Freie Unterrichtsmethoden bieten die Möglichkeit, dass sich die Kinder nach ihren Interessen individuell und kooperativ mit einem Thema auseinandersetzen und bestimmte Themenbereiche vertiefen. Lerntheken, Freiarbeit und Projekte habe ich bereits zahlreich durchgeführt. Dieses Schuljahr habe ich mich bewusst dafür entschieden, das Thema “Kartoffel” nicht in Form einer Lerntheke, sondern in Form einer Werkstatt anzubieten.

Mir war bisher nie wirklich klar, was der Unterschied ist – und sicherlich verschwimmen die beiden Methoden auch irgendwie und haben viel gemeinsam. Ich hab deshalb in der Literatur nachgelesen und den Werkstattunterricht für meine Klasse optimiert. Hier möchte ich die für mich wichtigsten Punkte für eine gelungene Werkstattarbeit aufführen:

  • Die Werkstatt umfasst Pflicht- und Wahlaufgaben, wobei ich darauf achte, dass die Aufgaben ein breites Spektrum des Themas bedienen und auch sehr vielfältig sind. Das heißt, es gibt, wenn möglich, zum Thema Schreib- und Rechenaufgaben, kreative Aufgaben und auch – ganz wichtig – handlungsorientierte Aufgaben, bei denen die Kinder praktisch tätig werden können. Auch Forscheraufgaben sind Teil der Werkstatt.
  • Neben Arbeitsblättern sollten auch Sachbücher zur Verfügung stehen, sowie alle nötigen Materialien zum Werkeln.
    Es gibt einen Laufzettel, der einfach gehalten ist, und die wichtigsten Regeln sowie die zur Auswahl stehenden Aufgaben aufführt. Außerdem dient er den Kindern zum Abhakten der erledigten Stationen. So sah zum Beispiel mein Laufzettel zur Kartoffel-Werkstatt aus (es handelt sich hierbei um einen Auszug):

Laufzettel_Kartoffeln

  • Ich richte die Werkstatt möglichst schon am Tag zuvor oder einige Stunden zuvor hin, und gebe mir dabei besonders Mühe (mit Aufstellern und einer ordentlichen, ansprechenden Darstellung). Damit erreiche ich, dass die Kinder im Laufe des Tages einige Male an der Werkstatt vorbeigehen, und dadurch ihre Neugier gesteigert wird. Sie werden dadurch motiviert und wollen loslegen.
  • Neben der Werkstatt gibt es immer auch Phasen im Plenum – besonders wichtig finde ich diese vor der Werkstatt in Form eines gemeinsamen Einstiegs ins Thema, sowie nach der Werkstatt zur Reflektion.
  • In der ersten Werkstattstunde dürfen die Kinder zunächst in Ruhe die einzelnen Stationen anschauen und sich ein Bild von ihnen machen. Dabei sollen sie selbst herausfinden, wie die Werkstatt aufgebaut ist, welche Regeln es gibt, welche Aufgabenstellungen etc.
  • Anschließend erstellen wir gemeinsam eine Expertenliste. Das bedeutet, 1-2 Kinder melden sich für die jeweiligen Stationen als Experten. Im Idealfall sind das die Stationen, die sie am meisten interessieren. Bei zu vielen Interessenten muss der Lehrer auswählen und andere Stationen ebenso schmackhaft machen.
  • In einer ersten Phase arbeiten die Kinder dann zunächst an ihrer Expertenstation. Hierbei kann der Lehrer noch zur Hand gehen, um sicherzustellen, dass die Kinder ihre Expertenstation wirklich ausreichend durchdrungen haben.
  • Anschließend dürfen die Kinder dann alleine oder in Partnerarbeit frei an der Werkstatt weiterarbeiten – die Reihenfolge der Aufgaben ist freigestellt. Wenn sie Hilfe brauchen, befragen sie zuerst die Experten. Die Expertenliste hängt bei der Werkstatt aus. So sah meine Expertenliste aus:

Expertenliste

  • Während der Werkstattarbeit ist der Lehrer mehr im Hintergrund, er beobachtet, begleitet und unterstützt da, wo die Experten nicht mehr weiterkommen.
  • Zwischendurch kann man immer mal wieder kurze Reflektionsphasen einbinden – woran arbeitet ihr gerade? Was ist euch bei einer bestimmten Station aufgefallen? Habt ihr irgendwas besonderes entdeckt? Was nehmt ihr euch als Nächstes vor? etc.
  • Der Zeitraum, an dem die Kinder an der Kartoffelwerkstatt beispielsweise arbeiteten, belief sich auf ca. 2 Wochen. Im Anschluss daran stellten wir unsere Produkte aus und reflektierten und bewerteten die Arbeit an der Werkstatt. Die Pflichtaufgaben der Werkstatt wurden dann auch in Form einer schriftlichen Lernkontrolle überprüft.
Werkstattunterricht in der Grundschule

7 Gedanken zu „Werkstattunterricht in der Grundschule

  • 2. Juli 2016 um 17:23
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    Hallo Diana,
    Ich mag das Werkstattkonzept mit Expertenaufgaben nicht so, weil ich für einige Punkte noch keine guten Lösungen gefunden habe.
    Was tust du mit Schülern, die extrem langsam arbeiten und Probleme mit der Konzentration haben? Sind die auch Experten?
    Ich find es auch schwierig, weil ich selbst während der Arbeit nicht aus meinen Gedanken gerissen werden und unterbrochen werden möchte… Hab erlebt, dass es vielen Kundern ähnlich geht und die Ergebnisse unter den Unterbrechungen leiden.
    Bitte schreib mal genauer, welche Aufgaben die Experten bei dir haben und wie du die angesprochenen Dinge löst. Liebe Grüße cubi

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    • 3. Juli 2016 um 9:09
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      Hallo Cubi,
      mit sehr langsamen Kindern (ich habe noch zwei Kinder mit Förderbedarf Lernen) specke ich die Werkstatt noch einmal ab.
      Das Expertenproblem sehe ich genauso und habe bei jeder Aufgabe eine Helfer-Liste liegen, in die sich Kinder eintragen können, die eine Aufgabe (richtig) bearbeitet haben. Kinder können sich eintragen, müssen aber nicht. Manche Kinder tragen sich gerne ein, andere nicht so gerne, manche tragen sich auch erst nach ein paar Tagen ein, wenn sie einen Teil der Aufgaben schon erledigt haben …
      Damit komme ich schon seit Jahren gut zurecht.
      Liebe Grüße, Tine

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      • 3. Juli 2016 um 10:08
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        Hallo Tine, das sehe ich genauso – bei sehr viel schwächeren Kindern sollte man die Anforderungen herunterschrauben und das auch transparent machen. Wie ich im anderen Kommentar schon geschrieben habe, stellte das “Expertenproblem” bei mir – zumindest bei diesem Durchgang – kein Problem dar. Ich konnte schon beobachten, dass manche aus ihrer Arbeit gerissen wurden und letztendlich dann sagten, sie konnten 1 Station weniger bearbeiten als gefordert. Aber das war dann für mich absolut in Ordnung. Sie helfen sich gerne gegenseitig und durch das Erklären lernen sie ja auch sehr viel. Ich finde sogar, dass das Expertensystem sie da wirklich fordert: sie müssen sich trauen, Hilfe zu suchen und zu erfragen; sie müssen sich aber genauso auch mal trauen zu sagen, jetzt kann ich gerade nicht, ich helfe dir gleich. Deine Alternative mit der Helfer-Liste finde ich aber auch eine gute Idee. Liebe Grüße

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    • 3. Juli 2016 um 10:04
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      Hallo Cubi, wir haben die Werkstatt in der Form zum ersten Mal gemacht. Deine angesprochenen Probleme sehe ich durchaus. Bei uns war es so: jeder war Experte, auch die langsameren Schüler, und hatte immer einen Co-Experten – das heißt, zu jeder Station gab es 2 Experten. Manche Experten mussten gar nicht um Hilfe gebeten werden, da die Stationen selbsterklärend waren. Ich konnte aber auch beobachten, dass manche aus ihrer Arbeit gerissen wurden, wenn sie jemand um Hilfe bat. Wir hatten vorher besprochen, dass man natürlich auch “Nein, ich mache das erst fertig, dann helfe ich dir.” sagen darf. Es gab aber während der Arbeit keine Probleme diesbezüglich und bei der Abschlussreflektion hat keiner benannt, dass ihn das störte, im Gegenteil, alle fanden das Expertensystem toll. In anderen Klassen habe ich aber auch schon die Lösung gesehen, dass man eine Liste aufhängt, in die man sich eintragen kann, wenn man bei einer bestimmten Station Hilfe braucht – also das Expertensystem gerade umgedreht. Dann konnten die Schüler darauf schauen, wenn sie Zeit hatten und zur Hilfe eilen. Liebe Grüße

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  • 3. Juli 2016 um 7:28
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    Hallo Diana, was mir nicht ganz klar ist. Was tun die anderen Kindern in der ersten Phase, in der sich die Experten mit ihrer Station beschäftigen? Oder gibt es so viele Stationen, dass alle Kinder einer Klasse mit knapp 30 Kindern einbezogen sind? LG Giggi

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    • 3. Juli 2016 um 10:05
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      Hallo Giggi, ich hatte tatsächlich so viele Stationen, dass jeder Experte war – allerdings habe ich jeder Station 2 Experten zugeteilt. Liebe Grüße

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  • 3. Juli 2016 um 11:14
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    Danke für die Antworten, das ist wirklich ein Kompromiss mit der Helferliste, der mir gefällt … Ich habe schon länger aus den o.g. Gründen keine Werkstatt-Experten-Arbeit mehr gemacht. Aber nun überlege ich mal für das neue Schuljahr. Das mit dem Abspecken war mir schon klar, aber diese Unterbrechungen … wenn jeder Experte sein soll (da würde einer meiner Spezis echt zu tun haben, egal wie wenig – das ist eine Konzentrationsgeschichte und dann wieder den Faden aufnehmen … heijei. Ich werd es mir über den Sommer mal überlegen.
    Da dein Thema, Diana, ein mögliches für die 4. Klasse bei uns wäre, hätte ich direkt noch die Frage, ob du mal dein benutztes Material nennen könntest, also, welche Verlage etc. Zur Kartoffel gibts ja reichlich, aber ich hab tatsächlich noch nie Sachunterricht Klasse 4 gehabt.

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