Ich will heute versuchen, einen Rückblick auf das fast schon vergangene Schuljahr zu werfen. Zuvor muss ich ein wenig ausholen. (Dazu die Frage: gibt es hier Leser, die mir und meinem Blog schon einige Jahre lang folgen?).

Nach meinem Referendariat habe ich lange Zeit in Baden-Württemberg an einer Grund- und Werkrealschule in den Klassen 1-10 gearbeitet. Als die Familienplanung konkreter wurde, entschieden mein Mann und ich, dass ich zu ihm in unsere Heimat ziehen sollte. Ich stellte also einen Antrag auf Bundeslandwechsel, welcher mir schlussendlich nach 3 Jahren genehmigt wurde, da mein Sohn auf dem Weg zu uns war. Ich konnte meine damalige Klasse noch gerade so am Ende der 4. Klasse entlassen, bevor mein Mutterschutz begann. Es folgten der Umzug und ein Jahr Elternzeit, in der der Bescheid kam, dass ich im folgenden Schuljahr im neuen Bundesland anfangen könne. 

Ich hatte bis dahin immer ein volles Deputat gehabt. Klar war das anstrengend, aber ohne Kind gut machbar. Mit Kleinkind war ich mir natürlich unsicher, wieviele Stunden würde ich gut meistern können? Es hängt ja einfach auch soviel von der Schule und dem möglichen Einsatz ab, den man dann eben auch oft sehr kurz vor knapp erst mitgeteilt bekommt. Ich entschied mich dafür, erstmal „klein” einzusteigen und beantragte eine Teilzeit im Rahmen von 10 Stunden. 

Und ich hatte echt verdammtes Glück. An der Grundschule, an die ich kam, fehlte ein Fachlehrer als „Lückenbüßer”, der ein paar Nebenfächer unterrichtet. Und so wurde ich in Fächern eingesetzt, die mir Spaß machen und die nicht so viel Vorbereitungs- und Korrekturaufwand bedeuten wie ein Hauptfach. Nach ca. einem Vierteljahr wurde mir das erstmals so richtig bewusst, wieviel Arbeit mir in diesem Jahr erspart blieb: so gut wie keine Elternarbeit, keine Klassenführung, keine Hauptfächer, kaum Korrekturen. Ich fühlte mich vielmehr, als ob ich einen kleinen Nebenjob so nebenher mache. Das war so ganz anders als meine bisherigen Erfahrungen (doppelte Klassenleitung, Übernahme von zahlreichen Zusatzaufgaben und Funktionen, Mitglied einer Steuergruppe, Schreiben von Konzepten und was weiß ich noch alles). 

Und trotzdem wurde mir natürlich nie langweilig, denn mein Sohn (der im 1. Halbjahr noch von den Omas betreut wurde) hielt mich nach der Schule genug auf Trab. Ich würde den Einstieg wieder ganz genauso machen, bin mir aber auch bewusst, dass meine Schule und die Schulleitung eine große Rolle in meiner positiven Erfahrung spielten. Finanziell kann man bei einem 35%-Job echt nicht meckern, aber große Sprünge sind da natürlich auch nicht drin. Deswegen, und weil mein Sohn reif war für die Kita (und die ja auch bezahlt werden muss), beantragte ich zum 2. Halbjahr eine Aufstockung auf 50% und hatte Glück, dass diese genehmigt wurde (hier ist es normalerweise nicht möglich, zum Halbjahr das Deputat zu ändern).

Anfangs dachte ich „Ach, 4 Stunden schaffe ich auch noch locker” – aber ich wurde schnell eines besseren belehrt. Nach nur wenigen Wochen merkte ich die Mehrbelastung deutlich. Ich hatte ein Hauptfach (Sachunterricht) dazubekommen und mein Stundenplan änderte sich natürlich. Ein Tag mehr in der Schule und an einem Tag zur 1. da sein. Die Mütter unter euch wissen, was „nur” ein freier Tag in der Woche bedeutet: an diesem Tag muss alles gemacht werden, was im Haushalt und drumherum anfällt. Finanziell gesehen (und das war natürlich ein Grund für die Aufstockung) merke ich es aber auch im positiven Sinne!

Mehr als 50% kann ich mir jedoch im Moment noch nicht vorstellen. Mein Sohn geht halbtags in die Kita und es kommt mir manchmal schon lange vor für sein Alter, obwohl es ihm sehr gut gefällt. Mittags ist dementsprechend nie Zeit für Unterrichtsvor- und -nachbereitung, sodass ich wenn dann abends oder am Wochenende am Schreibtisch sitze. Hinzu kommen natürlich Fortbildungen und pädagogische Tage, Sportfeste und andere Schulveranstaltungen. 

Was mir schon vorher oft gesagt wurde, mir aber doch jetzt erst im Laufe des Jahres bewusst wurde: das Teilzeitmodell ist in mancherlei Hinsicht ein „Verlierer”-Modell. Man arbeitet ja trotzdem viel mehr! An allen Konferenzen, Teamsitzungen, pädagogischen Tagen etc., die so “nebenher” laufen, nahm ich teil, auch wenn ich an diesem Tag zb gar keinen Unterricht gehabt hätte oder nur 2 Stunden. Ab und zu war es dann schon schwer für mich, zum Beispiel für einen ganzen Tag eine Betreuung für meinen Sohn zu organisieren, wenn ich eigentlich frei gehabt hätte. Glücklicherweise halten sich aber die Konferenzen an unserer Schule echt im Rahmen, sodass das schlussendlichfür mich in Ordnung war.

Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass ich nach einem Jahr wieder eingestiegen bin. Mehr als 50% hätte ich nicht geschafft – Hut ab für alle Mütter, die das im 2. Lebensjahr des Kindes auf sich nehmen! Aber ich war sehr froh, nochmal Teil eines Kollegiums zu sein, sich über die Schule auszutauschen und nicht mehr nur über Kleinkindsachen, neue Erfahrungen zu sammeln und ein Stück Arbeitsalltag neben dem Alltag als Mutter und Hausfrau zu haben. Für das nächste Schuljahr habe ich allerdings nochmal aufgestockt – hauptsächlich aus finanziellen Gründen, auch im Hinblick auf eine mögliche zweite Elternzeit. Ich bin gespannt, und habe auch gewaltigen Respekt davor, da es für mich auch eine Klassenleitung bedeuten kann. Dann wird das Arbeitspensum deutlich steigen und ich werde mich neu organisieren müssen. 

Teilt gerne eure Erfahrungen zum Einstieg nach der Elternzeit oder zum Thema Teilzeit mit uns!

Teilzeit nach Elternzeit – ein Rückblick

4 Gedanken zu „Teilzeit nach Elternzeit – ein Rückblick

  • 21. Mai 2019 um 8:56
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    Hallo, ich arbeite nun schon viele Jahre in Teilzeit und muss leider sagen, es ist ein Verlierer-modell. Nicht für meine eigenen Kinder, dafür würde ich es immer wieder so machen. Aber leider für mich als Lehrkraft. Ich habe auch in TZ mit nur 10 Stunden Klassenleitungen übernehmen müssen, weil nicht genug Leute da waren. Die vielen Jahre, die ich nun mit unterschiedlichesten Stundenzahlen arbeite haben mir immer wieder gezeigt, dass unser Schulsystem leider ausnutzt, dass die TZ -Leute ihren Job trotzdem gut machen, der Kinder wegen. Mit meinen aktuell 18 Stunden Unterrichtsverpflichtung komme ich häufig auf eine 40 Stunden-Woche, viel erledige ich am WE. Das mag zum Teil selbstverschuldet an meinem eigenen Anspruch liegen, aber auch daran, dass sich KL-Aufgaben wie Elterngespräche, Teamsitzungen, …..nicht mit der Stoppuhr abarbeiten lassen. Meine eigenen Kinder (jetzt mitlerweile 18 und 14 sind mir trotzdem dankbar, dass ich nie wieder mit Vollzeit eingestiegen bin und oft am Nachmittag für sie präsent war. Ich kann dich ermutigen, es für deine eigenen Kinder so zu gestalten, achte aber darauf, dass du selbst nicht auf der Strecke bleibst.
    LG Petra

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  • 21. Mai 2019 um 20:38
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    Hallo, auch ich bin zum 1. Geburtstag meines ersten Kindes wieder eingestiegen – mit 20 Stunden und Klassenleitung. Nach dem 2. Kind folgte wieder ein Jahr Pause, danach ging es mit 16 Stunden weiter, wieder mit Klassenführung. Ohne Oma und Opa wäre das nicht zu schaffen gewesen, zumal mein Mann leider auch nicht immer einspringen kann, wenn Konferenzen, Fortbildungen, Elterngespräche oder sonstige Veranstaltungen anstehen. Vor- und Nachbereitung läuft auch bei mir häufig am Abend oder an den Wochenenden.
    Und, ja, auch ich fühle mich oft als Verliererin. Pausenaufsicht, Fortbildung, Sportfest, Bastelnachmittag, Elterngespräche, Infoabende, Treffen mit Erzieherinnen etc. lässt sich nicht in Teilzeit machen.
    Trotzdem würde ich Vollzeit einfach nicht schaffen. Wie ihr auch schon sagt, hängt das sicher auch mit meinen Ansprüchen zusammen, aber ich MÖCHTE einfach für meine Kinder da sein, sie unterstützen. Obwohl es manchmal unheimlich stressig ist – aus der Schule raus, Kinder abholen, weiter gehts daheim mit Haushalt, Hausaufgaben, Sport.

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    • 22. Mai 2019 um 8:03
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      Ohja, Oma und Opa sind auch für uns unerlässlich :-)

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  • 23. Mai 2019 um 12:27
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    Hallo du Liebe!

    Leider musste ich nach der Elternzeit aus finanziellen Gründen direkt Vollzeit einsteigen. Nun bin ich erneut in Elternzeit und leider sieht es erneut so aus, als müsse ich in Vollzeit einsteigen. Es ging ganz gut, aber ich hatte oft ein schlechtes Gewissen und die Arbeit musste ich spät am Abend erledigen.
    Ich berichte gerne, wenn ich wieder arbeite.

    Lieben Gruß und toll, wie du alles hinbekommen hast!

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