Seit einigen Jahren unterrichte ich den Fachbereich MNK, wie er in BW heißt (Mensch, Natur, Kultur) fachfremd. Das mache ich sehr gerne! Aber es kostet mich auch viel Mühe. Den Sachkundeteil kann ich größtenteils noch gut meistern. Die Themen sind interessant und die Kinder so voller Wissensdurst, dass man selbst noch viel dazulernt. Und je mehr Mühe man sich gibt in der Unterrichtsvorbereitung, desto mehr geben es die Kinder an mich zurück – denn sie lieben zum Beispiel das Experimentieren. Musik gelingt mir glaube ich auch ganz gut, weil ich zum Glück musikalisch bin und selbst diverse Instrumente spiele und gerne singe. Bleibt noch Kunst und Textil.

Was mein “künstlerisches Ausleben” im Beruf, aber auch im Privatleben angeht, bin ich wirklich ein Minimalist. Malen, zeichnen, basteln und jegliche Handarbeit waren noch nie “mein Ding” und wenn ich es versucht habe, habe ich viel zu schnell die Nerven verloren. Meine Fingerfertigkeit ist demnach nicht allzu ausgeprägt, meine ich immer ;-)

Nun habe ich meine Schüler von den 4 Grundschuljahren drei Jahre lang fachfremd in Kunst unterrichtet. Natürlich habe ich mir Mühe gegeben, möglichst viele verschiedene Techniken auszuprobieren, zu zeichnen, zu basteln etc. was das Zeug hält. Gerade online erhält man ja unglaublich viele tolle Ideen. Der Textilteil kam aber bisher immer zu kurz. Allein beim Gedanken daran, was man so alles besorgen muss, wenn man mit Stoffen arbeitet, grauste es mir. Wäre ich jetzt eine Fachlehrerin mit halbem Deputat, die nur Kunst unterrichtet, oder hätte ich dafür eine geheime Leidenschaft, dann würde ich sicherlich mit richtig viel Enthusiasmus und Engagement die tollsten Dinge vorbereiten und durchführen lassen. Aber so, als Klassenlehrerin mit vollem Deputat, deren Augenmerk dann doch irgendwie oft auf den Hauptfächern liegt, kommen solche Dinge eben manchmal zu kurz…

Lange Rede, kurzer Sinn: für dieses Schuljahr hatte ich mir in den Sommerferien den Bildungsplan nochmal ganz genau vorgeknüpft und alles identifiziert, was wir im Bereich MNK und insbesondere in Kunst noch nicht behandelt hatten. Mein Motto für dieses Schuljahr war: kneifen gibt’s nicht!!!

Der erste Schritt in Richtung textiles Arbeiten war in der Einheit Mittelalter das Basteln von typischen mittelalterlichen Kleidungsstücken wie Schnabelschuhen, Hüte, Kronen, Schilder uvm. Dies erfolgte noch sehr spartanisch, aber die Kinder waren mit großem Eifer dabei und wirklich kreativ. Als nächstes “Etappenziel” wollte ich mit den Kindern einen kleinen Münzbeutel nähen, den die Bettler im Mittelalter an ihre Hose geknüpft trugen. Dazu mussten wir aber erstmal das Nähen von Hand erlernen – sowohl die Kinder als auch ich ;-)

Allein für das Erlernen der Grundtechniken brauchten wir ca. 6-7 Stunden über 3 Wochen verteilt. Wir begannen mit ein bisschen “Fachwissen” rund um die Nadel und das Garn. Dann verbrachten wir alleine zwei Stunden damit, Garn einzufädeln und auf verschiedene Art und Weise zu knoten. Dies übten wir immer wieder, bis die Schüler (und ich ;-)) darin relativ sicher waren. Natürlich gab es Kinder, die motorisch fitter sind als andere, und einige brauchten wirklich lange, bis sie den Dreh raus hatten. Aber sie gaben nicht auf und halfen sich gegenseitig.

Organisatorisch hatte ich es so gemacht, dass jedes Kind im Voraus ein handelsübliches Nähnadelset besorgte und mitbrachte. Einige Kinder brachten sogar von zu Hause ganze Nähkoffer inkl. Garn in allen Farben, Scheren, Knöpfe, etc. mit. Das war natürlich super.

Wie wir dann weitermachten, lest ihr hier im Teil 2 der Serie – sonst wird der Beitrag hier zu lang ;-) Habt ihr auch schon in der Schule von Hand genäht? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Falls ihr wie ich euch bisher davor gedrückt habt, dann kann ich euch nur ermutigen, es auszuprobieren! Wenn ich das schaffe, schafft ihr das auch ;-)

 

Wir nähen von Hand – Teil 1

3 Gedanken zu „Wir nähen von Hand – Teil 1

  • 13. Dezember 2016 um 11:07
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    Ich kann dir zu deinem Mut nur gratulieren!Auch ich zucke erst immer einmal zusammen, wenn es heißt “Mach du mal Textil!” Die gesamte Materie ist auch nicht so meins, aber ich versuche mich immer erst einmal an wenig aufwändigen Projekten! Zum Thema Nähen habe ich einmal mit den Kindern Knöpfe auf eine Baumwolltasche angenäht! Ich hab gedacht, dass ist doch was Praktisches für die Zukunft und mit den vielen bunten Knöpfen schöne Muster aufzunähen, hat den Kindern total Spaß gemacht! Anschließend gab es von einer Mutter positive Rückmeldung, da ihr Sohnemann auch zu Hause nun selbst Knöpfe annähen wollte!😉

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  • 13. Dezember 2016 um 19:23
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    Ich nahe seit 2,5 Jahren mit meinen Schülern einer Schule für geistig Behinderte. Uns macht das sehr viel Spaß!!!!! Nach dem Stecken und heften mit der Hand, dürfen alle an die Nähmaschine. Angefangen haben wir mit Topflappen, dann kam ein Kissen, eine Handyhülle folgte. Jetzt arbeiten wir an einem Memoryquilt zum 25. Geburtstag unserer Schule. Traut euch!!!!

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  • 15. Dezember 2016 um 17:34
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    Auf Wunsch und Drängen meiner Drittklässler nähen wir gerade Kissen, per Hand!
    Es klappt erstaunlicherweise ganz gut ;-)
    Einige tun sind leider echt schwer, aber ich konnte schon Einsen und Zweien vergeben!
    Die meisten Kinder haben ihren Stoff selbst mitgebracht, Nadeln und Faden haben wir in der Schule. Die Idee alte T Shirts zu Kissen zu verarbeiten (die Idee habe ich irgendwo im Web gefunden…) kam bei einigen Kids auch sehr gut an… So bleibt ihnen ihr Lieblingsshirt erhalten!
    Die Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen, gefällt mir bei diesem Projekt sehr!
    Nur Mut, probiert es aus

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