-)

    Kennst du ein Kamishibai? Ich habe am Nachmittag eine Leselöwen-AG. Dort lese ich auch mal allein gemeinsam etwas auf besondere Weise vor.

    Viele Grüße, Silvi

    Antworten
    • 29. August 2017 um 20:19
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      Danke für deinen netten Kommentar! Deine AG ist bestimmt auch ein Ort, der viele Möglichkeiten bietet einmal anders zu lesen! Kannst du mir ja mal bei Gelegenheit berichten! 😉

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  • 29. August 2017 um 20:05
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    Hallo!
    Das ist ein sehr schönes Ritual.. und noch einmal etwas ganz Anderes als das Vorlesen bei den sog. „Lesemüttern“, die bei uns einmal in der Woche kommen!
    Ich habe zwar eine große Klasse, aber auch mal Halbgruppenstunden – da werd ich das mal ausprobieren.. auch mit Deinem Ideen der Partnerfindung! Danke für die Tipps!
    LG, Sandra

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    • 30. August 2017 um 12:21
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      Danke für deinen netten Kommentar! Lesemütter habe ich auch schon mal gehabt! Mittlerweile gibt es noch eine Lese-Oma bei uns! Das ist immer noch ein sehr beliebter Termin in der Woche!

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