Materialschlacht und Ordnungssystem in Klasse 1

Da ich in diesem Jahr erst kurz vor Schulbeginn erfuhr, dass ich eine erste Klasse leiten würde, hatte ich zuvor nicht die Möglichkeit gehabt, Kinder und Eltern anzuschreiben. Auch die Materialliste kam nicht von mir und der Termin für den Elternabend wurde auf einen späten Zeitpunkt festgesetzt.

Die Materialliste für einen Erstklässler umfasst immer unglaublich viele Dinge, da ja alles von Bleistift über Spitzer bis hin zu Heften und Farbmalkästen alles neu angeschafft werden muss. Hinzu kommen die Hefte und Bücher der Deutsch- und Mathelehrwerke. Ist das Ganze nicht wirklich organisiert, bringen die Eltern – verständlicherweise – am ersten oder zweiten Schultag ein riiiesiges Paket an Sachen ins Klassenzimmer. So auch bei mir vergangene Woche: „Wo soll ich das denn alles hinstellen?”, hieß es alle Naselang. Und als ich wahrnahm, wie die Eltern schon mit den Materialien für ein Kind gut gefordert oder gar überfordert waren (zu Recht), lief es mir schaurig über den Rücken, als ich an die gleiche Menge mal 27 dachte! Wohin nur mit all dem Zeug und wie im Himmel kriegen wir das alles gut organisiert???

Mir fällt es schwer, jetzt einen sinnhaften, zusammenhängenden Artikel zu diesem Thema zu schreiben, deshalb liste ich einfach ein paar meiner grundlegenden Gedanken dazu auf:

– Alle Materialien müssen mit Namen beschriften sein. Am besten VORNE oben! Nicht innen oder irgendwo, wo ich es erst suchen muss. Ist das nicht gemacht oder schwer zu finden, schreibe ich den Namen sowieso nochmal überall neu drauf. Und das ist Arbeit!
– Da IMMER Eltern dabei sind, die es nicht schaffen, die Materialien mit Namen zu beschriften (eigentlich unglaublich, aber leider wahr!), und alles mit der Abgabe im Klassenzimmer so chaotisch ist, würde ich die erste Schulwoche noch ohne Materialien bestreiten (bzw nur mit Mäppchen und dann eben Kopien und Ablagefächern) und dann einen Elternabend veranstalten, an dem alle Materialien geordnet, beschriftet und ordentlich verräumt werden. Ja, es nimmt Zeit in Anspruch, aaaaber wenn ich das in der Klasse mit 27 Kindern mache (und da musste ich diese Woche durch), drehen ALLE am Rad und die Kinder sind einfach nur überfordert. Alternativ könnte man nach der Einschulungsfeier 15 Minuten dafür einberaumen, in denen die Kinder noch unter Aufsicht draußen spielen dürfen.
– Gewisse Materialien wie Lesefibeln, Arbeitshefte etc. für Mathe und Deutsch werde ich in den ersten Wochen stapelweise bei mir sammeln und ausgeben, wenn ich sie benutze. Später, wenn die Kinder damit vertraut sind, werden sie in Stehsammlern gelagert (1 pro Kind, möglichst in der Nähe des Sitzplatzes).
– Schnellhefter für ABs werden im Ranzen aufbewahrt und müssen zuhause regelmäßig ausgeleert/abgeheftet werden.
– Farbmalkasten, Wachsmalstifte etc. werden in Kisten aufbewahrt (1 pro Kind).
– Große Zeichenmappen und Blöcke werden auf einem Stapel im Regal aufbewahrt und bei Bedarf ausgeteilt.
– Im Ranzen befinden sich in der Regel: Mäppchen, Trinkflasche, Brotdose, Postmappe und die Schnellhefter; ggf ein Heft, das für die HA gebraucht wird.
– Gewisse Einlagen, die die Lehrwerke haben (zb Anlauttabelle, Legeblättchen etc) werden am besten zu Beginn eingesammelt und erst später wieder rausgegeben.

Wie oben angedeutet, hatte ich das alles im Voraus nicht organisieren können, sodass ich dann vergangene Woche da stand und die Kinder erstmal ALLES irgendwo unterbringen mussten und dann musste ich schauen, was eigentlich alles da war und was fehlte (unmöglich umzusetzen!); und nach der Schule suchte ich dann aus allen Kisten wieder die Fibeln und AH etc raus und stapelte sie… 

Man muss einfach unbedingt bedenken, dass die Schulneulinge wahrscheinlich gar nicht wissen, was zb ein Schnellhefter ist und wie man etwas einheftet. Oder dass sie nicht erkennen, welches Buch die Fibel ist, auch wenn man es beschreibt. Das heißt, man muss nochmal ganz kleinschrittig rangehen und sich zwischendurch Zeit nehmen, bestimmte Materialien zu zeigen und zu besprechen. Trotzdem darf man nicht zuviel auf einmal durchgehen, denn dabei schalten die allermeisten schon nach wenigen Minuten ab.

Es braucht einige Wochen, bis alle das Ordnungssystem verstanden und verinnerlicht haben. Dann aber sind gute Abläufe im Unterricht möglich!

Teilt gerne mit uns, was ihr anders macht oder wie ihr diese Materialschlacht händelt.

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10 Antworten

  1. Mrstrouble sagt:

    Hallo,
    ich habe in meinem letzten Durchgang vorher Etiketten für jedes Kind ausgedruckt. Da ich nicht wusste wie viel, habe ich immer Klassenweise (von A-Z) die Kinder durchgedruckt. In diese Jahr werde ich für jedes Kind einen eigenen Bogen bedrucken. Da ich von zwei Müttern schon weiß, dass sie sehr engagiert sind (positiv – sie helfen auf Zuruf!), hoffe ich, dass diese mir bei dem “Beschriften”, also dem Bekleben der Materialien behilflich sein werden. Das geht deutlich schneller, als wenn ich die Sachen selbst beschrifte. Bei der Klientel unserer Schule sind leider sowieso nicht alle Eltern an den Elternabenden da.
    LG
    CLaudia

  2. Anonymous sagt:

    Wir haben in diesem Jahr sowohl Kinder als auch Eltern einen Tag VOR der Einschulung in die Klasse eingeladen. Alle beschrifteten Materialien, Bücher und Hefte wurden gemeinsam von Kindern und Eltern in die ebenfalls beschrifteten Regale sortiert. Das war in einer halben Stunde getan und für uns eine ungemeine Arbeitserleichterung.
    Natürlich gab es auch fehlende Materialien, die wurden dann aber am nächsten Tag zur Einschulung mitgebracht.
    Ich würde es immer wieder so machen! Außerdem lernen die Kinder dann schon einmal ihren Klassenraum kennen.

  3. Anonymous sagt:

    Hallo, erstens wollte ich dir schon lange einmal für deinen tollen Blog danken, und zweitens dir auch noch einen Tipp geben. Bei mir in der Klasse haben die Erstklässler eine Ablage für Hefter und Hefte und einen Stehordner für die Bücher und dickeren Arbeitshefte. Hätte ich weniger Platz, würde ich eher auf den Stehordner zugunsten der Ablage verzichten, da beim Stehen und Reinschieben des Materials von oben leichter Eselsohren etc. entstehen. Die Hefter bleiben auf jeden Fall auch in der Schule, da nicht jede Schultasche so schön viel Platz hat, dass sie einfach und ohne geknickt zu werden verstaut werden können.
    Ich habe in diesem Jahr die Materialien entgegengenommen und die Eltern morgens beim Bringen der Kinder um Mithilfe gebeten. Alles, was nach einer Woche noch nicht da war, habe ich den betreffenden Eltern auf dem Bestellzettel angemarkert und beim Elternabend auf den Platz gelegt. Da war dann auch hinterher noch Zeit, um Unklarheiten in Ruhe zu klären. An unserer Schule verstehen viele Eltern die Bestellliste nicht und bringen ganz ungeeignete Hefte, Stifte o. ä. mit. Dieses Mal hat es mir gut getan, ruhig zu bleiben, Hilfe anzunehmen, wenn sie da war, und den Rest nach und nach zu erledigen.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel Kraft und gute Nerven für deine neue unerwartete Klasse!
    Charlie

  4. Luisa sagt:

    Ich hab auch eine erste Klasse und habe mich entschlossen, nur einen Schnellhefter für alle Fächer zu verwenden. Eben weil die Kinder viel zu viel Zeugs und keine Übersicht haben, finde ich diese Reduktion sinnvoll. Genauso sollte man meiner Meinung nach immer den Nutzen so vieler verschiedener Hefte in Frage stellen.

  5. Katja Sass sagt:

    Ich bin dazu übergegangen, dass jedes Kind zwei Stehordner hat. Dann müssen sie nicht so stopfen. In einem sind die Bücher und Arbeitshefte. Im anderen sind die Hefter und Hefte.

    Wenn eine Lineatur besonders ungewöhnlich ist (z.B. bestimmtes Rechenheft von Formati), bespreche ich auf dem ersten Elternabend, das ich die Hefte besorge und wir das aus der Klassenkasse bezahlen. Genauso handhaben wir es mit dem Rechenrahmen und dem Schreibblock Lineatur 1. Davon braucht nicht jedes Kind einen.

    Die Materialien aus dem Mathebuch (Legeplättchen, Ziffernkarten, Rechengeld) gebe ich erst aus, wenn wir es brauchen. Es kommt dann in die gelben Biobrotboxen, die es immer zum Schulbeginn gibt. Da kann man auch prima die Namen drauf schreiben.
    Sie stehen im Regal und werden bei Bedarf verteilt.

  6. Claire sagt:

    Hallo!
    Ich habe für meine erste Klasse den Eltern auf die Materialliste nur die allernötigsten “basics” geschrieben (Schulranzen, ausgestattetes Federmäppchen, Kunst- und Sportsachen). Alles andere – und das erkläre ich auch ausführlich auf der Liste – wie Hefte, Schnellhefte, Ordner, Hausaufgabenheft… besorge ich selbst für die ganze Klasse und frage mir dann von den Eltern das Geld zurück. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern erleichtert sind, wenn sie nicht alles selber besorgen müssen, und es eigentlich so angenehmer finden. Alle Kinder haben genau die Materialien, die ich möchte, sie haben außerdem alle das Gleiche (besonders beim Hausaufgabenheft von großem Vorteil), und ich kann alles in Ruhe einräumen (mit dem Namen beschriften mache ich dann entweder noch vor Schulbeginn selbst, wenn ich Zeit habe, oder wir machen es gemeinsam während den ersten Schultagen, und dabei kann ich auch beobachten, wie gut das schon klappt mit Stifthaltung und Namen schreiben :-)

    Außerdem laden wir alle Erstklässler-Eltern mit den Kindern ein paar Tage vor dem ersten Schultag zu einem “early check-in” (wie bei einer Flugreise) ein. Das sind zwei Stunden, während denen die Familien kommen und gehen können, wie sie wollen (damit man nicht 20 Familien gleichzeitig bedienen muss), sie räumen mit mir zusammen die paar Sachen ein, die auf ihrer Materialliste standen, sie entdecken das Gebäude und den Klassenraum, wir lernen uns in Ruhe kennen und können uns ohne den Stress vom ersten Schultag schon mal gegenseitig beschnuppern. :-)

    Ich verstehe, das die Situation, wie du sie oben geschildert hast, seeeehr stressig gewesen sein muss! Aber jetzt hast du es ja hinter dir :-)

    Liebe Grüße aus Luxemburg!
    Claire

  7. Carmen Maunz sagt:

    Hallo,
    auch ich besorge das meiste an Material selber, sodass die Eltern nur die “Basics” auf ihrer Liste haben.
    Die Umschläge mache ich zu Hause an die Hefte ran, da müssen immer alle Familienmitglieder mithelfen, dann geht das fix.
    In der ersten Schulwoche teile ich dann immer das Heft aus, das gerade als Unterrichtsfach ansteht. Die Erstklässler können ihre Namen dann selber eintragen. So haben wir am Ende der Woche jedes Heft und Buch beschriftet und es kommt keine einmalige Materialflut zustande, die die Kleinen überfordert.
    Das Einkaufen ist auch kein Problem. Bei uns kann man einen Zettel bei Müller abgeben und am nächsten Tag die Sachen fertig zusammengestellt abholen. Dazu gibts dann auch noch 10 % Preisnachlass für Schulen.
    Für mich ist das eine enorme Erleichterung. Alle haben alle Materialien ab dem ersten Tag in der Schule da und ich gebe sie so aus, wie wir sie brauchen. Diese Nachkontrolliererei wer was hat, Fehlendes anmahnen, wieder kontrollieren und dann doch bei einigen falsch linierte Hefte oder ähnliches zu haben, hat mich zu viele Nerven gekostet. Mit meiner jetzigen Lösung habe ich zwar die Besorgungsarbeit, aber in der ersten Schulwoche keinen Stress mehr … und die Eltern sind auch entspannt und dankbar.
    LG Carmen

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