— Aus dem Archiv und um die Kommentare von Lesern ergänzt —

Die Grundschulempfehlungen stehen bevor, und somit auch die Gespräche, die noch vor Ausgabe der Empfehlung und der Halbjahresinformation stattfinden. Für mich ist es das erste Mal, dass ich eine 4. Klasse unterrichte und diesen wichtigen Schritt begleiten darf. Ich war überrascht, dass sich schon am Ende der 3. Klasse die ersten Eltern mit dem Gedanken herumschlugen, auf welche weiterführende Schule ihr Kind gehen sollte.

Selbst habe ich noch keine Kinder und kann dadurch nicht wirklich beurteilen, wie bedeutend diese Entscheidung für ein Elternteil sein kann. Aus meiner Sicht als Lehrerin habe ich manchmal das Gefühl, diese Station im Leben wird extrem aufgebauscht. Wenn es nach mir ginge, müssten die Eltern jetzt noch gar nichts entscheiden, sondern erst nach Klasse 6, aber leider ist das in BaWü nicht die Praxis. An diesem Punkt, an dem die Kinder jetzt stehen, fällt es so unglaublich schwer, zu beurteilen, inwiefern sie sich noch weiterentwickeln werden. Dass sich alle weiterentwickeln, das ist klar, aber wird bei dem ein oder anderen noch “der Knoten platzen” und wird er mehr tun als nur das unbedingt Notwendige?

Ich glaube, das allerwichtigste in dieser entscheidenden Zeit ist es zu wissen, dass diese Entscheidung, welche Schule es denn nun sein soll, keine endgültige Entscheidung sein muss, und schon gar keine Sackgasse. Dies den Eltern zu vermitteln, ist mir sehr wichtig. Auf die Gespräche, bei denen es sicher die ein oder andere Unstimmigkeit geben wird, muss ich mich gut vorbereiten.

Meine Vorbereitung sieht bisher so aus:

  1. Um mir ein erstes Bild von der umliegenden Bildungslandschaft zu machen, habe ich mich umfassend über die weiterführenden Schulen informiert: welche gibt es? Wie groß sind sie? Was macht ihr Schulprofil aus? Welche Schwerpunkte werden gelegt? Welche Projekte / AGs / Nachmittagsangebote etc. gibt es?
  2. Dann habe ich mich über die Veränderungen der Bildungslandschaft in BaWü informiert: BaWü will hin zum zweigliedrigen Schulsystem. Im Zuge dessen wurden die Realschulen umstrukturiert, sodass dort auch ein Unterricht im grundlegenden Niveau möglich ist und am Ende von Klasse 9 der Hauptschulabschluss gemacht werden kann. Trotzdem gibt es parallel dazu immer noch ein paar wenige Werkrealschulen und auch Gemeinschaftsschulen. Und dann natürlich noch die Gymnasien. (Wenn mich als diejenige, die eigentlich Einblick in das Schulsystem hat, das Ganze schon mächtig herausfordert, wie wird es erst den Eltern gehen??)
  3. Ich habe schulrechtliches nachgelesen, mir die multilaterale Versetzungsordnung zu Gemüte geführt und mir die Voraussetzungen für den Übertritt in eine RS oder ein GYM angeschaut.
  4. Schließlich habe ich mir stichwortartig aufgeschrieben, welche Punkte unbedingt zu berücksichtigen sind, wenn es an die Beurteilung der Schüler und damit an die Empfehlungen geht:
    • die Noten in Deutsch und Mathematik, auch deren Entwicklung
    • Leistungen in den Nebenfächern
    • besondere Interessen, Kompetenzen und Stärken
    • Freude am Lernen / Motivation
    • Fleiß, Arbeitshaltung, Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit
    • Entwicklung über die letzten Schuljahre hinweg
    • und schließlich, ganz wichtig, das mögliche Entwicklungspotenzial des Kindes in der kommenden Zeit (Dies ist natürlich nur zu vermuten und ich tue mir unheimlich schwer, hierüber Aussagen zu treffen. Dennnoch halte ich es für einen sehr wichtigen Punkt, der über eine mögliche Empfehlung entscheiden kann.)
  5. Mein nächster Schritt ist, die aktuellen Deutsch- und Mathe-Noten aufzuschreiben und mir per kurzer Notiz meine Überlegungen zum entscheidenden Arbeitsverhalten, zur Kognition, zu Motivation und Fleiß festzuhalten. Dazu eine vorläufige Überlegung, welche Schulart die passende (ich schreibe bewusst nicht: richtige) sein könnte.
  6. Anschließend ergänzt die Kollegin, die Mathe in meiner Klasse unterrichtet, und wir setzen uns zur Beratung zusammen.

Ich denke, damit ist schon ein wichtiger Teil der Arbeit getan. In den nächsten Wochen heißt es noch einmal verstärkt die Schüler zu beobachten und Wahrnehmungen zu notieren, bevor es dann im Februar in die Klassenkonferenz geht. Es ist eine spannende Zeit und ich bin aufgeregt, wie das alles abläuft.

Weitere Tipps von Lesern:

  • Beratungslehrer zu Rate zu ziehen, ggf Schulleistungstest durchführen lassen
  • Fragebogen an die Eltern austeilen: wie schätzen sie ihr Kind ein?
  • Fragebogen an die Kinder zur Selbsteinschätzung

Vielleicht habt ihr noch Tipps, wo man Hilfen und Anregungen für diese Phase findet, oder könnt ergänzen, wie ihr euch darauf vorbereitet habt?

Vorbereitungen für die Grundschulempfehlung

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