Wie wär’s denn in der letzten Woche des Monats noch mit einem stimmungsvollen November-Gedicht im Deutschunterricht? Gefunden für euch: “November” von Heinrich Seidel (1842 – 1906).

 

 

 

November

Solchen Monat muss man loben
keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdrießlich sein
und so ohne Sonnenschein!

Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ‘ne wahre Pracht!

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!

Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und sie durcheinander wirbelt
und sie hetzt ohn’ Unterlass:
ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
ihren feuchten Himmelstau
ur und ewig, trüb und grau!

Auf dem Dach die Regentropfen:
wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
einer dicken Träne gleich.

Oh wie ist der Mann zu loben
der solch unvernünft’ges Toben
schon im voraus hat bedacht
und die Häuser hohl gemacht:

so, dass wir im Trocknen hausen
und mit stillvergnügtem Grausen
und in wohlgeborgner Ruh
solchem Greuel schauen zu.

Bei Gedichten gibt es zwei Herangehensweisen im Unterricht: entweder beginnt man direkt mit dem Gedicht (komplett, Strophe für Strophe, mit verdeckten Lücken o.ä.) und arbeitet dann davon ausgehend weiter, oder man arbeitet quasi auf das Gedicht hin (beide Herangehensweisen haben einen Namen in der Didaktik, aber ich komme gerade nicht drauf – wer kann helfen?). Beides ist Geschmacksache, ich persönlich habe es mal so, mal so gehandhabt. Wie es sich für mich vom Gedicht her eben am besten angeboten hat.

Bei diesem Gedicht “November” würde ich zunächst eine Vorarbeit wählen und langsam auf das Original hinarbeiten. Hier ein paar Vorschläge:

  • auf das Thema des Gedichts und die Jahreszeit einstimmen, zB durch passende Musik und eine kurze Fantasiereise, ohne dass die Kinder zunächst wissen, was Gegenstand des Unterrichts sein wird;
  • Äußerungen und Assoziationen der Kinder sammeln, an der Tafel einen Wortspeicher zu “November” gemeinsam entwerfen, dabei alle Sinne versuchen einzubeziehen;
  • wenn hauptsächlich Nomen genannt werden, dann auch gezielt Verben und Adjektive finden lassen, vielleicht zunächst in einer Partnerarbeit oder nach dem Think-Pair-Share-Prinzip;
  • das Gedicht präsentieren, zB mit Lücken, und die Kinder versuchen, aus dem erarbeiteten Wortspeicher die Lücken zu füllen;
  • Übereinstimmungen und Unterschiede benennen, also woran hatten wir gedacht, woran hat der Autor des Gedichts gedacht?;
  • über die Stimmung des Gedichts sprechen: es werden viele unangenehme Aspekte des Monats genannt, aber dennnoch wird eine positive Stimmung erzeugt – an welchen Wörtern liegt das?.

Je nach Zeitumfang könnte man dann noch Anschlussaufgaben stellen, in einer Art Lerntheke oder als Wahlaufgaben an der Tafel, zB:

    • das Gedicht in Schönschrift abschreiben und dazu etwas gestalten;
    • ein Bild zum Text gestalten;
    • das Gedicht üben laut lesend vorzutragen oder auswendig zu lernen;
    • das Gedicht musikalisch zu vertonen (dazu müssten Instrumente bereitstehen);
    • mit Hilfe des Wortspeichers eine eigene Strophe dazu dichten.

Ich selbst gebe gerne solche Aufgaben zur Wahl und schreibe sie in Kurzform an die Tafel. So spare ich mir das Erstellen einer Lerntheke und arbeite selbst effizienter und schneller. Wichtig dabei ist, mit den Kindern die Aufgaben ganz genau zu besprechen, sodass alle Aufgaben klar sind. Auch gebe ich die Zeit vor und eine Mindestanforderung. Am Ende dürfen Ergebnisse vorgestellt werden.

Die genannten Ideen sind nur Vorschläge für euch, die vielleicht den ein oder anderen dazu motivieren, das Gedicht im Unterricht zu behandeln. Natürlich muss die Gedichteauswahl und die Wahl der Aufgaben an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden (das obige Gedicht ist zum Beispiel ziemlich lang, dafür braucht es Geduld und gute Leser).

Welche Ideen habt ihr noch für den Umgang mit dem Gedicht? Ergänzt gerne in den Kommentaren! Oder habt ihr einen Tipp für ein anderes Novembergedicht?


Wer zum Thema “Produktive Verfahren im Deutschunterricht” mehr lesen möchte, findet hier noch weitere Vorschläge: Kaspar H. Spinner: Produktive Verfahren im Deutschunterricht.

Noch schnell ein November-Gedicht

3 Gedanken zu „Noch schnell ein November-Gedicht

  • 27. November 2018 um 17:34
    Permalink

    Meine Kinder der zweiten Klasse lernen gerade das Gedicht “Novemberwetter” von James Krüss.
    Auf einer uralten Musikkassette (von der Flohkiste) hörten wir es auch als Lied an.
    Es hat nur drei Strophen und einige Kinder konnten es bereits nach einem Tag.
    LG Rita

    Antworten
  • 27. November 2018 um 20:11
    Permalink

    Das Gedicht habe ich gerade mit den Drittklässlern in Deutsch gemacht. Meine Vorlage, endete aber nach der vierten Strophe. Zum Glück für die Drittklässler, wusste ich nicht, dass es eigentlich länger ist… 😁
    Liebe Grüße Julia

    Antworten
  • 28. November 2018 um 18:48
    Permalink

    Danke für das Gedicht, wurde heute im Unterricht eingesetzt!

    Antworten

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