Seit zwei Jahren wohne ich gerade um die Ecke der Hochschule, an der ich vor vielen Jahren einmal studiert habe. Und doch war bisher das höchste der Gefühle, dort gezwungenermaßen vorbeizulaufen. Denn wie froh war ich, als das Studium endlich vorbei war!! So gut wie alle praxisnahen Seminare waren damals – verständlicherweise – so stark nachgefragt, dass ich meist nur in den praxisfernen einen Platz bekam. Und mich mehr als einmal fragte, was das Gehörte wohl mit meinem zukünftigen Beruf zu tun haben würde. Die vielen Praktika waren zwar chaotisch, aber gewinnbringend und ich war jedes Mal wehmütig, wenn ich von der Schule zurück an die Hochschule musste.

Heute führten mich meine Wege zurück in die Gebäude der Hochschule, um einen Verkauf der Studierenden zu unterstützen. Wieviele Erinnerungen in diesen Mauern hängen! Eigentlich war mein Plan, schnell reinzugehen, etwas zu kaufen und genauso schnell wieder zu verschwinden. Schließlich musste ich mich dort unter eine Meute sehr junger angehender Lehrer mischen, die noch rein gar keine Ahnung von dem haben, was sie in der Schule wirklich erwartet. Ähm, ich meine natürlich, die noch mit jugendlichem Leichtsinn studieren. Nein, die in freudiger Erwartung auf ihren Beruf ihr Studium absolvieren. Oder so ähnlich. Ihr wisst schon.

Aber als ich so durch die Gänge wanderte, siegte meine Neugier und ich las jedes einzelne Plakat, jede einzelne Ankündigung und jeden einzelnen Fresszettel, die an den Wänden hingen. Und fühlte mich zurückversetzt in meine Jahre als Studentin. War ich wirklich schon so viel älter geworden als damals? Komische Vorstellung. Schlagwörter wie “Theorie der Literatur- und Sprachwissenschaft”, “Schreibzentrum”, “Studierendensekretariat”, “Tandempartner” und viele mehr schlugen mir entgegen.

Und irgendwie war es doch gar keine so schlechte Zeit damals. Ich war noch ungezwungen, konnte hingehen oder eben nicht, ausschlafen oder doch nicht, feiern gehen oder mich daheim vergraben, eine Klausur schreiben oder sie noch herauszögern. Hing noch nicht in diesem Mahlwerk des Alltags fest. Hatte viele Wünsche, aber noch kein Geld um sie zu erfüllen. Viele Pläne und keine Ahnung, wie ich sie realisieren sollte. Träumte von der großen Liebe.

Und hätte mir damals nicht vorstellen können, dass mein Leben, Jahre später, so aussehen würde wie es heute aussieht. Auch wenn ich noch nicht ganz da angekommen bin, wo ich hin möchte, ist alles doch gut so, wie es ist. Alles hat seine Zeit.

Zurückversetzt in die Studienzeit. Rückblick.

Ein Gedanke zu „Zurückversetzt in die Studienzeit. Rückblick.

  • 18. Dezember 2015 um 8:23
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    Schön, dass es doch auch die nostalgischen Momente gibt. Schwelge darin, das tut doch auch mal guuut. Man würde sich am liebsten dazusetzen, spürt aber doch, dass man ein bisschen fehl am Platze ist, nicht wahr? Aber vielleicht gäbe es viele Fragen zu beantworten … Dir wünsche ich ein ebenso nostalgisch schönes Weihnachtsfest!

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