Vor ein paar Tagen traf ich beim Spazierengehen meine frühere Grundschullehrerin, und ein paar Tage später meinen ehemaligen Biolehrer vom Gymnasium. Das kann nur eins heißen: ich bin wieder zurück in der Heimat!

Zwölf Jahre lang war ich weg von zu Hause. Als ich mein Abitur in der Tasche hatte, war für mich klar: hier hält mich nichts mehr! Dieses kleinstädtische, allzu vertraute. Immer die selben Gesichter. Ich wollte raus in die Welt. Nach einem Jahr in den USA und vielen Abenteuern fand ich meinen zukünftigen Studienort im Süden Deutschlands. Zwischen Studium und Referendariat verbrachte ich nochmal ein halbes Jahr im Ausland, wollte aber für das Ref an meinen Studienort zurück. Irgendwie hatte ich mich da mehr als eingelebt.

Ich hatte einen großen und aktiven Freundeskreis – noch heute denke ich oft an diese Zeit zurück -, war Teil einer Sportmannschaft, kannte und liebte jeden Winkel dieser wunderbaren Stadt. Ich hatte Glück und bekam einen Ref-Platz in der pendelbaren Nähe, und wie das Schicksal es wollte, wollte und konnte mein Schulleiter mich schließlich halten. Ich fühlte mich immer sehr wohl und glaubte, dass meine Zukunft in diesem Örtchen liegen würde.

Vor einigen Jahren jedoch verliebte ich mich ausgerechnet in einen Mann aus meiner alten Heimat! Ich konnte es selbst kaum glauben. Ach, war da das Gerede groß! Die, die damals unbedingt weg wollte, angelte sich nun einen Mann aus der Heimat. Noch heute müssen wir beide schmunzeln, wenn wir daran denken. Etliche Jahre lang führten wir eine Fernbeziehung, denn ich war erstmal an meine Schule gebunden und wollte auch nicht weg. Mein Mann hing auch an seinem Arbeitgeber und fühlte sich dort wohl. Also fuhren und fuhren wir jahrelang hin und her. Machbar ist das, wenn man es wirklich will.

Doch als dann die Frage nach der Gründung einer eigenen kleinen Familie aufkam, mussten wir uns zwangsläufig auch entscheiden, wo wir in Zukunft leben wollten. In einer größeren Stadt, in der wir uns sehr wohl fühlten und in der wir ein gut ausgebautes soziales Netz hatten, aber keine Verwandtschaft; in unserer Heimatstadt, wo wir unsere Angehörigen direkt in der Nähe haben; oder an einem ganz anderen Ort neu anfangen.

Da wir beide Familienmenschen sind, fiel die Wahl doch recht schnell auf die alte Heimat. Sicherlich geht es mit Kind auch fernab von Omas und Opas, aber einfacher und für das Kind auch schöner ist es doch inmitten der Familie. Und so gab ich meine über alles geliebte Wohnung in der Stadt auf und zog wieder zurück in meine Heimatstadt. Zufälligerweise sogar in genau das gleiche Viertel, in dem ich aufgewachsen war. Ein komisches Gefühl!

Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, ganz und gar nicht. Mir fehlen die alte Schule, die Kollegen und die vielen netten Eltern, die ich bereits gut kannte. Mir fehlen meine Freunde, mit denen ich die letzten – und für mich sehr wichtigen – 10 Jahre meines Lebens verbracht habe. Mir fehlt die Umgebung, die immer die besten Freizeitmöglichkeiten bot.

Dafür habe ich hier – ja man kann durchaus sagen, auf dem Land – vieles, was ich so in der Stadt nicht hätte realisieren können: ein großes Haus mit großem Garten, ganz viel Ruhe, etliche Leute, die ich noch von früher kenne und die immer wieder auf mich zukommen, Omas und Opas, Geschwister, Onkel und Tanten, sowie die Paten meines Sohnes, die wir jederzeit und auf die Schnelle sehen können.

Ich bereue die Entscheidung nicht und fühle mich hier wohl. Jedoch – ein wehmütiges Gefühl bleibt. Voller Erinnerungen an die letzten Jahre und die vielen wertvollen Erfahrungen. Der Umzug hierher war der erste Schritt eines ganz neuen Lebensabschnitts. Und es war gut so – ich bin mir nämlich genauso sicher, dass ein Umzug zurück in die Heimat zu einem anderen Zeitpunkt, wenn wir beide noch mehrere Jahre gearbeitet hätten, für mich nicht in Frage gekommen wäre. Aber die Gründung einer eigenen kleinen Familie war der richtige Grund für die Rückkehr – und uns hindert ja heute niemand daran, mehrere Male im Jahr in meinem vorherigen Wohnort Urlaub zu machen ;-) “Was, du willst schon wieder runterfahren??” – O-Ton mein Mann, schmunzelnd, vor wenigen Wochen.

 

 

 

 

Zurück in die Heimat

2 Gedanken zu „Zurück in die Heimat

  • 25. Februar 2018 um 9:55
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    Ich bin ein richtiges Dorfkind! Ich meine richtig Dorf mit unter 2000 Einwohnern. Damals zum Studium fand ich das Stadtleben aufregend und bereichernd. So war zu Beginn meines Referendariats mein Bedarf an Stadtluft bereits gedeckt und ich wünschte mir nichts mehr als eine heimatnahe Stelle. Aber nein, es verschlug mich in die weit entfernte Großstadt! Ich kam dort leider an eine Schule, denen man die Aufnahme eines Referendars aufgezwungen hatte. Und das ließ man mich auch über die 1,5 Jahre spüren. Zusammen mit dieser Tatsache fühlte ich mich in dieser Zeit so verloren und unglücklich wie Gott sei Dank nie wieder bisher in meinem Leben. Danach führte mich mein Weg wieder zurück in “mein gelobtes Heimatland “. Die ersten 10 Jahre zwar an einer Stelle mit längerem Fahrtweg, aber seit nun 7 Jahren bin ich an meiner Traum-Schule im Nachbarort. Meinen Mann habe ich mir von auswärts gesucht und konnte ihn in meinen Heimatort locken! 😁 Nun leben wir neben meinem Elternhaus und fühlen uns wohl, geborgen und einfach angekommen!
    Danke für den schönen Einblick in dein Leben!😊

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  • 25. Februar 2018 um 10:29
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    Liebe Diana,

    das klingt so schön und ist in etwa mein Ziel nach vielen Jahren Fernbeziehung mit einem Lehrer im angrenzenden Bundesland. Lies man dich einfach ziehen oder konntest du erst als (Fast-) Mama umziehen? Für uns sieht es nämlich gerade nicht so rosig aus, obwohl ich im Land bleiben könnte, eine „grenznähere“ Schule wäre perfekt..

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