Belohnungssysteme sind ja ein strittiges Thema. Ist ein gutes Verhalten in der Schule, das den Regeln entspricht, etwas, das ich einfach verlangen kann, oder ist es legitim, es zu belohnen und damit einen Ansporn zu geben?

Ich habe auf meinem Blog schon zahlreich darüber geschrieben. In meiner Klasse, die ich nun im 4. Jahr führe, habe ich seit Klasse 1 das Belohnungssystem entwickelt. Zunächst nach meinen Ideen, später wurden die Ideen der Kinder einbezogen. Nach und nach haben sich meine Kollegen das System abgeschaut und nun wird es so oder so ähnlich in der gesamten Grundschule angewandt. Wer das Ganze nochmal nachlesen möchte, klickt bitte hier:

Belohnungssystem in der GS (1)
Belohnungssystem in der GS (2)
Belohnungssystem in der GS (3) Gutscheine
Belohnungssystem in der GS (4) Update

Ich bin der Meinung, das solche Systeme, Regeln und Rituale so lange ihren Zweck erfüllen, solange sie notwendig sind und gut genutzt werden. Ziel ist jedoch immer der Punkt, an dem ein solches System überflüssig wird. Dieser Punkt ist in meiner Klasse nun im vierten Schuljahr gekommen.

Im ersten Halbjahr lief alles noch weiter wie gewohnt. Ich muss rückblickend dazu sagen, dass es einige Eltern gab, die besonders von den Hausaufgabengutscheinen nicht so angetan waren. Aber ich habe sie dennnoch beibehalten und die besagten Eltern haben es hingenommen. Jedenfalls habe ich nach den Weihnachtsferien plötzlich gedacht, dass ja so gut wie kein Kind mehr einen Smiley verliert. Es gab etliche Tage in Folge, an denen alle sich an die Regeln hielten und es keinen Grund gab, sie zu ermahnen. Natürlich haben sie dafür auch ein Lob verdient, das steht außer Frage. Aber sie jeden Tag mit Punkten zu belohnen und dann einen Gutschein nach dem anderen rauszugeben, schien mir plötzlich nicht mehr sinnvoll.

Also entschied ich mich kurzerhand dazu, dieses System abzuschaffen. Zumindest zur Hälfte, was konkret bedeutet: die Schüler können sich keine Punkte mehr verdienen. Trotzdem bleiben die Smileys bestehen und dienen zur Visualisierung einer Ermahnung, falls es denn mal eine gibt. Nach drei Ermahnungen folgt weiterhin eine Konsequenz.

Für die Schüler war das erstmal ein kleiner Schock, den sie gar nicht so gut fanden. Aber ich glaube, sie waren einfach auch ein bisschen verwöhnt ;-) Ich bin der Meinung, dass man sie nun, nachdem sie so eine gute Klassengemeinschaft geworden sind und viele Schwierigkeiten unter sich ausmachen, auch “nur” durch Worte und Anerkennung für ihr gutes Verhalten loben kann und es einfach keine Gutscheine o.ä. mehr braucht. Und ich bin froh damit. Froh, dass es die Kinder soweit gebracht haben und dass das System in den Vorjahren so gefruchtet hat. Ich würde es immer wieder so machen.

Wenn sich das Belohnungssystem erledigt…

2 Gedanken zu „Wenn sich das Belohnungssystem erledigt…

  • 19. Januar 2017 um 17:58
    Permalink

    Herzlichen Glückwunsch! Das ist in der Tat etwas worauf du und die Kinder stolz sein können!
    Als möglichen Zwischenschritt wäre mir noch eingefallen, die Kinder als Gruppe zu belohnen. Wenn es oft Tage gibt, an denen alle sich an die Regeln halten, einen Punkt für die Klasse und als Belohnung dann irgendwann ein Spiel oder so. Aber da bist du ja schon einen Schritt weiter!
    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es in unterschiedlichen Klasse unterschiedliche Systeme/Anreize braucht. Bei mir gibt es zum Beispiel auch einfach Smileys an die Tafel gemalt für die Gruppen die nach dem entsprechenden Signal leise und startklar am Platz sind. Die schnellste Gruppe bekommt ein “besonderes” Smiley gemalt (zur Zeit einfach mit Krönchen), die anderen ein ganz normales. Und das reicht an dieser Stelle erstaunlicherweise als Anreiz (am Ende des Tage werden sie wieder abgewischt…). Bei meiner alten sehr sehr schwierigen Klasse hätte das so nie funktioniert, da musste das auch in Punkte/Belohnung umgewandelt werden. Ansonsten kann man bei mir auch noch individuelle Punkte sammeln (allgemein für die Einhaltung der Klassenregeln) , aber auch da reicht es bei meinen jetzigen Schülern aus, alle 20 Punkte gegen einen simplen Aufkleber einzutauschen ,während es bei meiner alten Klasse deutlich schneller gehen musste und sie schon nach 10 Punkten aus einer Kramkiste was aussuchen durften.
    Ganz am Anfang haben wir es in dieser Klasse auch ohne Belohnungssystem probiert, aber es hat sich schnell gezeigt, dass das allein nicht funktionierte. Insbesondere das Sichtbarmachen mittels Verhaltensampel ist für die Kinder wirklich wichtig.

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  • 20. Januar 2017 um 21:14
    Permalink

    Jedes Belohnungs”system” ist immer auch ein Spiegelbild der Lehrerin. Dieser Gedanke fehlt in bisher jedem von Grundschullehrerinnen eingesetzten Belohnungs”systemen”. Was hat das mit MIR zu tun? Warum ist es MIR wichtig. MIR bezogen auf meine(!) ganz eigene(!) Persönlichkeit und mein Wesen!

    Ich kenne Lehrerinnen und Lehrer in der Grundschule, die Belohnungs”systeme” irgendwann einmal eingesetzt haben, aber dann den Sinn und Nutzen nicht mehr erkennen konnten, da ihr Unterricht auch ohne solcher “System” funktioniert hat.

    Gruß
    Systemikerin

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