Manchmal erlebt man in seiner Arbeit als Grundschullehrerin, wie sich Dinge im Schulalltag verselbstständigen können und etwas entsteht, mit dem man nicht gerechnet hatte und das man schon gar nicht so geplant hatte!

So erging es jedenfalls mir mit unserem „Lese-Frühstück“ in meiner Eulenklasse. Ich weiß, für viele von euch ist das Vorlesen aus einem Buch während der Frühstückspause ein alter Hut und etwas, das schon wie selbstverständlich zum festen Tagesablauf gehört. Bei mir war dies aber über viele Jahre nicht so!

Ich hatte früher in meinen Klassen auch immer in der Frühstückspause vorgelesen. Oft war dieses Ritual dann aber nach einer Zeit wieder eingeschlafen oder wurde von den Kindern nicht so gut angenommen. So hatte ich es irgendwann sein lassen, da es die Kinder in meiner Klasse lieber mochten, sich in der Frühstückszeit unterhalten zu können oder auch selber in ihrem Tischbuch zu schmökern.

Im vergangenen Jahr hatte ich nun aber für die Adventszeit so einen Adventskalender als Buch (also 24 Kapitel, mit Seiten zum auftrennen!) gekauft und begann aus diesem Buch in den Frühstückspausen vorzulesen. Anfangs fiel es den Kindern noch etwas schwer, ruhig zu frühstücken und der Geschichte zu lauschen. Aber Tag für Tag wurde es ruhiger beim Vorlesen und alle lauschten andächtig der spannenden Adventsgeschichte. Nach den Ferien dann hatte ich das Buch noch zu Ende vorgelesen und wollte dann wieder die Frühstückszeit zum „Klönen und Schnacken“ freigeben.

Aber, siehe da, es regte sich Widerstand und die Kinder forderten ein neues Vorlesebuch und wünschten sich ihr „Lese-Frühstück“ zurück. Dies war ja nun eine Bitte, der ich gerne entsprach! Also gibt es nun auf Wunsch der Kinder dieser Klasse wieder eine Vorlesezeit beim Frühstücken. Die Kinder genießen es sichtlich und hören mir aufmerksam, manchmal gebannt und Butterbrotkauend zu! ;-)

Die Regel für diese Vorlesezeit lautet, dass alle Kinder an ihrem Platz sitzen und sich leise verhalten bzw. zuhören. Wer natürlich zum Mülleimer gehen muss oder sich an unserem Obst-Teller bedienen möchte (Wir nehmen an einem Obst- und Gemüseprojekt teil und können den Kindern zweimal in der Woche Obst und Gemüse zum Frühstück anbieten!), darf aber aufstehen. Erstaunlicherweise klappt das sehr gut und die Kinder ermahnen sich auch gegenseitig leise zu sein, da sie wissen, dass ich aufhöre vorzulesen, wenn es mir zu laut wird.

Auf diese Weise haben wir nun schon einige schöne Kinderbücher durchgelesen und das fertig vorgelesene Buch wird dann den Kindern anschließend zur Ausleihe angeboten und ist immer heiß begehrt. Bisher habe ich immer die Vorlesebücher ausgewählt. Ich habe aber den Kindern auch signalisiert, dass ich offen für Vorschläge für neue Bücher aller Art bin.

Unser Lese-Frühstück findet nun täglich nach der zweiten Stunde vor der großen Hofpause statt und im Schnitt lese ich so ca. 10 Minuten vor. Oft dürfte ich sicherlich noch länger vorlesen, wenn ich die Kinder aus ihrer „Traumwelt“ reißen muss, aber die arme, alte Lehrkraft braucht auch dann selbst mal ihren Kaffee bzw. Tee.! ;-) und schließlich ist ja Bewegung genauso wichtig, gell?!

Ich finde es wunderbar, dass meine Kiddies sich hiermit einen Teil ihres Schultages selbst gestaltet haben, indem sie etwas eingefordert haben, was ihnen gefällt. Wie ich es in Zukunft handhaben werde, weiß ich noch nicht, denn ich denke, dass dies an den Kindern der Klasse liegt. Einige Kinder mögen es vielleicht nicht so oder können sich nach den ersten zwei Unterrichtsstunden nicht auch noch auf eine Geschichte konzentrieren bzw. einlassen. Da sich in meiner Eingangsstufenklasse ja immer nur ein Teil der Klassen-Besetzung ändert, bleibt es spannend zu beobachten, ob sich die neuen „Kleinen“ daran gewöhnen können oder nicht.

Gibt es in euren Frühstückszeiten auch solche Vorlese-Rituale? Und wenn ja, wie gestaltet ihr diese? Vielleicht mögt ihr ja mal davon berichten!

Ritual zur Leseförderung: Das kleine Lese-Frühstück

4 Gedanken zu „Ritual zur Leseförderung: Das kleine Lese-Frühstück

  • 7. Mai 2018 um 17:47
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    Das ist eine sooo schöne Idee, mit einem Lese-Frühstück einzusteigen.
    Ich teile die gleichen Vorerfahrungen wie du und war jedes Mal ein bisschen traurig, als das Interesse nach und nach weniger wurde.
    Für meine neue erste Klasse im neuen Schuljahr wäre das wirklich ein guter Einstieg in dieses Ritual.
    Welchen Lese-Adventskalender kannst du denn empfehlen?

    Liebe Grüße
    Tini

    Antworten
  • 7. Mai 2018 um 21:22
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    Hallo Tini, wir fanden “Schnauze, es ist Weihnachten ” sehr lustig! Für meinen Erstklässler musste ich da allerdings manchmal Erklärungen einschieben, weil das Buch eher für etwas Ältere ist. Für meine Großen war es etwas einfacher. Doch gemeinsam fanden es alle lustig und hatten Spaß! Aber es gibt ja auch jedes Jahr viele neue Adventskalenderbücher auf dem Markt. Da gibt es je nach Altersgruppe sehr unterschiedliche Bücher und eine große Auswahl. Einfach mal stöbern! 😉

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  • 8. Mai 2018 um 18:05
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    Ich lese (ebenfalls seit Weihnachten) jeden Morgen aus unserem Vorlesebuch vor. Je nach Zeit und Muße mal zwei Seiten, mal ein ganzes Kapitel. Die Kinder nutzen diese Zeit zum Ankommen und wir starten wesentlich entspannter in den Schultag. Die „vergeudete“ Schulzeit lohnt sich für alle Beteiligten. Irgendwann kam dann der Wunsch auf, dass die Kinder auch selbst vorlesen dürfen. Jetzt darf also das „Glückskind“ des Tages ebenfalls einen Teil der Geschichte vorlesen, natürlich nur, wenn es möchte. Immer mehr Kinder sind so mutig. Es macht einfach Spaß!

    Antworten
    • 10. Mai 2018 um 13:28
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      Liebe Marlen, ich finde, dass ist auch eine tolle Idee die Kinder vorlesen zu lassen! Vielleicht probiere ich das mit meinen Kindern auch mal! Danke für deine Anregung! LG FrauUrbi

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